keinen Heiligen vor den Soldaten geschützt - doch die Sternwarte flößte viel mehr Achtung ein - dem großen Abu Maschar wich das Volk scheu aus - die Soldaten erst recht - die hatten sogar eine höchst abergläubische Furcht vor den Sterndeutern . Der alte Suleiman war keine Persönlichkeit , die nach was aussah . Und Osman hatte viel zuviel Freunde in der Burg - er verschaffte den Hofleuten so manchen Vorteil und pflegte stets sehr freigebig zu sein . Daher blieb nur der alte Geizkragen Said ibn Selm , an dem man sein Mütchen kühlen konnte . Das geschah natürlich - Said hatte Alles auszubaden . Fünf Hauptleute mit hundert bis an die Zähne bewaffneten Soldaten drangen in Saids Haus , verwüsteten alles und raubten , was sie konnten . Nur die Tarub behandelte man glimpflich . Man erlaubte ihr , alle Küchengeräte mitzunehmen - und auch ihre Ersparnisse durfte sie mitnehmen . Suleiman hatte vorher sein Schäfchen ins Trockne gebracht - er hatte dem Said sämtliche Schmucksachen gestohlen . Die Soldaten steckten schließlich alles , was sie nicht mitnehmen konnten , in Brand und hätten auch den Said verbrannt , wenn der nicht so schrecklich geschrieen hätte . Man ließ Said laufen - allerdings - splitternackt . Mitleidige alte Leute schenkten dem alten Geizhalse ein paar alte Lumpen , mit denen er sich notdürftig bekleiden konnte . So gings einem der reichsten Männer von ganz Bagdad . Die fünf Hauptleute mit ihren hundert Soldaten füllten ihre Taschen mit blankem Golde - bis zum Rande . Und der Chalif freute sich sehr , als er das hörte - die Hofleute gleichfalls - denn die wußten , die Soldaten würden schon dankbar sein , wenns nötig sein sollte . Die Abla und die Sailóndula wurden von Osman aufgenommen ; der freute sich auch . Die Tarub mietete sich eine Küche in der langen Straße . Die Küche lag in einem kleinen Gartenhause , das von dem Besitzer nicht benutzt wurde ; hinter großen Bananen lags . Als Safur nach Bagdad zurückkehrte , ward ihm die Tarub feierlich von Osman geschenkt . Safur wollte ja die Tarub schon immer so gern geschenkt haben . Jetzt hatte er sie - und er war ihr Herr - und sie war seine Sklavin . Die Sache hatte natürlich manchen Haken . Der Dichter konnte sich nicht gleich in seine neue Lage finden . Es hatte sich in Bagdad doch recht viel verändert . Es war so , als wenn überall was zerrissen wäre - überall so was Zerrissenes ! Die Fäden , mit denen die Menschen aneinander gebunden sind , sind viel dünner , als man gemeinhin denkt - zerreißen so leicht und sind so schwer wieder zusammenzuknüpfen . Es ist daher auch garnicht verwunderlich , daß - als sich bei Osman der Kodama , der Safur und der Hamadany wieder mal nach fast zwei Jahren » guten Tag « sagen - die Einigkeit dieser vier lauteren Brüder eine bemerkenswerte Störung schon in der ersten Stunde des neuen Zusammenseins erleidet . Safur spricht von Ägypten - vom Lande der Pyramiden - vom Lande der Sphinx . Und er spricht auch von dem , was die ägyptischen Heiden von der Weltseele lehren . Er teilt dem Osman die Namen von mehreren ägyptischen Gelehrten mit , die größere philosophische Werke geschrieben haben . Osman ist darüber sehr erfreut und schreibt sich die Namen sorgfältig auf ; er will sich sofort mit den Ägyptern in Verbindung setzen . Osman kann garnicht genug Bücher herausgeben . Safur aber spricht weiter von der Weltseele - von der Viereinigkeit und von der Dreieinigkeit - von Raum und Zeit - von Geist und Stoff - von Plato - und von Pythagoras - von der Zahlenmystik - und vom Überirdischen . Hamadany und Kodama hören eifrig zu . Indessen - sie können bald nicht mehr dem Dichter folgen - von der Weltseele verstehen sie sowieso nichts . Es ist daher ganz erklärlich , daß sie bald dem begeisterten Safur erklären , er würde unklar . Der Dichter , der von Dingen sprach , die er selbst nicht mal ordentlich begriffen hatte , ist natürlich höchst empört , daß man ihm Unklarheit vorwirft - er ist wütend . Er merkt jedoch noch rechtzeitig , daß der Vorwurf seiner Freunde nicht ganz ungerechtfertigt genannt werden könne - und legt demnach sehr geschickt folgendermaßen los : » Freilich ! Klar soll ich sein ! Natürlich ! Die Dinge , von denen ich rede , sind ja auch so einfach und klar , daß es gar keine Mühe macht - klar - klar über diese Dinge zu reden ! Freilich ! Natürlich ! Ein Hammelbraten ist immer was Klares für Euch - die Weltseele und der viereinige Gott muß deshalb auch klar für Euch werden . Bei Allah , merkt Ihr denn nicht - wißt Ihr denn nicht , daß die Leute , die immer nur das Nächstliegende - das Erreichbare - im Auge haben , ohne große Umstände klar sein können ? - daß diese einfachen Leute , diese bäurischen Tölpel , sich immer klar werden müssen ? Und wißt Ihr nicht , daß andrerseits diejenigen , die in die tiefsten Tiefen der Welträtsel dringen möchten , sehr selten klar sein können ? In jedem feineren Kopfe , der stets zu denken gewohnt ist , ist die ganz abgeschlossene Klarheit nicht so was Alltägliches . Die Tarub allerdings wird immer ganz klar sprechen , weil sie nur das Nächstliegende - Erreichbare - haben will . Safur , der dem Unerreichbaren nachjagt , kann leider nicht immer so klar sein . Aber - bei Allah - seid Ihr nicht mehr als Tarub ? Warum nennt Ihr Euch denn nicht Tarub ? Warum nicht ? Dummköpfe sind sich immer klar . Das Rhinoceros , das im Nile zu baden pflegt , hat ohne Zweifel den klarsten Kopf - weils das dümmste Tier der Welt ist . Das Rhinoceros denkt über die Weltseele nicht nach - Tarub wird das