Wirkung auch richtig erzielt hatte . Allerdings nur bei der Schickedanz selbst und einigermaßen auch bei der Frau Hartwig , die während der ganzen Rede beständig mit dem Kopf genickt und nachträglich ihrem Manne bemerkt hatte : » Ja , Hartwig , da liegt doch was drin . « Hartwig selber indes , der , im Gegensatz zu den meisten seines Standes , humoristisch angeflogen war , hatte für die merkwürdige Fügung von » drei Tage vor Weihnachten « nicht das geringste Verständnis gezeigt , vielmehr nur die Bemerkung dafür gehabt : » Ich weiß nicht , Mutter , was du dir eigentlich dabei denkst ? Ein Tag ist wie der andre ; mal muß man ran « - worauf die Frau jedoch geantwortet hatte : » Ja , Hartwig , das sagst du so immer ; aber wenn du dran bist , dann redst du anders . « Der verstorbene Schickedanz hatte , wie der Tod ihn ankam , ein Leben hinter sich , das sich in zwei sehr verschiedene Hälften , in eine ganz kleine unbedeutende und in eine ganz große , teilte . Die unbedeutende Hälfte hatte lange gedauert , die große nur ganz kurz . Er war ein Ziegelstreichersohn aus dem bei Potsdam gelegenen Dorfe Kaputt , was er , als er aus dem diesem Dorfnamen entsprechenden Zustande heraus war , in Gesellschaft guter Freunde gern hervorhob . Es war so ziemlich der einzige Witz seines Lebens , an dem er aber zäh festhielt , weil er sah , daß er immer wieder wirkte . Manche gingen so weit , ihm den Witz auch noch moralisch gutzuschreiben , und behaupteten : Schickedanz sei nicht bloß ein Charakter , sondern auch eine bescheidene Natur . Ob dies zutraf , wer will es sagen ! Aber das war sicher , daß er sich von Anfang an als ein aufgeweckter Junge gezeigt hatte . Schon mit sechzehn war er als Hilfsschreiber in die deutsch-englische Hagelversicherungsgesellschaft Pluvius eingetreten und hatte mit sechsundsechzig sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum in eben dieser Gesellschaft gefeiert . Das war aus bestimmten Gründen ein großer Tag gewesen . Denn als Schickedanz ihn erlebte , hieß er nur noch so ganz obenhin » Herr Versicherungssekretär « , war aber in Wahrheit über diesen seinen Titel weit hinausgewachsen und besaß bereits das schöne Haus am Kronprinzenufer . Er hatte sich das leisten können , weil er im Laufe der letzten fünf Jahre zweimal hintereinander ein Viertel vom Großen Lose gewonnen hatte . Dies sah er sich allerseits als persönliches Verdienst angerechnet und auch wohl mit Recht . Denn arbeiten kann jeder , das Große Los gewinnen kann nicht jeder . Und so blieb er denn bei der Versicherungsgesellschaft lediglich nur noch als verhätscheltes Zierstück , weil es damals wie jetzt einen guten Eindruck machte , Personen der Art im Dienst oder gar als Teilnehmer zu haben . An der Spitze muß immer ein Fürst stehen . Und Schickedanz war jetzt Fürst . Alles drängte sich nicht bloß an ihn , sondern seine Stammtischfreunde , die zu seiner zweimal bewährten Glückshand ein unbedingtes Vertrauen hatten , drangen sogar eine Zeitlang in ihn , die Lotterielose für sie zu ziehen . Aber keiner gewann , was schließlich einen Umschlag schuf und einzelne von » bösem Blick « und sogar ganz unsinnigerweise von Mogelei sprechen ließ . Die meisten indessen hielten es für klug , ihr Übelwollen zurückzuhalten ; war er doch immerhin ein Mann , der jedem , wenn er wollte , Deckung und Stütze geben konnte . Ja , Schickedanz ' Glück und Ansehen waren groß , am größten natürlich an seinem Jubiläumstage . Nicht zu glauben , wer da alles kam . Nur ein Orden kam nicht , was denn auch von einigen Schickedanzfanatikern sehr mißliebig bemerkt wurde Besonders schmerzlich empfand es die Frau . » Gott , er hat doch immer so treu gewählt « , sagte sie . Sie kam aber nicht in die Lage , sich in diesen Schmerz einzuleben , da schon die nächsten Zeiten bestimmt waren , ihr Schwereres zu bringen . Am 21. September war das Jubiläum gewesen , am 21. Oktober erkrankte er , am 21. Dezember starb er . Auf dem Notizenzettel , den man damals dem Kandidaten zugestellt hatte , hatte dieser dreimal wiederkehrende » Einundzwanzigste « gefehlt , was alles in allem wohl als ein Glück angesehen werden konnte , weil , entgegengesetztenfalls , die » drei Tage vor Weihnachten « entweder gar nicht zustande gekommen oder aber durch eine geteilte Herrschaft in ihrer Wirkung abgeschwächt worden wären . Schickedanz war bei voller Besinnung gestorben . Er rief , kurz vor seinem Ende , seine Frau an sein Bett und sagte : » Riekchen , sei ruhig . Jeder muß . Ein Testament hab ich nicht gemacht . Es gibt doch bloß immer Zank und Streit . Auf meinem Schreibtisch liegt ein Briefbogen , drauf hab ich alles Nötige geschrieben . Viel wichtiger ist mir das mit dem Haus . Du mußt es behalten , damit die Leute sagen können : Da wohnt Frau Schickedanz . Hausname , Straßenname , das ist überhaupt das Beste . Straßenname dauert noch länger als Denkmal . « » Gott , Schickedanz , sprich nicht soviel ; es strengt dich an . Ich will es ja alles heilighalten , schon aus Liebe ... « » Das ist recht , Riekchen . Ja , du warst immer eine gute Frau , wenn wir auch keine Nachfolge gehabt haben . Aber darum bitte ich dich , vergiß nie , daß es meine Puppe war . Du darfst bloß vornehme Leute nehmen ; reiche Leute , die bloß reich sind , nimm nicht ; die quängeln bloß und schlagen große Haken in die Türfüllung und hängen eine Schaukel dran . Überhaupt , wenn es sein kann , keine Kinder . Hartwigen unten mußt du behalten ; er ist eigentlich ein Klugschmus , aber die Frau ist gut . Und der kleine Rudolf , mein Patenkind ,