! Du machst deinen Dienst ! Und das Gams unter der Wand da drüben soll fort ! « Ein Augenzwinkern des Grafen schickte den Rottmeister zur Stube hinaus . Dann krachte die Tür ins Schloß . Mit langem Gesicht stand der Mann in der Küche und fragte flüsternd : » Was hat er denn heut ? « » Geht ' s dich was an ? « knurrte Schipper und zeigte ein Gesicht , als hätte er Galle auf der Zunge . Einige Minuten später war er wegfertig und wanderte mit den Männern über das Latschenfeld gegen die Wände . Graf Egge stand am Fenster und sah ihnen nach , bis sie verschwunden waren . Dann ging er in die Küche und schürte Feuer an , um die Hirnschale des Krickels auszukochen . Eine volle Stunde saß er auf dem Herdrand und wandte keinen Blick von dem sprudelnden Wasser , aus dem die schwarzen Haken des Gehörns hervorragten . Als sich die Stirnhaut von den Knochen gelöst hatte , schabte er mit geduldiger Sorgfalt die letzte Muskelfaser von dem weißen Bein und trug das Krickel in die Sonne , damit die Schale trocknen und bleichen möchte . Die Hände im Schoß , saß er neben dem Gehörn auf der sonnigen Hüttenbank und musterte immer wieder mit zärtlich-stolzen Augen die schöne Trophäe . Es währte eine halbe Stunde , bis in der heißen Sonne die letzte Spur von Feuchtigkeit an der bleichen Hirnschale verdunstet war . Graf Egge trug das Krickel in die Stube , holte Feder und Tinte zum Tisch und malte in zierlicher Schrift das Datum der Jagd , die ihm die seltene Beute beschert hatte , auf das weiße Bein . Während er über die nassen Schriftzüge blies , um sie rascher trocknen zu machen , betrat ein alter Mann mit untertänigen Verbeugungen und halb atemlos die Stube - der Postbote . Es war ihm anzumerken , daß er den weiten , mühseligen Weg vom Dorf herauf mit manchem Seufzer begleitet hatte . Die Sendung , die er brachte , hatte ihn wohl mit ihrem Gewicht nicht gedrückt , und dennoch atmete er erleichtert auf , als er das winzige , mit vierzehntausend Mark bewertete Kistchen in Graf Egges Hände legte . » Setz dich ! Ich will in deiner Gegenwart nachsehen , ob alles in Ordnung ist . « Graf Egge zog das Messer aus der Lederhose und sprengte den kleinen Holzdeckel . Eine in Watte gehüllte Schachtel kam zum Vorschein , und als Graf Egge sie öffnete , flammten seine Augen in Freude . Auf einem mit schwarzem Samt überzogenen Brettchen waren , in vier Reihen übereinander , ungefaßte , in absonderlichen Formen geschliffene Saphire und Rubinen mit feinen Silberdrähten angeheftet . Durch das Fenster fiel die Sonne auf die Steine , und das funkelte und gleißte in schönen Farben . Der Juwelier schien den Geschmack seines Kunden getroffen zu haben . Zufrieden musterte Graf Egge die Sendung . Rasch überflog er den Begleitbrief und zählte die Steine mit tippendem Finger . » Stimmt ! « Er unterschrieb den Postschein und reichte ihn dem Boten . » Alles in Ordnung . « Der Alte erhob sich . » Bhüt Ihnen Gott , Herr Graf ! « Bei der Tür blieb er zögernd stehen , als wäre die Sache für ihn noch nicht erledigt . Graf Egge hatte sich schon wieder in die Betrachtung der Steine vertieft . » Ich bitt , Herr Graf , « fragte der Alte kleinlaut , » haben S ' kein Auftrag nunter ? Oder sonst was ? « Ohne aufzublicken , schüttelte Graf Egge den Kopf . Verdrossen schlich der Alte davon . Vor der Hütte blieb er stehen und schielte nach dem Stubenfenster . » Fünf Stund bis da rauf ! Da wären a paar Maß Bier net z ' viel gwesen ! « Als er das Almfeld erreichte , wurde er von Schipper und dem Treiber überholt , der auf dem Rücken den Bock und in der Hand ein blutfleckiges Bündel trug , das seinen Anteil an der unter die Treiber verteilten Gemse enthielt . Der alte Postbote vermochte mit den beiden nicht Schritt zu halten und blieb zurück . Am Saum des Bergwaldes - hier hatte Franzl aus weiter Ferne das Paar beobachtet - trennte sich Schipper von seinem Begleiter . » So ! Und vergiß die Botschaft an Moser net . Er soll die Unterhos für ' n Grafen gleich kaufen und soll dir s ' mitgeben . « Der Mann folgte dem Steig , und Schipper wandte sich seitwärts in den Wald ; als er allein war , knirschte er einen Fluch durch die Zähne . Auf einem stark begangenen Wildwechsel fand er die frische Spur eines genagelten Schuhes . » Da is er gwesen ! « murmelte Schipper und spie auf die Fährte . Nun folgte er dem Wege , den Franzl genommen hatte ; die stille Hoffnung , die ihn dabei leitete , erfüllte sich nicht ; er kam zu keiner Salzlecke , bei der die Spur jenes anderen Fußes fehlte . » Wie gnau er heut sein Dienst gmacht hat ! Als hätt er schmecken können , daß ich ihm nachsteig ! « Bald erreichte er den zum Mitterkaser führenden Pfad und sah neben einem gestürzten Baum ein weißes Kopftuch auf der Erde liegen . Er hob es auf , und während er das Tuch noch in der Hand hatte , klangen Schritte auf dem tieferen Steig . Mali erschien , mit den Augen suchend . Als sie den Jäger sah , blieb sie betroffen stehen ; kaum gewahrte sie den Fund in Schippers Hand , da sprang sie auf ihn zu und entriß ihm das Tuch . » Her damit ! Dös Tüchl ghört mein ! « » Oho ! Bei dir geht ' s aber gschwind ! « Zwinkernd betrachtete Schipper das Mädel . Das Ergebnis dieser Musterung schien ihm zu behagen . » Wer bist denn du ? Dich kenn ich