augenscheinlich nicht bloß in Erregung , sondern in geradezu schlechter Laune . Sie warf das Blatt beiseite , und statt der sonst üblichen gnädigen Begrüßung erfolgte nur die Frage : » Haben Sie schon gelesen , meine Herren ? « Holk , dem als einem halben Fremden keine besondere Leseverpflichtung oblag , blieb ruhig ; Pentz aber kam in Verlegenheit , um so mehr , als er neuerdings öfters auf solchen Unterlassungssünden ertappt worden war . Diese sehr sichtbare Verlegenheit stellte aber die gute Stimmung der Prinzessin sofort wieder her . » Nun , lieber Pentz , erschrecken Sie nicht zu sehr und lassen Sie mich zu Ihrer Beruhigung sagen , daß mir , im langen Laufe der Jahre - und nach solchen müssen wir doch nachgerade rechnen - , ein Mann der Trüffel-und Wildbretpastete wie Sie viel , viel lieber ist als ein Mann der Politik und des Zeitungsklatsches oder gar der Zeitungsmalice . Denn mit einer solchen haben wir ' s hier zu tun . Es wird zwar ein Handelshaus vorgeschoben , noch dazu ein Handelshaus in Kokkegarde , aber es bedarf nicht vieler Einsicht und Vertrautheit , um die Personen zu erraten , die diesen Skandal in Szene gesetzt haben . « In Pentz ' Gesicht verschwand der Ausdruck der Verlegenheit , und der der Neugierde trat an seine Stelle . » Mutmaßlich Unpassendheiten über die Gräfin ... « » O nein « , lachte die Prinzessin herzlich . » Unpassendheiten über die Gräfin gibt es erstlich überhaupt nicht , und wenn Sie das Muster eines Kammerherrn wären , Gott sei Dank sind Sie ' s nicht , so würden Sie meinen Ihnen wohlbekannten Gefühlen für die Gräfin etwas ausgiebiger Rechnung tragen . Aber so sind Sie , Baron , und vergessen im Hinblick auf das Frühstück , wenn Sie ' s nicht schon genommen , daß ein Pasquill über die Danner meine gute , nicht aber meine schlechte Laune geweckt haben könnte . Ja , lieber Pentz , da haben Sie sich verfahren oder vielleicht selbst verraten , und lebten wir in anderen Zeiten , so begäb ich mich recte zum König und ging ' ihn an , Ihnen einen Struensee-Prozeß zu machen und Sie der unerlaubten Beziehungen zur Gräfin-Putzmacherin zu zeihen . Denken Sie , wenn dann Ihr Haupt fiele ! Doch ich will Sie so weit nicht bedrohen und verurteile Sie nur , den Artikel zu lesen , hier den : Ebba hat jede Zeile rot unterstrichen , sie liebt dergleichen , und dann mögen Sie sich wundern , wie weit wir in Dänemark mit unserem Regiment der Gasse bereits gekommen sind . Regiment der Gasse , leider ; - vor Holk sollten wir uns freilich sträuben , es zuzugestehen , denn es stellt uns bloß und ist nur Wasser auf seine schleswig-holsteinsche Mühle . Doch was hilft es , der Artikel ist nun mal da , und wenn er ihn hier nicht liest , so liest er ihn in seiner Wohnung , oder die Frau Kapitän Hansen liest ihn ihm wohl gar vor . Leute , die selber Anspruch auf einen Artikel oder ähnliches haben , sind immer am durstigsten nach allem , was Sensation macht . « Holk fühlte sich unangenehm berührt , weil er aus dieser Schlußbemerkung aufs neue heraushörte , daß der gute Leumund der Hansens ein großes Fragezeichen habe ; es war aber nicht Zeit , sich diesem Gefühle hinzugehen , denn Pentz hatte das Blatt bereits in die Hand genommen und begann , während er sein Pincenez hin und her schob : » Erbprinzlich Ferdinandsche Wechsel zu verkaufen ! « » Nun , Pentz , Sie stocken ja schon und ziehen Ihr Taschentuch , mutmaßlich um Ihre Gläser zu putzen und sich zu vergewissern , daß Sie recht gelesen haben . Aber Sie haben recht gelesen . Fahren Sie nur fort . « » ... Verschiedene vom Prinzen Ferdinand , Königliche Hoheit , und zwar unter dem Zusatze : bei meiner königlichen Ehre , ausgestellte Wechsel , indossiert von seinem Kammerassessor Plöther , sind zu verkaufen , und zwar für den Wert , den eventuelle Liebhaber , beziehungsweise Sammel- und Kuriositätenamateurs , Papieren von solcher Bedeutung beimessen wollen , doch nicht unter fünfzig Prozent . Man beliebe sich an das Comptoir Kokkegarde 143 zu wenden ... « Pentz legte das Blatt nieder ; der Artikel war zu Ende . » Nun , meine Herren , was sagen Sie zu diesem Vorkommnis , von dem ich behaupten darf , ähnliches in meinen siebzig Jahren noch nicht erlebt zu haben . Sie schweigen , und Holk ist mutmaßlich der Meinung : wie man sich bettet , so liegt man ; wer Wechsel ausstellt , und noch dazu bei seiner königlichen Ehre , hat die Wechsel einzulösen , und unterläßt er ' s , so muß er sich ' s gefallen lassen , wie ' s hier geschieht , von Kokkegarde 143 aus an den Pranger gestellt zu werden . So denkt mutmaßlich Holk , und er hat recht ; gewiß , es liegt so . Der Prinz ist mir auch durchaus gleichgültig , und je mehr er sich ruiniert , je mehr kommt es dem zustatten , der bestimmt ist , an dieses sogenannten Erbprinzen Stelle , wirklich der Erbe dieses Landes zu sein . Aber ich kann mich der egoistischen Freude darüber , meine politischen Pläne gefördert zu sehen , doch nicht ganz hingehen , wenn soviel anderes und schließlich Wichtigeres dabei verlorengeht ... Kein Vogel beschmutzt das eigene Nest , und es gibt eine Solidarität der Interessen , die das Königtum als solches anerkennen muß , sonst ist es um das Königtum geschehen . Ich könnte mich über Dagbladet aigrieren , und ich gestehe , mein erster Unmut ging nach dieser Seite hin . Aber was ist eine Zeitung ? Nichts . Aigriert bin ich über den König , dem dies Gefühl der Solidarität abhanden gekommen ist . Er denkt an nichts als an die Danner und an