zeitweilig mit großer , naiver Gewissenlosigkeit andere Männer um so nachdrücklicher , da ihr der , welcher ihr der liebste war , nichts Entscheidendes , nichts Entschiedenes » bieten « kannte . O ! Eine starke , zärtliche Neigung für Adam war allmählich in der Brust Emmys emporgewachsen . Und nun promenirten sie heute in dem kleinen Stadtpark . Nach dem Walde waren sie lieber nicht hinausgegangen . Es sah aus , als ob es jeden Augenblick regnen wollte . Die Luft ging kühl ... ganz gewiß zu kühl für die letzten Maitage . Die Natur machte ein halb bekümmertes , halb gleichgültiges Gesicht . Adam erschien sie wie verwittwet , wie verwaist . Da hatten alle Quellen eines ehelichen Sonnenlebens zu sprudeln aufgehört - ernst und zurückhaltend , wie in windstillen Oktobertagen , stand Baum und Strauch da ... nur die prahlerischen Farbensymphonie ' n des Herbstes fehlten - aber Adam war es zu Sinn , als ob dieses schwere , stumpfe , glanzlose Grün nicht echt - als ob es von den Cypressen der ganzen Welt zusammengeborgt wäre .... Der Herr Doctor war heute wieder einmal sehr schweigsam . Die Sprödigkeit und Neutralität der Natur zwangen ihn noch mehr in sich zurück . Es lastete kaum ein besonderer Druck auf ihm . Und doch konnte er es nicht über sich gewinnen , sich in ein längeres , zusammenhängendes Gespräch mit Emmy einzulassen . Ab und zu fiel ein Wort , welches aber mehr aus dem Bedürfniß heraus , das Peinliche und Drückende dieser Stille zu vermindern , gesprochen wurde , als weil es an sich bedeutend und berechtigt gewesen wäre . Nicht im Banne irgend eines tieferen Gedanken-oder Gefühlsmotivs befand sich Adam Allerlei krauses Zeug , an dem er herumspann , war ihm nahe ... er kaute geistig an diesem und jenem Einfall ... eine heiße Sehnsucht packte ihn jetzt nach einer großen , gesammelten Stimmung ... nach einem intimen seelischen Erlebniß ... Erinnerungen keimten auf ... er konnte nicht begreifen , wie er plötzlich hierher käme ... er wußte nicht , was er mit diesem Weibe an seiner Seite eigentlich zu schaffen hätte ... er hatte doch ganz andere Pflichten zu erfüllen ... eine ganz andere Mission war ihm doch geworden - ha ! aber welcher Art waren denn diese » Pflichten « - ? Und welcher Art war denn diese merkwürdige » Mission « - ? » Adam ! Du bist heute unausstehlich ! ... « Emmy hatte nicht länger an sich halten können . » Hm ! . Unausstehlich ... warum , Kind ? Ich träumte nur wieder einmal allerlei dummes Zeug zusammen ... Du kennst ja meine Schwäche ... Aber wir wollen bald umkehren - ja ? Ich möchte , solange es Tag ist ... so ... -lange es ... Tag ist - hm ! ... Emmy , weißt Du : die Sonne ist eigentlich ein furchtbar überflüssiges Möbel - - « » Aber Adam ! ... « » Was denn ? . Sieh mal , wenn - also wenn - - denke Dir zunächst ' mal einen Laubfrosch - - « » Einen Laubfrosch ? ... Das wird ja immer hübscher - « Emmy lachte sehr aufgeräumt . » Und dann denke Dir eine Perrücke - - « » Eine Perrücke ? Adam ! Ich glaube , Du bist - - « » Und denke Dir drittens eine Schale Spargelsalat - - « » Aber nein ! - sei still ! ... das ist ja zum Verrücktwerden ! ... « » Ja ! - also - aber Du hast mich ganz aus dem Konzept gebracht - nun hör ' zu : wir setzen den jrasjrünen Laubfrosch in den Spargelsalat und decken die Perrücke darüber - jetzt rathe ' mal , was das ist ? . « » Ich halte mir die Ohren zu ... sei still ... sei still ! ... « Emmy drückte die Finger gegen ihre allerliebsten Ohrmuscheln und trippelte mit komischer Eile einige Schritte voraus . Nun mündete der schmale Spazierpfad , auf dem die beiden bis jetzt hingeschritten waren , in den breiten Hauptweg des Parkes aus . Quer über den Alleedamm kam ein Herr auf das Paar zu . » Ah ! Herr Doctor ! . Habe ich endlich einmal wieder das Vergnügen - ich dachte , Sie wären längst nach unseren Kolonie ' n als kaiserlich deutscher Dolmetscher oder mit sonst ' nem Ulke chargiert ausgewandert ... Und nun ... hier ... auf altem Boden noch - dazu in reizender Damenbegleitung - « Herr von Bodenburg hatte den Hut gezogen , mit eleganter Verbeugung seine rechte Hand Adam entgegengestreckt und zugleich , ein Lächeln des Erstaunens und der Genugthuung im Gesicht , einen kurzen , prüfenden Blick auf Emmy geworfen . » Ich begrüße Sie , Herr von Bodenburg - meine kleine , reizende Frau - Herr Referendar von Bodenburg - « stellte Adam jetzt mit drolliger Ernsthaftigkeit vor . » Helfen Sie mir , Herr Referendar - ich suchte meine Frau soeben über die inneren Beziehungen , in welchen ein Laubfrosch zu einer Schüssel Perrückensalat steht , aufzuklären - aber sie will mich durchaus nicht verstehen - « » Hm ! hm ! ... « lächelte Herr von Bodenburg wohlwollend , herablassend , als hätte er recht gut verstanden , » daß es sich um einen barocken Spaß handelte - Perrückensalat - nicht übel , Herr Doctor - ! « » Nicht wahr - Sie wissen , was ich meine ? ... Natürlich wissen Sie ' s - dann können Sie ' s mir vielleicht sagen , Herr Referendar ? Ja ? Ich bin mir nämlich in diesem Augenblick selbst ein riesiges Räthsel ... Ich weiß absolut nicht , was ich mir unter Perrückensalat vorstellen soll - Goethe sagt zwar , die Welt sei ein Sardellensalat , aber - aha ! Lassen Sie uns nachdenken , meine Freunde ! . Wir finden sie - ich sage Ihnen : wir finden sie , die Lösung nämlich dieses