nachmittag die Gelegenheit , es drängt mich , offen gegen Sie zu sein . « Magnus hatte ein wenig Herzklopfen , das Fräulein wollte ihn so heimlich und wichtig sprechen ? Sie war Adriennens Freundin ? Was wollten die Frauen von ihm ? Er dachte nach , ob er sich irgendwie in Blick und Ton zu weit vorgewagt und ob er nun eine Strafpredigt empfangen solle . Nein , zu einer Zurückweisung hatte er keine Veranlassung gegeben , er wußte bei alledem , was er Frau von Herebrecht schuldig war . Eine begreifliche Neugier quälte ihn und veranlaßte ihn , an diesem Tage mehr als sonst Adriennens Nähe zu suchen . Man hatte eine Ruderpartie beschlossen , die im Abendschein beginnen und beim Mondesleuchten endigen sollte . Der selten schöne Frühherbst lud ein , noch alle Reize zu genießen , die er in diesem Jahr verschwenderisch bot . Paarweise ging man durch den Park zum Stromufer hinab . Magnus hatte Adrienne den Arm geboten ; seit einer Viertelstunde suchte seine Mutter , die mit Taiß ganz zuletzt ging , ihn einmal anzurufen . Der Graf , der wie alle ihre Schwäche kannte und in den Aeußerungen derselben sie zu stören ein Vergnügen fand , ließ sie nicht dazu kommen , bis sie endlich ausrief , sie müsse Magnus etwas von höchster Wichtigkeit mitteilen . » Magnus - Magnus ! « Unwillig schaute er zurück , trat aus der Reihe und überließ Taiß , der herzueilte , den Arm seiner Dame . » Was willst Du , Mutter ? « » Ich bitte Dich , Magnus - was hast Du nur den ganzen Tag mit der langweiligen Frau ? « » Also das war die Wichtigkeit , die Du mir mitzuteilen hattest ? « rief er mit kaum unterdrückter Heftigkeit ; » Du erniedrigst mich vor der ganzen Gesellschaft zum Schulbuben , Mutter , das erträgt kein Mann ! Du siehst , daß auch andere Männer sich den Damen gesellen - soll mir denn verwehrt sein , was der einfachste Brauch ist ? Soll ich etwa wie ein Junge von drei Jahren immer nur Deinen Kleiderzipfel fassen ? « » Ich kann die Frau nicht leiden ! « sagte die Pastorin ebenso heftig . » Natürlich - anstatt vernünftiger Gründe eine persönliche Abneigung als Motiv des Verbotes - das ist rechte Weiberart , « sprach er bitter . » Welcher von den Damen zu huldigen erlaubst Du mir denn ? « Seinen Hohn bemerkte sie gar nicht , sondern antwortete eifrig : » Von den anwesenden keiner , sie sind allzumal Sünderinnen und mangeln des Ruhms , den ... « » Nun ist ' s genug , « fiel Magnus ihr in die Rede ; » die Frau existirt überhaupt nicht , der Du meine Aufmerksamkeit gönntest ! Du reizest mich so lange , bis ich Dir einmal aus purem Trotz eine Schwiegertochter zuführe , vor der Du Dich bekreuzigst . « » Magnus , Magnus ! « flehte sie angstvoll hinter ihm her , aber er ging sehr rasch , um die Gesellschaft wieder einzuholen , die Pastorin gab es auf und schlich betrübt hinterdrein . In der allerhöchsten und trotzigsten Erregung , in welcher Magnus sich befand , schlug er nun erst recht einen Ton feuriger Huldigung Adrienne gegenüber an . Wahrhaftig , er bedauerte aufrichtig , daß sie verheiratet sei , sonst hätte er sie , ohne darüber nachzudenken , ob er sie liebe oder nicht , sofort um ihre Hand gebeten , nur um seiner Mutter zu beweisen , daß ein Weib einen Mann in gewissen Dingen nicht bevormunden darf , und sei ' s gleich die eigene , sonst wahrhaft verehrte Mutter . Adrienne war im stärksten Grade dadurch beunruhigt , sie sah mehreremale ihre Freundin hilfesuchend an , Lucy Grävenitz drückte ihr dann verständnisinnig die Hand , die drei waren natürlich in dasselbe Boot geraten , in welchem außer ihnen noch Graf Taiß , Frau von Dören und Severina saßen , auch Joachim wollte mit einsteigen , allein Fanny berief ihn zu sich in das andere Boot . Magnus ' Eltern blieben zurück , sie hatten die Herrschaften nur bis an das Ufer begleitet . Fräulein von Grävenitz brannte auf den Augenblick , wo sie Magnus werde unbeachtet sprechen können ; sie , die sonst den Mondaufgang laut angeseufzt haben würde , hatte heute keine Augen für die Zauber der Beleuchtung , die schnell vom violetten Dämmerschein zur schwarzen Nacht überging ; ja , als dann der rote Vollmond aufging , als zöge eine unsichtbare Hand eine glühende Kupferscheibe in die Höhe , auch da bemerkte die Dame nur tiefsinnig : » Was sind alle Wunder der Natur gegen die Rätsel einer Menschenbrust ? « Als man endlich wieder landete und Adrienne erleichtert aufatmete , daß sie von dem nahen Beieinander mit Magnus erlöst sei , hielt es Lucy nicht mehr , sie ergriff Magnus ' Arm , zog ihn förmlich mit sich fort und schlug einen andern Weg mit ihm ein , als den die übrigen wählten . » Mein Freund , « begann sie mit bewegter Stimme , » Sie sind erregt , darf ich ahnen , weshalb ? « Magnus fühlte eine innere Wut in sich aufsteigen ; wenn die Frauenzimmer doch die Indiskretion lassen wollten , sich mit seinen Gefühlen zu beschäftigen ! Erst seine Mutter - nun dieses altjungferliche Fräulein mit dem keuschen Augenniederschlag - zum Henker auch - es schien , als sei Adrienne von Drachen bewacht , seinetwegen von einem ganzen Dutzend ; wenn das bißchen Courmacherei ihm zu einem Kardinalverbrechen angerechnet werden sollte , mochte Frau von Herebrecht ihrem Gatten nur gleich nachreisen , dahin , wo der Pfeffer wächst , so sehr ihn die arme , kleine , tyrannisirte Frau auch dauerte . Da Magnus auf die innige Frage nur etwas Unverständliches murmelte , fuhr das Fräulein fort : » Teurer Magnus - Sie gestatten in dieser vertrauten Stunde die Anrede - teurer Freund , mäßigen