auch gleich wieder still . Herr Fritz , madame wird sich sehr freuen - freuen . Ich habe ihr gleich erzählt von Ihnen , und daß ich Sie habe gesehen in der Straße . Herr Just , Sie verlassen uns nicht heute abend ! Sie bleiben bei meinem Kind und bei unserem Kinde , wenn kommt die schlimme - terrible - Stunde . Wir brauchen einen guten Mann dann bei uns , Herr Vetter Everstein ! Und nun warten Sie , daß ich es ankündige , daß Sie da sind . « Sie führte uns in ein Nebengemach , und wir hatten nicht lange zu warten , bis man uns winkte . O über die goldengrünen Zweige , in denen wir uns wiegten , unsere Nester bauten und von der Welt träumten und auch als Kinder , nicht als ausgewachsene Leute und große Philosophen , die Welt für ein Spiel nahmen , in welchem wir mitspielen durften ! ... Am Sterbebette ihres Kindes ! Sie saß in dem verdüsterten Raume und hatte den Arm auf das Gitter des kleinen Lagers gestützt , und sie stand auch nicht auf , als wir leise in die Tür traten , sondern reichte uns nur die Hand und hob ihre gleichfalls fieberhaft glänzenden Augen zu uns empor . » O Just « , sagte sie , und dann zu mir gewendet , mit einem ganz anderen Ausdruck : » Schau , auch du , Fritz ! Ich sollte dich eigentlich jetzt wohl Sie nennen , denn wir haben uns so lange nicht gesellen und haben soviel erlebt in der Zeit , daß wir uns nicht gesehen haben . Aber ich hätte dich doch gleich wiedererkannt , Fritz , und ich habe auch keine Zeit , jetzt über das Schickliche nachzudenken . Lassen wir es also beim alten , wenn es dir recht ist , Fritz . « Es war noch die alte Stimme und doch auch eine ganz andere . Mit eisernem Griff drückte mir die Stunde die Kehle zusammen . » O liebe Irene- « Der Vetter Just hatte sich über das kranke Kind gebeugt . » Deine gute Mutter ist auch gestorben « , sagte die Jugendfreundin . » Ich habe mich sehr betrübt , als du mir das schriebest . Sie hat auch viel erlebt . Weißt du wohl noch , wie ihr zuerst nach Schloß Werden kamt ? Aber wir haben nachher doch noch eine glückliche Zeit für uns gehabt . Setze dich doch , Fritz - du mußt nicht gleich wieder fortgehen ; - aus alter Freundschaft , lieber Fritz ! Mein Vater ist gestorben - mein - Mann ist tot - nun stirbt mein Kind , mein armes , kleines , krankes Mädchen ! O Vetter Just , Vetter Just ! « Sie hatte sich mit einem Male rasch erhoben und dem Vetter laut weinend die Arme um den Hals gelegt . Sie schluchzte an seiner breiten , braven Schulter , als könne sie sich nimmer wieder beruhigen . » Das ist gut ; lassen Sie sie so ! « murmelte Mademoiselle Martin , ihr Taschentuch zwischen den Händen zerringend . Da fing das Kind leise an zu wimmern , und der Vetter , die Mutter aufrecht haltend , legte eine Hand auf die kleine Stirn auf dem weißen Kopfkissen . » Vetter Ju ! - Wehweh ! « winselte das Kind . » Herz , mein Herz « , rief Irene . » Wir sind ja alle bei dir ! Mama ist da , und wir bleiben alle bei dir - o großer Gott ! « » So wehweh ! ... Auf Arm , Vetter Ju ! « klagte das Kind von neuem und bat mit herzzerreißenden Schmerzenslauten . Der Vetter Just warf einen fragenden Blick auf Mademoiselle Martin , und sie nickte . Da nahm der Bauer vom Steinhofe sanft die Kleine aus ihrem Bettchen und setzte sich und hielt sie auf einem Kissen und in ihren Decken in seinen guten Armen , und sie wurde allgemach wieder ruhig und schlummerte schmerzloser der letzten , ernsten Stunde zu . O über den Sonnenschein und die goldengrünen Zweige , in denen wir uns wiegten , als wir Kinder waren ! Der Medizinalrat sah seinem Versprechen gemäß gegen Abend noch einmal vor . Er blieb sehr ernsthaft wieder mit seiner Uhr in der Hand eine Viertelstunde und sprach gemessen schickliche und beruhigende Worte zu der Mutter . Aber er war ein » glücklicher « Arzt , ein vielbeschäftigter , und hatte keine Zeit , hier das Ende abzuwarten , denn er hatte noch an verschiedenen anderen Orten dieselben geziemlichen und beruhigenden Worte zu sprechen . Wir aber hatten Zeit dazu : der Vetter Just Everstein und - gottlob ! - ich auch ! Achtzehntes Kapitel Ich habe es wohl vergessen , zu sagen , daß wir damals im März des laufenden Jahres waren . Der Tag war hell und trocken , wenn auch noch immer windig . Auf den verhängten Fenstern lag ein gut Teil des Tages hindurch die Vorfrühlingssonne , und in das Nebenzimmer schien sie voll hinein , bis sie hinter die gegenüberliegenden hohen Häuser hinabglitt . Wir verlebten diesen Tag vom Mittag an in diesen zwei Zimmern , dem verdunkelten und dem hellen , der Vetter Just und ich . Mademoiselle Martin deckte uns sogar in dem hellen Raume ein Tischchen und legte vier Couverts auf und stellte vier Stühle daran . Wir aßen daran zu Mittage , Mademoiselle , der Vetter und ich ; und auch Irene kam und setzte sich einmal zu uns . Da aber hatte der Vetter ihren Platz an dem kleinen Bette eingenommen . Wir gingen ruhelos ab und zu , aus der hellen Stube in die dunkle . Es wurde auch eine Zeitung gebracht , und Mademoiselle Martin reichte mir dieselbe . Ich nahm sie und habe sie bis in die Dämmerung hinein wohl hundertmal hingelegt und von neuem aufgenommen . Wer diese Weise , eine Zeitung , ein