Knaben als ich . Wo ist die Königin ? « - » Am offenen Sarge ihres Sohnes sitzt sie , sprachlos ! Die ganze Nacht . « Cethegus sprang auf : » das darf nicht sein , « rief er . » Das tut nicht gut . Sie gehört dem Staat , nicht dieser Leiche . Um so weniger , als ich von Gift flüstern hörte . Der junge Tyrann hatte viele Feinde . Wie steht es damit ? « » Sehr ungewiß . Der griechische Arzt Elpidios , der die Leiche untersuchte , sprach zwar von einigen auffallenden Erscheinungen . Aber , wenn Gift gebraucht worden , meinte er , müßte es ein sehr geheimes , ihm völlig fremdes sein . In dem Becher , daraus der Arme den letzten Trunk getan , fand sich nicht die leiseste Spur verdächtigen Inhalts . So glaubt man allgemein , die Aufregung habe das alte Herzleiden zurückgerufen und dieses ihn getötet . Aber doch ist es gut , daß man dich von dem Augenblick , da du die Versammlung verließest , immer vor Zeugen gesehen : der Schmerz macht argwöhnisch . « » Wie steht es um Kamilla ? « forschte der Präfekt weiter . - » Sie soll von ihrer Betäubung noch gar nicht erwacht sein ; die Ärzte fürchten das Schlimmste . - Aber ich kam , dich zu fragen : Was soll nun weiter geschehen ? Die Regentin sprach davon , die Untersuchung gegen dich niederzuschlagen . « - » Das darf nicht sein ! « rief Cethegus . » Ich fordre die Durchführung . Eilen wir zu ihr . « - » Willst du sie am Sarge ihres Sohnes stören ? « - » Ja , das will ich ! Deine zarte Rücksicht bebt davor zurück ? Gut , komme du nach , wenn ich das Eis gebrochen . « Er verabschiedete den Besuch und rief seine Sklaven , ihn anzukleiden . Bald darauf schritt er , in dunkelgraues Trauergewand gehüllt , hinab zu dem Gewölbe , wo die Leiche ausgestellt lag . Gebieterisch wies er die Wachen und die Frauen Amalaswinthens hinweg , die den Eingang hüteten und trat geräuschlos ein . Es war die niedrig gewölbte Halle , in der ehedem die Leichen der Kaiser mit Salben und Brennstoffen waren für den Scheiterhaufen bereitet worden . Das schweigende Gelaß , mit dunkelgrünen Serpentin getäfelt , von kurzen dorischen Säulen aus schwarzem Marmor getragen , war nie von der Tageshelle beleuchtet ; auch jetzt fiel auf die düstern byzantinischen Mosaiken auf dem Goldgrund der Wandplatten kein andres Licht als von den vier Pechfackeln , die an dem Steinsarkophag des jungen Königs mit unstetem Schimmer flackerten . Dort lag er , auf einem tiefroten Purpurmantel , Helm , Schwert und Schild zu seinen Häupten . Der alte Hildebrand hatte ihm einen Eichenkranz um die dunkeln Locken gewunden . Die edeln Züge ruhten in ernster , bleicher Schöne . Zu seinen Füßen saß in langem Trauerschleier die hohe Gestalt der Regentin , das Haupt auf den linken Arm gestützt , der auf dem Sarkophage ruhte : der rechte hing erschlafft herab . Sie konnte nicht mehr weinen . Das Knistern der Pechflammen war das einzige Geräusch in dieser Grabesstille . - Lautlos trat Cethegus ein , nicht unbewegt von der Poesie des Anblicks . Aber mit einem Zusammenziehen der Brauen war dies Gefühl wie ein Anflug von Mitleid erstickt . Klarheit gilt es , sprach er zu sich selbst , und Ruhe . Leise trat er näher und ergriff die herabgesunkene Hand Amalaswinthens . » Erhebe dich , hohe Frau , du gehörst den Lebendigen , nicht den Toten . « Erschrocken sah sie auf : » Du hier , Cethegus ? Was suchst du hier ? « » Eine Königin . « » O , du findest nur eine weinende Mutter ! « rief sie schluchzend . - » Das kann ich nicht glauben . Das Reich ist in Gefahr und Amalaswintha wird zeigen , daß auch ein Weib dem Vaterland den eignen Schmerz opfern kann . « » Das kann sie , « sagte sie , sich aufrichtend : » Aber sieh auf ihn hin . - Wie jung , wie schön - ! Wie konnte der Himmel so grausam sein . « - » Jetzt oder nie , « dachte Cethegus . » Der Himmel ist gerecht , streng , nicht grausam . « » Wie redest du ? was hatte mein edler Sohn verschuldet ? Wagst du ihn anzuklagen ? « - » Nicht ich ! Doch eine Stelle der heiligen Schrift hat sich erfüllt an ihm : Ehre Vater und Mutter , auf daß du lang lebest auf Erden . Die Verheißung ist auch eine Drohung . Gestern hat er gefrevelt gegen seine Mutter und sie verunehrt in trotziger Empörung : - heute liegt er hier . Ich sehe darin den Finger Gottes . « Amalaswintha verhüllte ihr Antlitz . Sie hatte dem Sohn an seinem Sarge seine Auflehnung herzlich vergeben . Aber diese Auffassung , diese Worte ergriffen sie doch mächtig und zogen sie ab von ihrem Schmerz zur liebgewordenen Gewohnheit des Herrschens . » Du hast , o Königin , die Untersuchung gegen mich niederschlagen wollen und Witichis zurückberufen . Letzteres mag sein . Aber ich fordere die Durchführung des Prozesses und feierliche Freisprechung als mein Recht . « » Ich habe nie an deiner Treue gezweifelt . Weh mir , wenn ich es jemals müßte . Sage mir : ich weiß von keiner Verschwörung ! und alles ist abgetan . « - Sie schien seine Beteurung zu erwarten . Cethegus schwieg eine Weile . Dann sagte er ruhig : » Königin , ich weiß von einer Verschwörung . « » Was ist das ? « rief die Regentin und sah ihn drohend an . - » Ich habe diese Stunde , diesen Ort gewählt , « fuhr Cethegus mit einem Blick auf die Leiche fort , » dir meine Treue entscheidend