« Er will nicht mehr antworten . » Jessas und Anna , weil ich dazu gehör ' ! « stößt er endlich heraus . » Nachher freilich , nachher müssen wir schon trachten , daß wir dich loskriegen , « sage ich , klettere an der Wand ein wenig empor und heb ' an dem Burschen zu zerren an , bis wir die zweite Hand heraus haben ; dann geht ' s schon leichter . Nicht lange darauf , so steht er am Boden , sucht seinen davongerollten Spitzhut auf , schlingt sich die steif gewordenen Arme und Beine ein , blickt mit hochrotem Gesicht nochmals empor zu dem Rauchfensterlein und ruft : » Du Höllsaggra , da hat ' s mich derwischt gehabt ! « Dann sind wir in der Dämmerung zusammen hinabgestiegen gegen den Winkelegger Wald . Der Bursche hat nicht recht mit mir reden wollen . Ich habe versucht , meine Bosheit gut zu machen , habe ihm versichert , daß ich ' s ja gleich erkannt , er sei kein Dieb . » Und morgen wirst also zu Holdenschlag bei der Hochzeit sein ? Bist zuletzt gar der Brautführer , he ? « » Der Brautführer , nein , derselb ' bin ich nicht . « » ' leicht hätten sie ' s zu Holdenschlag auch allein gemacht , wärst da oben stecken geblieben . « Er zieht den Hut über die Augen und blickt auf die Baumwurzeln , über die wir nun hinabsteigen . » Allein , « meint er endlich , » nein , dasselb ' glaub ' ich nicht . Wisset , die Sach ' geht halt so zu , allein machen sie es schon deswegen nicht , weil - weil ' s völlig so ausschaut , wie wenn ich der Bräutigam wär ' . « Dieses Wort gehört , bin ich stillgestanden , hab ' den Burschen eine Weile angestarrt und gedacht , wie das böse wäre , wenn unten die Braut und die ganze Hochzeit harren und harren täten und der Bräutigam steckt oben im Rauchfenster der Sennhütte . Der junge Mann hat mich hierauf höflich zu seinem Ehrentag eingeladen . Er hat mich geführt ; wir sind hinabgestiegen durch den finsteren Wald bis zum engen Tal des Winkelegg . Ein Berg von ausgeschälten Holzblöcken liegt da ; das ist der Winkelegger Wald , der auf einer langen Riese Stamm an Stamm herangerutscht gekommen ist . Neben dem Holzhaufen stehen die drei schwarzen , großmächtigen Betten der Meiler , über denen langsam und still milchweißer Rauch emporqualmt zu den Kronen der Schirmtannen . Der Holzmeistersohn von den Lautergräben hat mich genötigt , mit ihm in die Klause zu treten , die unter den Schirmtannen steht . In der Klause sind drei Menschen , zwei Hühner , eine Katze und die Herdflamme . Sonst habe ich kein lebendiges Wesen gesehen . Ein junges Weib steht am Herd und legt Lärchengeäste kreuzweise über das Feuer . Mein Begleiter sagt mir , dieses junge Weib sei seine Braut . Hinter dem breiten Kachelofen , der schier bis zur rußigen Decke der Stube emporgeht , und der mich , den fremden Eindringling , mit sehr großen , grünen Augen anglotzt , sitzt ein Mütterlein und zieht mit unsicheren Fingern die Buntriemen durch ein neues Paar Schuhe , wobei es sich allfort die Augen wischt , die schon recht abgestanden sein mögen , wie ein altes Fensterglas , das viele Jahre lang im Rauche der Köhlerhütte gestanden . Mein Begleiter sagt mir , dieses Weib sei die Mutter seiner Braut , welche von den Leuten allerwege die Rußkathel geheißen wird . Weiter hin , im dunkelsten Winkel , sehe ich eine derbe , männliche Gestalt mit entblößtem Oberkörper , die sich aus einem breiten Holzbecken mit solcher Gewalt wäscht und abreibt , daß sie schnauft wie ein Lasttier . » Das ist meiner Braut der Bruder , « erklärt mir mein Begleiter , » er ist der Köhler dahier und sie heißen ihn den Ruß-Bartelmei . « Dann tritt der Holzmeistersohn zu seiner Braut und sagt ihr , daß er da sei und daß er an mir jenen Menschen mitgebracht habe , der allweg in den Wäldern herumgehe und die hohe Gelehrsamkeit habe und der ihnen zum Hochzeitstag die Ehre erweisen werde . Das junge Weib wendet sich wenig gegen mich und sagt : » Schauet , daß Ihr wo niedersitzen mögt , ' s geht halt so viel zerrissen zu , bei uns ; wir haben nicht einmal einen ordentlichen Sitzstuhl . « Hierauf spricht der junge Mann eine Weile leise mit seiner Braut . Ich halte , er hat ihr die Geschichte von der Sennhütte erzählt , weil sie auf einmal ausgerufen : » Aber na , du bist doch ein rechter Närrisch ! Mußt denn überall hineingucken , oder bist es von eher so gewohnt worden , da oben bei der Sennhütten ? « Der Bursche wendet sich zu seiner Schwiegermutter : » Gebt her die Schuh ' , Ihr laßt ja doch die Löcher zur Hälfte aus ; für so feine Arbeit mögt Ihr nimmer lugen . « » Ja , du Paul , dasselb ' ist wohl wahr auch , « keifelt die Alte gemütlich aus ihrem zahnlosen Munde , » aber hörst , Paul , mein Ahndl hat meiner Mutter die Brautschuh eingeriemt , meine Mutter hat ' s mir getan ; und ich , für was wär ' ich altes Krückel denn auf der Welt , wollt ' ich für meine Annamirl nicht auch einriemen . « » ' leicht kriegt Ihr bald andere Arbeit , Mutterle , beim Heideln ( Wiegen ) braucht Ihr nicht zu lugen , « versetzt der Paul schalkhaft . Da hebt die Annamirl den Finger : » Du ! « Und im dunkeln Winkel ist das vorige Plätschern und Schnaufen . Ein Mensch , der einmal so angeschwärzt ist , wie der Ruß-Bartelmei , der vermag sich nicht mehr so leicht weiß zu