? « » Was mir fehlt ? Ich glaube nichts . Ein wenig Freude vielleicht . Aber ich weiß es nicht . Sie haben ja auch keine Freude , Fräulein Hardine . « » Du beschäftigst dich nicht genügend , Kind , « mahnte ich . » Mit was soll ich mich denn beschäftigen ? « versetzte sie , » ich tue , was ich kann . « Ich mußte schweigen . In der Tat , was sollte sie tun in ihrer bräutlichen Freiheit und Beschränkung ? Undeutlich ahnte ich auch , daß Arbeit nicht das Mittel sein würde , um dieses Dasein auszufüllen . » Aber was möchtest du denn , Liebe ? « fragte ich nach einer Pause . » Ich möchte leben ! « rief sie mit jenem unbeschreiblichen Impuls , mit welchem sie damals im Garten : » Gut sein , Hardine , heißt Gottes Kind sein ! « gerufen hatte . Und wie sie damals in rascher Wandlung sich auf die ersten Veilchen stürzte , um die Freundin mit ihnen zu schmücken , so stürzte sie sich heute auf deren Hände , drückte sie an ihr Herz und frohlockte : » O aber nun habe ich Sie wieder , Fräulein Hardine , nun bin ich nicht mehr allein , nun bin ich vergnügt und glücklich wie sonst ! « Gleichwohl verließ ich sie mit dem Vorgefühl nahender Schmerzen . » Dörtchen sieht nicht mehr so frisch aus wie im Herbst , « sagte ich , als ich zu den Eltern zurückkehrte , und der Vater entgegnete : » Kein Wunder ! Sie langweilt sich , die arme kleine Dorl . Schön wie ein Bild , siebzehn Jahre und immer das nämliche , freudlose Einerlei ! « » Hat unsere Tochter etwa mehr Freude von ihrer Jugend , Eberhard ? « fragte die Mutter scharf . Der Vater streichelte meine Backen , und ich sah es wie einen Nebel über seine Augen fliegen . » Unsere Dine , unsere brave , gute Dine ! « sagte er bekümmert . » Verdammtes altes Hexennest ! Gings nach mir - - « Er vollendete den Satz nicht , denn Frau Adelheid hatte ein warnendes Räuspern hören lassen . Nach einer Pause aber fuhr er , sich vergnügt die Hände reibend , fort : » Nun gottlob , nächsten Donnerstag kommt ja die Gelegenheit , wo Jungfer Eberhardine auch einmal das Kittelchen schwenken darf , wie es ihrer Jugend gebührt ! « Am anderen Tage war unsere kleine Wirtin wieder die alte , muntere Dorl und Feuer und Flamme bei der großen Toilettenangelegenheit . Der Karton der Gräfin wurde geöffnet , und wir musterten mit wohlgefälligen Blicken eine Robe - kein Zweifel , daß es die für die Einzugstafel in Reckenburg bestimmte gewesen ist - nun , eine Robe , die vor fünfzig Jahren vor einer glänzenden Hofgesellschaft Parade machen , die aber heute noch in unserer kleinen Exresidenz hinlänglich modisch und überreich erscheinen durfte . Ein meergrüner Damast , mit leichten Silberfäden durchwoben , Ärmel und Ausschnitt mit einem Spitzenhauche garniert . Die Mama wiegte den Kopf mit dem Ausdruck höchster Befriedigung . » Der Rock ist zu kurz , « meinte sie , » kann aber durch den entbehrlichen Manteau verlängert , auch die Corsage paßlich dadurch hergestellt werden . Feinere Applikation sah ich nie . Ihr Kaffeegelb hebt den brünetten Teint , zumal bei gepuderter Frisur und echten Perlen im Toupet . Eine fürstliche Toilette , liebe Tochter ! « Ich pflichtete dem bei . Die Dorl aber zog ein Mäulchen wie ein schmollendes Kind . » Beileibe nicht Puder , Fräulein Hardine ! « raunte sie mir ins Ohr . » Keine Pariserin trägt noch Puder und Toupet . Und um Gottes willen nicht diese standfeste Robe mit der quittengelben Garnitur ! Sie nehmen sich ja aus wie Ihre Großmutter , Fräulein Hardine . Ein Kleid von weißem Nessel , rote Schleifen und eine frische Rose - meine Stöcke blühen herrlich ! - , eine Rose im gekräuselten schwarzen Haar , so möchte ich Sie sehen auf Ihrem ersten Ball ! « Der Tausend , ich war auch einmal siebzehn Jahr ! Im weißen Kleide , eine Rose in den Locken , auf dem ersten Ball , zum erstenmal unter den Augen von - Kinder , das Herz zitterte mir im Leibe vor heller Lust . Aber nur einen Augenblick , denn die Mama , welche dem ungewohnten , halblauten Widerspruch mit sichtlichem Mißfallen gelauscht hatte , versetzte : » Es ist kein Ball , mindestens nicht seinem ersten Zwecke nach . Es ist ein Cercle , eine Präsentation . Mögen die Amtmannsjungfern in Schäferröckchen einen Prinzen von Geblüt umtänzeln : wir sind nicht des Schlags , der den Braten von einem Kompottellerchen genießt . Was aber den Puder anbelangt : haben die Jakobinerinnen in Paris ihn abgelegt , der beste Grund für uns , ihn beizubehalten . « Fahre wohl , du leichter Nesseltraum ! Noblesse oblige . Die letzte Reckenburgerin hat ihren Puder so lange wie eine und nie im Leben Rosen getragen . Der Donnerstagmorgen brach an und noch herrschte in der Gesellschaft die bänglichste Spannung . War der Prinz über Nacht angelangt ? War ers immer noch nicht ? Was sollte bei dem weichen Wetter aus Amtmanns Truthahn , was aus dem wilden Schweinskopf der Frau Oberforstmeisterin werden ? Durfte die Freifrau von Reckenburg den Teig zum Spritzgebackenen einrühren ? Sie durfte ihn einrühren ! Der Papa war es , der atemlos die frohe Botschaft brachte ; der herzensgute Papa , der mit Freuden den sauren Posten eines maître de plaisir und Vortänzers wieder übernommen hatte , heute , wo es galt , seinem prinzlichen Kommandeur einen würdigen Empfang und seiner Tochter ein erstes Jugendfest zu bereiten . Der Prinz war in der Nacht angelangt und hatte die Einladung des Komitees huldreichst akzeptiert . » Ein Mann wie ein Bild ! « sagte der Vater , » sähe ihn deine Gnädige