machte , als wohlbestallter römischer Kaiser heimgekehrt . Der Herr Professor nennt ihn mit Namen und weiß ganz genau das Jahr anzugehen , in welchem er die Siedelung mit Stadtrechten begabte und ihr die Abhaltung eines Jahrmarktes gestattete . Wir befinden uns im allerromantischsten Mittelalter ; die Schweinerei ist groß , aber das angestammte Fürstenhaus gedeiht herrlich und treibt bis zur Reformation eine Menge kurioser Blüten , deren Epitheta sich merkwürdig durch das ganze Heilige Römische Reich gleichbleiben : der Faule , der Fette , der Böse , der Eiserne haben überall regiert , überall die gleichen zivilisatorischen Erfolge erzielt und werden heute noch in sehr idealisierten Nachbildungen von dem Schloßkastellan in den respektiven Thronsälen vorgewiesen . Was ein Kastellan in den Reichspalästen zu Aachen , Ingelheim , Trebur , Trifels , Goslar den Touristen damaliger Zeit zu zeigen hatte , wollen wir dahingestellt sein lassen . Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts erscheint urkundlich der erste Oberbürgermeister ; aber das residenzliche Bürgertum bleibt sehr geduckt im Vergleich zu dem Leben , welches sich in den Reichsstädten erhebt ; die Dynastie blüht immer herrlicher und beginnt , sich weniger an dem Kaiser als an der Hansa und dergleichen unberechtigten Verbindungen zu ärgern . Der reichsunmittelbare Adel fängt an , Hofluft zu wittern ; die Pfaffheit in dem Hofkloster wittert den Augustinermönch zu Wittenberg . Großes Dilemma Fürstlicher Gnaden in betreff der Kirchenverbesserung - höchst fatale , unbequemliche Situationen Fürstlicher Gnaden während des Dreißigjährigen Krieges - post nubila Phoebus ! Nach dem Gewitter die Sonne ! Le grand monarque ! Ludwig der Vierzehnte ! Pauken und Posaunen , allgemeiner Tusch ! ... Merkwürdigerweise verliert die deutsche Geschichte und mit ihr die Geschichte unserer » Residenz « in dieser Epoche ihrer glänzenden Wiedergeburt jegliches Interesse für unsern Professor , er weiß sogar nichts mehr von ihr ; wenn ihm seine Würde erlaubt , seine Studien bis zu dem Frieden von Münster und Osnabrück zu erstrecken , so ist das sehr viel . Wir aber , die wir keine gelehrte Würde zu behaupten haben , wir lassen uns lächelnd den gekrümmten Rücken von der aufgehenden französischen Sonne bestrahlen und erwärmen ; wir ersterben alleruntertänigst vor den durchlauchtigsten Herrschaften und rufen Vivat , wenn sie in ihren Staatskarossen nach Monbrillant , Monplaisir , Monrepos , nach Ludwigsburg , Ludwigslust , Herrenhausen , Salzdahlum , Schwetzingen oder Nymphenburg zur Erholung von ihren anstrengenden Staatsgeschäften fahren . Wir machen ein tiefes Kompliment vor dem Wagen der schönen Hof- , Haupt- und Leibitalienerin ; der heidnische Mohr , welchen Serenissimus aus der sündhaften Wasserstadt Venedig mitbrachte , erregt unser respektvolles Staunen ; wie wir uns gegen den Hofjuden zu verhalten haben , wissen wir so recht nicht ; er kann unter Umständen eine sehr gefährliche Persönlichkeit werden , und man tut am besten , auch vor ihm den Hut abzuziehen . Welches seltsame Leben und Treiben in den Häusern und auf den Gassen ! Welche loyalen Bürger , welche wundervollen Hofmarschälle , Heiducken und Hofpoeten ! Welche Epithalamien , Geburtstagsgedichte und Threnodien ! Welche Komödien , Tragödien und vor allem welche Opern ! Wir begreifen den Herrn Professor , der nichts damit zu tun haben will , sehr gut ; aber wir , die wir einen andern Zweck verfolgen als er , wir können nicht gleich ihm unser Objekt wie einen Spargel stechen , wenn es uns gut dünkt ; wir müssen es wachsen lassen bis in den hellen , heutigen Tag hinein . Der Herr Professor braucht bloß mittelalterliche Tatsachen ; wir aber haben neue Blüten und Früchte nötig , und auch der Spargel erzeugt dergleichen , wenn man ihm seine Zeit gönnt . In welcher Tiefe der deutsche Geist seine Quellen haben mag , seine » Residenzen « datieren sämtlich von diesem Dieudonné- und L ' Etat-c ' est-moi-König zu Versailles . Es ist nicht auszudenken , nicht auszuschreiben , was alles wir ihm zu Verdanken haben , und niemals ist ein lumpiger Fetzen deutschen Landes wie das Elsaß mit mehr Gewinn für sämtliche Serenissimi und ihre sämtlichen Hofmarschallämter losgeschlagen worden . Erst von der Verbrennung Heidelbergs an datiert der wahre , der rechte Flor alles dessen , was - jedes Schild über der Tür jedes Hoflieferanten , so weit die deutsche Zunge klingt , besser ausdrückt und reinlicher umschreibt , als wir es vermögen . Welch ein Glanz auf den Höhen der deutschen Menschheit ! Eben war ' s noch der blutrote Widerschein der Reunionskriege , des Spanischen Erbfolgekriegs : nun aber ist ' s couleur cuisse de nymphe , eine süße rosa Dämmerung über Taxushecken , langen , langen , schnurgeraden Alleen , Exerzierplätzen , Sandsteingöttern und -göttinnen , über Schloß und Stadt ! Welche Wasserkünste , Reiterkünste und Reifröcke , welche Perücken und Komplimente ; am Hof und in der Stadt welche Manschetten , Halskrausen und goldbordierten Westen ! Ist es ein Wunder , wenn sich der Mann der Kaiser- und Städteregesten in schaudernder Verachtung von den Riedingerschen Kupferstichen , von Lünings » Theatrum ceremoniale « abwendet ? Der wilde Urgermane , der hinter dem Ureichenbaum auf den Urochsen lauerte , würde sich sehr wundern , wenn er die Erlaubnis bekäme , sich dieselbe Gegend von derselben Stelle aus im Jahre 1780 zu betrachten . Serenissimus haben im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts viel Geld , sehr viel Geld gebraucht . In Schweinshatzen , Fuchsprellen , Parforcejagden , Karussells , Balletten und Komödien ist manch ein rheinischer Gulden oder Reichstaler draufgegangen ; eine politische Spekulation dem alten preußischen Fritz gegenüber ist auch nicht so eingeschlagen , wie man ' s wünschte und verhoffte : der Urgermane kann das Vergnügen haben , zuzusehen , wie man auf der » Esplanade « oder auf der » Planie « oder sonst einem dazu geeigneten Platze der » Residenz « seine Nachkommen regimenterweise abgezählt gegen blanke englische Guineen oder vollwichtige holländische Dukaten austauscht ; er kann sehen und hören , wie Serenissimus die Front bereiten und Höchstihro Landeskinder vermahnen , auch in der Fremde dem » hessischen ,