« , riefen andere , und es ertönte wieder Beifall . Nun erhob sich Silvester der Bischof von Prag . Er trat in den freien Raum , richtete seine Augen gegen die Versammlung , blieb stehen , und sprach : » Liebe Gute Ansehnliche ! Nach Slawibor bin ich an der Reihe zu reden . Ihr seht , daß meine Haare weiß sind , und mein Nacken gebeugt ist . Ich rede nicht aus Lust oder Unlust oder für eine Person , sondern als der , der zum obersten Seelenhirten dieses Landes erwählt ist , wenn auch nicht würdig und noch nicht von seinem erzbischöflichen Oberherrn von Mainz geweiht . Ich habe nicht für den Jüngling , welchen der Herzog gesendet hat , gesprochen , daß es nicht scheine , daß ich nur durch Gunst für den Herzog Sobeslaw bewegt sei . Ich rede zu euch , weil ihr Christen seid . Es sind in Prag und in dieser Burg Wysehrad Versammlungen gehalten worden , und es ist heute hier eine große Versammlung , zu welcher fast alle Herren der Länder Böhmen und Mähren gekommen sind . Diese Versammlungen haben in der bangen Lage um Rettung und um einen Herzog gesucht . Aber die Versammlungen bestehen vor dem Auge Gottes nicht . Unser Herzog lebt , und ist in Hostas Burg schwer erkrankt . Die Arzneiverständigen sagen , daß er an dieser Krankheit sterben werde ; aber der den Lazarus erweckt hat , der zu dem Krüppel gesagt hat : Geh , und wandle , der kann ihn zu uns führen , und ihn für den Fürstenstuhl noch eine Reihe von Zeiten erhalten . Wenn aber auch in seinem Rate bestimmt ist , daß der Herzog in das selige Leben gerufen werden soll , so ist auch darnach der Herzog vorhanden ; fast alle in diesem Saale , so weit meine Augen reichen , haben Wladislaw den Sohn unsers erlauchten Herzogs Sobeslaw , welchen der deutsche König Konrad vor zwei Jahren am zweiundzwanzigsten Tage des Monates Mai auf dem Fürstentage zu Bamberg mit der Herzogsfahne Böhmens belehnt hatte , auf dem Tage unserer Länder in Sadska am neunundzwanzigsten des Brachmonates desselben Jahres in diese Belehnung eingeführt . Es besteht demnach Wladislaw der Sohn unsers guten Herzogs Sobeslaw als künftiger Herzog . Schon die Priester der falschen Götter , welche in Griechenland und Rom und vor kurzer Zeit auch noch in diesem Lande nur in einer andern Weise verehrt worden sind , haben harte Strafen für den Frevel des Meineides verkündet : um wie viel mehr straft ihn der gerechte und der einzig wahre Gott der Christen . Aber nicht der Strafe sondern des Glaubens willen halten die Christen ihr Gelöbnis . Und wenn die Hand des Meineidigen verdorrt ist , oder aus dem Grabe heraus gewachsen ist , oder wenn Gott durch Wunder und Zeichen Entsetzen in die Seele des Meineidigen geworfen hat , so hat er dadurch nur den Abscheu vor diesem unmenschlichsten aller Frevel kund getan . Und auch der irdische Vorteil , den ihr durch Meineid erstrebt , wird nicht erreicht . Die Vereinigung im Unrechte ist schwach , wie stark auch die Verbindungsstelle zu sein scheint ; denn der Fürst der Zwietracht , der den Faden geschlungen hat , zerreißt ihn wieder , weil er leicht zu zerreißen ist , und stößt die Glieder gegen einander , weil man von Unrecht leicht wieder zu Unrecht geht : die Vereinigung im Rechte aber ist stark , wie schwach auch die Verbindungsstelle zu sein scheint , weil Gott den Faden geknüpft hat , und weil man erschrickt , vom Rechte zu weichen . Wer durch den Knaben David den Riesen Goliath erschlagen hat , wer durch den Richter Gideon tausend Feinde in das Gras strecken ließ , der kann durch den Knaben Wladislaw , dem ihr voreilig geschworen zu haben glaubt , dieses Land retten . Und es war sein Finger , der euch so zahlreich nach Sadska geführt , und dort hat schwören lassen . Drum sage ich , und bitte euch in christlicher Demut : Sendet zu dem Herzoge Sobeslaw , und sagt : Wir sind in deiner schweren Krankheit zusammengekommen , um zu beraten , und haben als das Rechte erkannt , daß wir Gott bitten sollen , er möge dir die Genesung wieder schenken , und daß wir , wenn er dich einmal in sein Reich aufnimmt , deinem Sohne Wladislaw als unserm Herzoge dienen . So sage ich , und so halte ich es für Recht . « Als der Bischof diese Worte geredet hatte , stand ein Priester nach dem andern und standen die Äbte auf , und verneigten sich tief vor ihm , und in Teilen des Saales brach ein freudiger Zuruf aus . Der Bischof ging wieder zu seinem Sitze , und ließ sich auf demselben nieder . Als einige Zeit vergangen war , und die Versammlung wieder nach einem Redner schaute , stand der alte Bolemil auf , und sprach : » Nach dem hochehrwürdigen Bischofe Silvester kömmt die Rede an mich . Meine Worte werden gewiß vergeblich sein , weil die Jugend und viele Männer nach ihren Gelüsten vorwärts gehen ; aber ich rede sie , weil ich sie schuldig bin . Ich muß wieder von den alten Zeiten anfangen . Als der König Wratislaw herrschte , waren auch Streite , er hatte , als er Herzog war , viel Hader mit seinem Bruder Jaromir dem Bischofe von Prag , und da er König war , mit seinem Bruder Konrad von Brünn , und er hatte einen schmerzlichen Zerstoß mit seinem eigenen Sohne Bretislaw , welchen Kämpfen ich selber schon als junger Dienstmann beiwohnte ; aber diese Streite wurden immer nur durch eine starke Aufreizung , wie sie bei Menschen vorkommen , angezündet , und sie wurden mit Reueschmerz und mit Bruder- und Freundestränen gestillt , wie der milde König vor Brünn mit der österreichischen Hilburg der Gemahlin seines Bruders Konrad getan hat . Man wußte damals stets