erneuern ! « Elisabeth seufzte . Seit ihr Bruder ausgezogen war , um neue Welten zu entdecken , seitdem Celtes das Studium schöner Menschlichkeit den vertrockneten Lehren der Kirchenväter siegreich entgegen gestellt , seit der Bruder wie der Dichter ihre Lehren ihr verdeutlicht , war sie gleich ihnen mit der ganzen Inbrunst einer sehnenden und ahnungsvollen Frauenseele zu einem schönen Zukunftsglauben begeistert worden , und der König , der ihr als das Ideal eines Helden und Volksbeglückers erschien , wenn jemals einer auf einem Thron gesessen - der sprach nun von der Rückkehr zu der Herrlichkeit der alten Zeit ! Aber er deutete ihr Seufzen anders und sagte : » Ihr hab ' t noch etwas auf dem Herzen - sprech ' t es aus ; hab ' t Ihr denn keinen eigenen Wunsch , den Euer König erfüllen könnte ? « Er sah sie dabei so zärtlichglühend an , daß sie nach einigem Bedenken erröthend sagte : » Nun denn : wenn Ihr wieder einmal nach Nürnberg kommt und die Veste vielleicht nicht würdig bereitet ist Euch aufzunehmen , so betrachtet das Haus Christoph Scheurl ' s als das Eurige . « » Seid versichert , ich werde Eure Einladung annehmen ! « rief Max , reichte ihr zum Versprechen die Hand und küßte die ihrige . Damit verabschiedete er sich zugleich von ihr , denn der Tanz war zu Ende , und mit dem nächsten erfüllte der König Elisabeth ' s erste Bitte : er winkte den Narren herbei , damit er ihm Ursula zuführe . Die bescheidene Jungfrau war nicht wenig erstaunt über die ihr erwiesene Ehre , und wagte vor sittiger Verschämtheit und Bescheidenheit kaum die Augen aufzuschlagen zu dem ritterlichen König . In immer größere Verwirrung gerieth sie , als dieser sie mit Stephan Tucher neckte und an ihrer Verlegenheit sich weidete . Zuletzt aber sagte er zu ihr : » Verlaßt Euch auf Euren König ! Ein wenig Prüfung müssen alle liebenden Paare bestehen , denket Ihr nur unter den Eurer an mein Wort : daß ich nicht anders denn zu Eurer Hochzeit mit Stephan Tucher nach Nürnberg zurückkehren will , wenn Ihr in rechter Treue für einander beharrt ! Das möge Euch trösten ! « » O Majestät ! « rief sie und suchte doch vergebens nach weitern Worten ihren Dank zu schildern . Aber da der Tanz beendigt war , eilte sie zu Elisabeth , denn sie ahnte , daß sie es war , der sie dies Glück verdankte . In ihren strahlenden Augen glänzte für Elisabeth der reichste Lohn eines Dienstes , den uneigennützige Freundschaft geleistet . Ihr Zweck war doppelt erreicht , denn außerdem , daß Ursula das königliche Wort als besten Trost empfangen , waren auch die Nürnberger , die ihr die Schande ihres Großvaters nachtragen wollten , durch die Auszeichnung beschämt , welche der König selbst ihr zu Theil werden ließ . Unter mancherlei Festen ähnlicher Art war der dritte September herangekommen , den der König zu seiner Abreise bestimmt hatte . Das Abschiedsmahl hatte Markgraf Friedrich auf der Veste veranstaltet und dazu nur eine ausgewählte Gesellschaft eingeladen , die , das Gefolge des Königs ausgenommen , aus zwanzig Frauen und fünfzehn Männern bestand , sämmtlich den vornehmsten Nürnberger Geschlechtern angehörend . Gleich nach dem Mahl wollte der König zu Herzog Otto von Baiern nach Neuenmarkt reiten , der ihn dahin zu sich eingeladen , und von da nach Linz gehen zu seinem Vater , um die habsburgischen Erblande wieder zu erobern . Noch einmal hatte Elisabeth das Glück , an der Seite des Königs ihren Platz angewiesen zu erhalten . Mit Staunen sah sie auf ihrem Teller eine kunstvoll gearbeitete Rose von in Gold gefaßten Rubinen mit Blättern von grünen Smaragden an eine goldene Nadel befestigt . Sie warf einen fragenden Blick auf den König , und dieser sagte : » Die Rosen , die Ihr mir bei meinem Einzug zuwarfet , habe ich Euch zu Ehren getragen , bis sie verwelkten ; aber ich werde sie immer als Angedenken an Nürnbergs edelste Frau bewahren - verschmähet dafür nicht diese Rose mir zu Ehren an Eurem schönen Busen zu tragen , sie ist von ewiger Dauer . « Sie nahm das kostbare Geschenk erröthend und mit tiefem Verneigen und sagte : » Nicht Euch - mir selbst zu Ehren gereicht solch ' bleibend Zeichen Eurer königlichen Gnade . Eines Angedenkens daran , wie sie mir jetzt zu Theil geworden bedarf es nicht ! « » Sag ' t Verehrung ! « flüsterte er ihr mit süßem Lächeln zu ; » und wenn Ihr einmal etwas zu bitten hab ' t , am liebsten für Euch selbst oder auch für Andere : so laßt mich die Rose wieder sehen ; sie wird mich an glückliche Tage mahnen , und ich werde jeden Wunsch erfüllen , den Ihr an die Rose knüpf ' t. « Im Anfang fehlte diesmal die fröhliche Stimmung , die in den vergangenen Tagen geherrscht . Der König war stiller als sonst . Ward es ihm wirklich schwer , von der anmuthsvollen Nürnbergerin zu scheiden , oder dachte er nur daran , daß er nach dieser Ruhezeit voll harmloser Unterhaltung nun wieder in ' s Gewühl des Kampfes müsse , oder was ihm noch schlimmer dünkte , vergeblich dem Vater anliegen werde , sich zu Energie und That zu ermannen , um die angestammten Lande sich wieder zu erringen und König Mathias von dem angemaßten Thron zu stürzen ? Hallte in ihm etwas von den Worten wieder , die der Baubruder Ulrich und die schwärmende Elisabeth zu ihm gesprochen , die noch mehr von ihm zu fordern schienen als den Siegeskranz des Helden und die Herrscherwürde Karl ' s des Großen ? Wer lies ' t in den Seelen Derer , die das Schicksal auf den höchsten Platz gestellt , daß sie von Allen gesehen werden und doch von den Wenigsten erkannt ? Auch Stephan Tucher , der nun schon dem Gefolge des Königs beigezählt