Und ... einen ... Greis dann noch dazu ? Halt ihn fest ... den Doctor mein ' ich ... Gleich auf der Stelle ! Hier ist der Schlüssel zum Keller ! Eßt , trinkt ! Laß deine Künste los , Zigeunerin ! Ich gönne ihn dir ... Sieh , Kind , wie er das Roß zügelt ! Daß dich ... Seine Mutter war schön ... Lucinde , höre - aber leise - sag ' ihm was ... hier , da ... auf dem Sopha ... sag ' ihm was ... Hol ' ihn dir ... halt ' ihn dir fest und plausch ' ihm ins Ohr ... hörst du ... ob er ' s denn noch nicht weiß ... nie gehört hat ... nie erfahren ... daß ... daß ... Na , was ? ... Ha , ha , ha ! ... Wer ihm den Riegel aufschob ... als er in die Welt gekommen ... Hm ? Verstehst du ... Lucinde , sag ' s ihm beim fünften , sechsten Glas Champagner ... Lisabeth ! Lisabeth ! Küche , Keller , alles geöffnet ! ... Sag ' s ihm ... drei Söhne hatte der alte Wittekind , einer ist Candidat zum Premierminister , einer Candidat zum Tollhaus ... und der da ? ... » Der Gott , der Eisen wachsen ließ « sangen sie damals - ha , ha ! - als sie den Tugendbund schlossen und in den Teutoburger Wald geheime Reisen machten und die Weibsen zurückließen ... ha , ha , ha ! ... Verstehst du , kleine schwarze unschuldige Schlange ? Ein tolles Lachen , ja , das ihr bekannte Lachen der Selbstzufriedenheit über seine plötzlichen Lichtblitze der Klugheit und Verschmitztheit , erstickte die Rede des wie wahnsinnigen Greises . Lucinde stand sprachlos und konnte um so weniger zu Worte kommen , als der Kammerherr , der seither unten gewartet hatte , jetzt zurückkehrte und eine Aenderung der ihm gegebenen Befehle zu hoffen schien . Lucinde verstand vollkommen das schreckliche Geständniß , das der Kronsyndikus gemacht hatte . Die Dazwischenkunft des Kammerherrn hinderte eine weitere Erörterung . Der Vater zog Lucinden mit sich hinunter . Wie er auf der Treppe sich auf sie stützte , raunte er ihr immer heimlich und mit emporgestreckten , zitternden Fingern Worte der frivolsten Enthüllungen zu ... Auf der Treppe noch , wo er sich am Geländer festhielt , sagte er der Beschließerin : Lucinde kriegt die Schlüssel ! Was die von jetzt an befiehlt , geschieht ! Verstanden ! Was hab ' ich gesagt ? Lisabeth , mit einem überraschten Blick voll Gift und Zorn , mußte wörtlich wiederholen , was ihr Herr gesagt hatte ; erst wollte sie ' s nicht und betrachtete Lucinden erstaunend , dann mußte sie ihr Verstandenhaben der Verfügung laut wiederholen und feierlich Unterwerfung geloben . Hierauf sah er fast mit Mitleid auf den wartenden Kammerherrn , drehte den Hirschfänger vor sich hin und stieg in die Kalesche . Lucinden flüsterte er noch aus dem Schlage ans Ohr : Sag ' es ihm ! ... Aber schweigt beide ... so wahr ein Gott im Himmel lebt ! Zur Lisabeth sich wendend , wiederholte er : Zeig ' auch du , was ich dich lernen ließ bei Wessel in Hannover ! Brate , koche ! Haltet ihn fest ! Trinkt auf mein Wohl ! » Um acht Uhr ist Verlobung oder sieben Schüsseln ! « ' s war ein altes Stück zu meiner Zeit ! Lustig ! Ich will die Augen zudrücken ... über alles ... will Frieden haben mit dem - Deichgrafen .. , Frieden ... Jesus aber , jetzt fort , Hannes ! Der letzte , fast tonlose Ruf galt dem Kutscher . Die Pferde zogen schon an , und nach der entgegengesetzten Seite hin , wo Heinrich Klingsohr herkam , rollte der Kronsyndikus aus dem Seitenthor und den Berg hinunter . Sein Sohn ahnte glücklicherweise Klingsohr ' s Nähe , die entscheidende Gefahr für seine Neigung nicht . Nur die äußere hatte er jetzt im Auge - den Hemmschuh , den der Kutscher anlegen sollte ! Von allen Schrecken war ihm der des Bergabfahrens einer der haarsträubendsten . Türck , der Calfacter , lief nicht , wie er sonst pflegte , dem ankommenden Wagen bellend und wedelnd entgegen , sondern schloß sich der Kalesche an , der er mit eingezogenem Schweife nachlief . Betrübt und zaghaft waren die Mienen , die der Kammerherr Lucinden noch beim Abschied zuwarf . Morgen ! sagte er kleinlaut ; aber der große Kasten fiel ihm auf , den noch der Kronsyndikus wie für eine längere Reise hatte in der Vache unterm Kutscherbock einschließen lassen . Nur daß sein Bedienter zurückblieb , schien ihm einige Hoffnung zu geben . Zum Besinnen über die Wahrheit dessen , was der Kronsyndikus ihr zugeraunt hatte , blieb Lucinden keine Zeit ... Heinrich Klingsohr , der natürliche Sohn des mächtigen Mannes , grüßte schon , da er zu seinem Jubel die davonfahren sah , denen er hier zu begegnen fürchten mußte . Bei einer plötzlichen Lebensgefahr , sagt man , schösse wie an einem elektrischen Leiter blitzesschnell die ganze Vergangenheit eines Menschen an seinem letzten Bewußtsein vorüber ... Umgekehrt übte die Fülle von Vorstellungen , die sich für Lucinden auf wenig Augenblicke jetzt zusammenzudrängen hatte , die Wirkung , daß sie ihr das Bewußtsein völlig nahm , ja , sie in einen traumähnlichen , bacchantischen , von höchster Freude , von Lust und Schmerz ebenso gehobenen wie wieder vernichteten Zustand versetzte . Diese räthselhaften Vorgänge mit dem Kronsyndikus , diese Feuersgefahr , sein Benehmen am Fenster , der verzweiflungsvolle Humor und die Furcht vor Heinrich Klingsohr , dann sein mit den dunkeln Gerüchten über ihn und eine große Anzahl illegitimer Kinder übereinstimmendes Geheimniß , die plötzliche Versöhnungslust , die sich beim Besteigen des Wagens auch noch in dem ausdrücklichen Befehl gezeigt hatte , daß die Lisabeth die Diener in Livree stecken und augenblicklich die ganze Größe des Wittekind ' schen Hauses entfalten sollte