grauen Augen . » Ihr tragt ein geistlich Gewand « , sprach sie , » Ihr möget mir das sagen . Gegen Euch hat eine alte Waldfrau kein Recht . Es heißt sonst , das sei ein groß Scheltwort , was Ihr mir ins Antlitz geworfen , und das Landrecht büßt den Schelter129 ... « Audifax war indessen scheu an der Tür gestanden . Da kam der Waldfrau Rabe auf ihn zugehüpft , so daß er sich fürchtete ; er lief zu Ekkehard hin . Am Herde sah er den behauenen Stein . An einem Stein herumzuspüren , hätte ihn auch die Furcht vor zwanzig Raben nicht abgehalten . Er hob das Gewand , das drüber gebreitet war . Verwitterte Gestalten kamen zum Vorschein . Ekkehard lenkte seinen Blick darauf . Es war ein römischer Altar . Kohorten , die fern aus üppigem asischem Standlager des allmächtigen Kriegsherrn Gebot an den unwirtlichen Bodensee versetzt , mochten ihn einst in diesen Höhen aufgestellt haben - ein Jüngling in fliegendem Mantel und phrygischer Mütze kniete auf einem niedergeworfenen Stier : der persische Lichtgott Mithras , an den der sinkende Römerglaube neue Hoffnung anknüpfte , als das andere abgenutzt war . Eine Inschrift war nicht sichtbar . Lang ' schaute ihn Ekkehard an , sein Aug ' hatte außer der güldenen Vespasianusmünze , die Untergebene des Klosters einst im Torfmoos bei Rapperswyl gefunden , und etlichen geschnittenen Steinen im Kirchenschatz noch kein Bildwerk des Altertums erschaut , aber er ahnte an Form und Bildung den stummen Zeugen einer vergangenen Welt . » Woher der Stein ? « frug er . » Ich bin genug gefragt « , sagte die Waldfrau trotzig , » schafft Euch selber Antwort . « ... Der Stein hätte auch mancherlei antworten können , wenn Steine Zungen hätten . Es haftet ein gut Stück Geschichte an solch verwittertem Gebild . Was lehrt es ? Daß der Menschen Geschlechter kommen und zergehen wie die Blätter , die der Frühling bringt und der Herbst verweht , und daß ihr Denken und Tun nur eine Spanne weit reicht ; dann kommen andere und reden in andern Zungen und schaffen in andern Formen ; Heiliges wird geächtet , Geächtetes heilig , neue Götter steigen auf den Thron : wohl ihnen , wenn er nicht über allzuviel Opfern sich aufrichtet ... Ekkehard deutete das Dasein des Römersteins in der Waldfrau Hütte anders . » Den Mann auf dem Stier betet Ihr an « , rief er heftig . Die Waldfrau griff einen Stab , der am Herde stand , nahm ein Messer und schnitt zwei Kerbschnitte hinein : » Die zweite Beschimpfung , die Ihr mir antut ! « sprach sie dumpf . » Was haben wir mit dem Steinbild zu schaffen ? « » So redet « , sagte der Mönch , » wie kommt der Stein in Eure Hütte ? « » Weil er uns gedauert hat « , sagte die Waldfrau . » Das mögt Ihr nicht verstehen , die Ihr das Haupt kahl geschoren traget . Der Stein ist drauß gestanden auf dem Felsvorsprung , es war ein zugerichteter Platz und wird mancher in alten Tagen dort gekniet haben , aber itzt hat sich keiner mehr um ihn gekümmert , die Leute des Waldes haben Holzäpfel drauf gedörrt und Späne drauf gespalten , wie ' s kam , und des Regens Unbill hat die Bilder verwaschen . Der Stein dauert mich , hat meine Mutter gesagt , er war einmal was Heiliges ; aber die Knochen derer , die den Mann drauf gekannt und verehrt haben und den Stein , sind längst weiß gebleicht , - es wird ihn frieren den Mann mit dem fliegenden Mantel . Da haben wir ihn ausgehoben und an Herd gestellt : er hat uns noch kein Leids gebracht . - Wir wissen , wie es den alten Göttern zu Mut ist , unsere gelten auch nicht mehr . Laßt Ihr dem Stein seine Ruhe ! « » Eure Götter ? « fuhr Ekkehard in seinem Fragen fort - » wer sind Eure Götter ? « » Das müßt Ihr wissen « , sprach die Alte . » Ihr habt sie vertrieben und in See gebannt : in der Fluten Tiefe liegt alles begraben , der Hort alter Zeit und die alten Götter , wir sehen sie nicht mehr und wissen nur noch die Plätze , wo unsere Väter sie verehrt , eh ' der Franke kam und die Männer in den Kutten . Aber wenn der Wind die Wipfel des Eichbaums droben schüttelt , dann kommt ' s wie Stimmen durch die Lüfte , das ist ihr Klagen - und in gefeiten Nächten rauscht und brauset es und der Wald leuchtet , Schlangen winden sich an den Stämmen empor , da jagt ' s über die Berge wie ein Zug verzweifelter Geister , die nach der alten Heimat schauen ... « Ekkehard bekreuzte sich . » Ich sag ' s , wie ich ' s weiß « , sprach die Alte . » Ich will ' den Heiland nicht beleidigen ; aber er ist als ein Fremder ins Land gekommen , Ihr dienet ihm in fremder Sprache , die verstehen wir nicht . Wenn er auf unserem Grund und Boden erwachsen wäre , dann könnten wir zu ihm reden und wären seine treuesten Diener , und es stünd ' besser ums alemannische Wesen . « » Weib ! « rief Ekkehard zürnend , » wir werden Euch verbrennen lassen ... « » Wenn ' s in Euren Büchern steht « , war die Antwort , » daß das Holz des Waldes aufwächst , um alte Frauen zu verbrennen : ich hab ' genug gelebt . Der Blitz hat neulich Einkehr bei der Waldfrau genommen « - fuhr sie fort und deutete auf einen schwärzlichen Streif an der Wand - » der Blitz hat die Waldfrau verschont . « Sie kauerte am Herd nieder und blieb starr und unbeweglich sitzen . Die glühenden Kohlen warfen