Jahre genießen . Er kauft sich Staatspapiere und lebt von ihren Zinsen . Um diese Zinsen auf hohem Fuße zu erhalten , werden in Paris alle Heiligthümer des Himmels und der Erde verrathen . Ein plötzlicher Sturm kann den Rentenfuß herabdrücken , man wird soviel lügen , soviel verrathen , soviel preisgeben von Dem , was vielleicht die Menschheit aus ihren Nöthen hätte herausbringen können , bis wieder die alte trügerische Windstille da ist und zur Beglückung aller in Europa lebenden Gesellschaftsdrohnen , die vom todten Ertrage des Capitals leben , die Renten hinaufsteigen . Die französische Börse , die Vertreterin der lungernden , arbeitsmüden oder arbeitsscheuen Genußsucht , regiert die Welt . Die Capitalisten werden , dazu sind sie zu feig , sich einem großen Sturm nicht mit Gewalt widersetzen , aber sie werden Alles aufbieten , allmälig wieder die Zügel in die Hand zu bekommen und der Politik eine solche Wendung zu geben , bis sie wieder auf ihrem Lebensthermometer , auf dem Courszettel das Quecksilber der Rente auf dem Grade sehen , wo es in den Tagen stand , wo ein Bankier auf dem Throne Frankreichs saß . Fügen Sie aber noch Etwas hinzu , sagte Dankmar , ergriffen von der wahren Schilderung dieses gebildeten Mannes , der ihm plötzlich wie verklärt vor Augen stand .... Fügen Sie noch Eins hinzu ! Das Unglück der Welt verschuldet Paris auch dadurch , daß das Princip der Genußsucht dort auch Die ergreift , die eine Zeitlang im Dienste der Ideen gestanden haben . Möchte man , wenn man sieht , wie dort die Dinge jetzt gehen , nicht glauben , alle diese tonangebenden Charaktere wären nur so lange ehrlich und heldenmüthig , bis sie sich eine Stellung erobert haben und an der Quelle der Gewalt sitzen ? Dann schöpfen sie diese Quelle rasch ab . Sie ahnen , daß ein Windstoß morgen sie wieder ins Nichts stürzen kann . Nun soll es im Fluge gehen , daß sie sich bereichern und dem steilen Felsen der Existenz einen californischen Goldklumpen fürs ganze Leben abgewinnen . Nun wird gelogen , betrogen , die alte Gesinnung Lügen gestraft . So kamen die Heerführer der Franzosen einst als Herolde einer neuen Zeit , und diese alten Republikaner waren nur beutesüchtige Genußmenschen , die für ihr Alter Vorräthe sammeln wollten . So haben jetzt in Paris alte Demokraten conservative Bedenklichkeiten , ja sogar junge Wüstlinge , Spieler von Baden-Baden , die mit einem kindischen Napoleoniden in Strasburg und Boulogne eine Emeute versuchten , die durch Theatercoups lächerlich wurde , sprechen jetzt vom Jahrhundert , von der Mäßigung , von der Philosophie des Bestehenden , von der Grenze der Freiheit . Nein ! Die Genußsucht ist ihre wahre Philosophie . Ihre Maitressen sind die wahren Egerien dieser neuen , meist militairischen Numas in rothen Hosen . Der Wanderer in der blauen Blouse nickte beifällig . Dankmar ersah daraus , daß er auch feinere Anspielungen vollkommen verstand . Welche Mittel gibt es aber dagegen ? fragte der Wanderer , dem auch Dankmar zu gefallen schien . Ich sinne täglich darüber nach . Wo soll man die Besserung suchen ? Ich finde sie in der Heiligung der Arbeit , sagte der Fremde nicht ohne Feierlichkeit ; in der alleinigen Bekränzung Dessen , der sich beschäftigt und reelle Werthe erzeugt . Es gibt zu viel Geistesarbeiter und zu wenig wahre Handarbeiter . Die Handarbeit muß in den Vordergrund aller unserer politischen Beziehungen treten , ihr müssen die größten Belohnungen zufallen ; denn nur durch die spartanische Erziehung der Menschen zur Arbeit kann sie von Grund aus gebessert werden . Ich bin kein Socialist . Ich werfe gerade den Communisten vor , daß sie die Arbeit viel zu sehr als eine Last , als einen Fluch hingestellt haben , als einen Jammer , der einmal die Menschen drücke und den man ihnen versüßen , erleichtern müsse . Ist Das nicht wiederum Genußsucht ? Ist Das nicht wiederum dasselbe Übel , an dem wir die ganze Gesellschaft kranken sehen ? Nein ; gerade im Gegensatze zu den Communisten muß die Arbeit als eine Quelle der höchsten Freuden dargestellt werden , und Institutionen müssen auftauchen , die die Arbeit und Alles , was mit ihrer Förderung zusammenhängt , in den Vordergrund aller Politik stellen . Verstehen Sie darunter Belohnungen ? fragte Dankmar gespannt und tief ergriffen von diesen Worten , die aus dem Munde eines Denkers kamen . Belohnungen , Auszeichnungen , Erhöhungen des Lohnes , Sorge für die Angehörigen der Arbeiter , unmittelbare Beziehung der Staatsformen nur zu der Arbeit , Vertretung der Gewerbe im Vorzug gegen alle andern Stände , die , sei es Kaufmanns- , sei es Gelehrtenstand , nur die Diener Dessen sein können , der arbeitet . Wenden Sie mir nicht ein , daß die Bildung immer den Vorsprung vor dem Arbeiter gewinnen wird , auch da , wo jene vielleicht nur eine und dieser zwei Stimmen hat ! Ich will , daß auch der Arbeiter gebildet ist . Ich will ihm nichts entziehen von Dem , was sich der Bevorrechtete zum Schmucke seiner Seele verschaffen kann . Der Staat soll es ihm geben . Der Staat soll aufhören nur die Garantie des Besitzes zu sein , er soll einzig und allein eine Schutzwehr und Garantie der Arbeit werden . Die Franzosen haben mit ihrer Garantie der Arbeit nur einen halben Schritt gethan . Für die Arbeiter zwar Summen aussetzen und die Arbeit erleichtern , dabei aber die ewige Rente behalten und die Staatspfründen und das Militair und die ganze Maschinerie der künstlichen Arbeit , der sogenannten Geistesarbeit , und die Repräsentationsarbeit der Beamten im alten Bestande zu lassen , Das ist es nicht , was helfen kann . Auf einen Arbeiter müssen zwei Müßiggänger aufhören müßig zu sein ; Das nur kann helfen . Machen Sie die Arbeit zur einzigen Garantie der Rente , und Sie werden sehen , wie Alles die Arbeiter umschmeicheln , wie man bedacht sein wird , ihre Arbeit ertragsfähig zu