Anhänglichkeit ganz in seinem Interesse aus . Wenn die Herzogin nämlich ihren Liebling einlud , so weigerte er sich gewöhnlich , ihrem Rufe zu folgen , unter dem Vorgeben : seine Vermögensverhältnisse zwängen ihn , den Luxus , den er als Er ( ! ) in Berlin machen müsse , zu vermeiden und auf dem Lande zu bleiben . Dies Argument konnte dann stets nur auf eine Weise aus dem Wege geräumt werden , nämlich durch bare Zahlung . Regelmäßig schickte ihm die Herzogin für eine vierwöchentliche Reise nach Berlin 20000 Taler ; allermindestens 10000 Taler . Die Herzogin war reich genug , um allen ihren wie allen Launen ihres Ritters genügen zu können . Denn , wie wir früher schon erzählten , hatte sie nicht nur , mit Ausnahme von 80000 Francs Revenue , welche an die Gemahlin des Grafen C. , die vermeintliche Tochter des alten T. , gingen , das ganze Vermögen jenes berüchtigten französischen Diplomaten geerbt , sondern auch noch seit 1839 den Besitz der sämtlichen Güter ihrer ältern Schwester angetreten . Diese ihre älteste Schwester , welche wir schon früher als die Erfinderin der berühmten schwarzen Haartinktur erwähnten , war nämlich plötzlich gestorben . Ob sie , wie die alte Mars , eben an der Tinktur starb : haben wir nie ergründen können . Die Mars , die viele Jahre lang an unsäglichen Kopfschmerzen litt , soll nämlich dadurch zugrunde gegangen sein , daß die Tinktur allmählich durch die Poren in das Innere des Körpers drang und diesen langsam vergiftete . Genug , die alte Herzogin starb , und ihr Tod erregte große Sensation , da man die Herzogin allgemein für unsterblich hielt . Es ist nicht zu verwundern , wenn die englische Aristokratie bei ihrer gesunden , vernünftigen Lebensweise in den meisten Fällen ein wahrhaft alttestamentliches Alter erreicht ; wenn aber der lasterhaftere französische oder deutsche Adel sich bis in die achtzig oder neunzig versteigt , so heißt dies wirklich , dem lieben Gotte einen Streich spielen . Die Herzogin hatte sich , wie gesagt , den Tod länger vom Halse zu halten gewußt , als dies die kühnsten Sterndeuter für möglich hielten . Ein fünfzigjähriges Genießen , im weitesten Sinne des Wortes , hatte vergeblich an ihrem schönen Körper gerüttelt . Vom Jahre 1800 bis 1819 zu drei verschiedenen Malen vermählt , wiegte sie nicht nur nebenbei die glänzendsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit - darunter auch den damals jugendlich reizenden , jetzt gefallenen Fürsten M. - auf ihrem Schoße : nein , sie wußte auch noch bis in die dreißiger Jahre hinein eine solche Virtuosität zu behaupten , daß ihr endlicher Tod in der Tat durchaus unvermutet kam und als sonderbares Faktum in der galanten Welt betrauert wurde . Einmal mit ihren irdischen Resten unter der Erde , verfielen ihre irdischen Besitzungen über der Erde den hinterlassenen tiefbetrübten Schwestern , und zwar in der Weise , daß die zweite und die dritte Schwester auf jene Besitzungen als auf das Majorat des schon längst verstorbenen Vaters , des Herzogs von K. , noch vor der jüngsten Tochter , der von uns so genau geschilderten Herzogin von S. , Anspruch machen konnten . Die zweite Schwester , die Herzogin von H. , und die dritte , die Herzogin von A. , lebten aber in zu wenig vorteilhaften Umständen , als daß sie den Besitz des verschuldeten Majorats hätten antreten können , und verkauften ihre Ansprüche daher an die jüngste Schwester , an unsere Herzogin von S. , eine Abtretung , die gehörigen Ortes bestätigt wurde und durch ihre eigentümlich mittelalterliche Form seinerzeit viel Furore in der juristischen Welt machte . Die Freundin unseres Ritters , nachdem sie so alle Güter der Familie ihren sonstigen Besitzungen hinzugefügt hatte , richtete sich dann in S. eine Art von Hofstaat ein , die Crême der Aristokratie um sich versammelnd und abwechselnd da und in Berlin lebend , im besten Einverständnis mit einem Herrn und einer Dame , deren hohe Stellung es uns verbietet , mehr Worte über dieses Verhältnis fallen zu lassen . Die Erlebnisse unsres Ritters gewinnen inzwischen auch ein so allgemeines Interesse , daß wir ihm wirklich unsre ausschließliche Aufmerksamkeit schuldig sind . Nach der bei der Herzogin gemachten Eroberung , nach der italienischen Reise und nach der Wiedererlangung einer Stellung in der Berliner Gesellschaft beginnt nämlich , wie wir bereits bemerkten , die politische Laufbahn unsres Helden . Schnapphahnski : Politiker ! Sollte es möglich sein ! Aber unser Held ist zu allem fähig . Deswegen auch zur Politik . Die ewig denkwürdige Epoche der Provinzial-Landtage mit ihren großen Erfolgen , der Emanzipation der Nachtigallen usw. , ging zu Ende . Das Patent des 3. Februar 1847 erschien , und am 11. April eröffnete Se . Majestät der König von Preußen mit einer Rede » ohnegleichen « , » ohne Beispiel « den Vereinigten Landtag . Es verstand sich von selbst , daß der politische Ehrgeiz aller gesellschaftlichen Klassen durch dieses Ereignis in die lebendigste Bewegung geriet , und es konnte nicht ausbleiben , daß auch unser Ritter , von diesem Fieber angesteckt , das Bedürfnis fühlte , dem Vaterlande einmal als großer Mann gegenüberzutreten . Die Herzogin hatte unsern Helden oft darauf aufmerksam gemacht , daß er sich à tout prix in die Politik hineinstürzen müsse . Die Krautjunkerei pure et simple , die der Ritter bisher trieb , konnte natürlich der ausgezeichneten Dame wenig gefallen . Sie war geistreich genug , um zu begreifen , daß die kompakte , hausbackene Liebe erst dann ihren rechten Reiz erhält , wenn sie mit den » strong emotions « des öffentlichen Lebens Hand in Hand geht . Einen Krautjunker zu umarmen , einen harmlosen schönen Wasserpolacken , dessen Abenteuer , so wunderlich sie auch sein mochten , doch keineswegs den Horizont des schon oft Dagewesenen passierten : konnte ihr unmöglich auf die Dauer genügen . Die Herzogin war zu sehr an den Umgang mit weltgeschichtlichen Persönlichkeiten gewöhnt , als daß sie nicht in unserm Ritter außer