? Ich weiß , Durchlaucht , daß es Viele giebt , welche mich bei Ihnen zu verläumden versuchen werden . - Fürchten Sie nichts , Gilbert . Ich sehe klarer , als Sie glauben . - Das also war das wichtige Geschäft , was nicht aufzuschieben war . Er mußte Gewißheit über alles dies haben , nicht nur über die Stellung Alicens zu ihm , sondern auch über sein Verhältniß zur ganzen Partei , der er bisher - allerdings aus Privatrücksichten gedient hatte . Er war - wie alle Phantasiemenschen - von Natur Oppositionsmann , weil die Opposition die Politik der Möglichkeiten , die Diplomatie der Zukunft ist . Aber wenn diese Zukunft nicht seine Zukunft war , wenn er nicht im Stande war , diese Möglichkeit zu seiner Wirklichkeit zu machen , so hörte seine Opposition auf , denn er gönnte Niemandem die Früchte dieser Opposition als sich selbst . Er war ein Feind der Legitimität , weil diese Legitimität seinem Ehrgeiz Schranken setzte , aber er wurde zum wärmsten Freunde derselben , wenn auf ihren Trümmern nicht er und seine Diktatur , sondern die wahre Feindin der Legitimität , die Diktatur des Volks sich erheben sollte . Seine politische Gesinnung war eine rein persönliche . Noch glaubte er , daß es Zeit sei , sich zu entscheiden , da er noch in keiner Weise compromittirt war , weder nach der einen , noch nach der andern Seite hin . Die Entscheidung aber hing von der Ueberzeugung ab , die er über Alicens Pläne sich verschaffen mußte . Er begab sich deshalb direkt nach Alicens Wohnung . Es war indeß Abend geworden . Wie in den letzten Tagen , so zogen auch heute zahlreiche Arbeiterschaaren die Straßen hinab , welche theilweise mit Militair gesperrt waren . Alles drängte nach dem Schloßplatz zu . Der Fürst , welcher das Schicksal der meisten Spaziergänger getheilt hatte , nämlich mit fortgerissen zu werden , gewann endlich am Schlosse Gelegenheit , sich aus dem Strudel des Volks herauszuarbeiten und in das » Volpische Caffeehaus « zu flüchten . Von hier aus konnte er den Schauplatz übersehen . Die Menge hatte sich um den großen Candelaber in der Mitte des Platzes versammelt und verhielt sich dem äußern Anschein nach völlig ruhig . Da rückte Infanterie von der breiten Straße her und säuberte den Platz ; das heißt : die Menge stob auseinander , um an einem andern Orte wieder zusammenzufließen . Das Spiel dauerte einige Zeit hindurch , ohne daß es zu einem ernsthaften Conflikt kam . Da sprengten plötzlich vom Lustgarten Cürassiere und Dragoner auf den Platz , dessen Ausgänge nunmehr von allen Seiten besetzt waren . Die Helme und die breiten Brustpranzer der Cürassiere funkelten im Schein des Mondes , welcher sein volles Licht auf den Schauplatz ausgoß . Jetzt , da die Aufforderung , den Platz zu räumen , eine Ironie geworden war , da ihr zu folgen eine Unmöglichkeit geworden , sprengten die Cürassiere in die Menge und hieben wüthend auf die Wehrlosen ein . - - - Ein Schrei des Unwillens entfuhr den in dem Caffeehause anwesenden Gästen , welche sich an die Fenster gedrängt hatten . Der Fürst stürmte hinab , fand aber die Hausthür verschlossen . Unter den Colonaden der Stechbahn rannten einzelne Versprengte hin und wieder , vergeblich einen Ausweg suchend . Die elenden Bourgeois hatten alle Thüren gesperrt , weil sie die Eindringlinge lieber den Säbeln der Cürassiere Preis geben , als ihnen eine Zufluchtsstätte gewähren wollten . Nur der ernsten Haltung des Fürsten , welcher darin von fast sämmtlichen Gästen unterstützt wurde , gelang es endlich , den Besitzer des Caffeehauses zum Oeffnen der Thüren zu bewegen . Er eilte die Colonaden herab und stieß an ihrer Mündung sogleich auf eine Abtheilung Infanterie . - Zurück ! - tönte es ihm entgegen . - Ich melde mich als Gefangener und wünsche sofort zum commandirenden Offizier geführt zu werden . Dies geschah . Als er von diesem erkannt , wurde er sofort unter vielen Entschuldigungen frei gelassen . - - Nicht also , mein Herr - entgegnete der Fürst - ich werde die Freilassung ohne Weiteres nicht annehmen . Wer hat Ihnen das Recht gegeben , eine solche Hetzerei gegen waffenlose , harmlose Menschen , zu organisiren ? Der Officier zuckte die Achseln . - Wir haben nichts zu thun , als unserer Instruktion zu folgen . Die Verantwortung möge der übernehmen , der die Instruktionen erläßt . - Und wer ist das ? - Der General von P. - Ich verlange , ihn zu sprechen . - Das wird nicht gehen - sagte mit neuem Achselzucken der Officier . Er ist bei Sr. Majestät dem Könige . - Dann werde ich das Schicksal jener Unglücklichen theilen . - Auch das darf ich nicht zugeben . Dort hinaus können Sie ; hinein in den Kreis kann ich Sie nicht wieder lassen . Der Fürst mußte sich in sein Schicksal ergeben . Jetzt eilte er zu Alicen . Doch auch hier fand er das Haus verschlossen . So mußte er nach seinem Hotel zurückkehren . Träumerisch schritt er die Linden hinab , die fast menschenleer waren . Nur einzelne starke Patrouillen zogen mit einförmigem Schritt auf den Trottoirs auf und nieder . - Es fragte eine Dame nach Ihnen - sagte der Portier des Hotels , und übergab mir dies Kästchen für Eure Durchlaucht . Es wird Alice gewesen sein - sagte der Fürst zerstreut , das Kästchen zu sich steckend . Auf seinem Zimmer angekommen , warf er sich erschöpft aufs Sopha , sich seinen trüben Gedanken überlassend . Er ahnte , daß eine napoleonsche Kraft dazu gehöre , der Ereignisse , die man selber hervorzurufen die Macht hatte , Meister zu bleiben . Der Fürst war zwar eitel genug , sich einen Napoleon im Kleinen zu dünken , aber er erinnerte sich , daß auch Napoleon auf einer kleinen wüsten Insel an den Küsten Afrikas seine Tage geendet - und seufzte . Unwillkührlich richteten