jetzt der Wagen , in welchem der Rittmeister von Waldow mit seinem Neffen und Jaromir sitzt , im weiten Hofe des Schlosses Hohenthal . Die Ankommenden wurden gemeldet , und in das Empfangzimmer geführt . Die Gräfin , eine sehr hohe Gestalt , mit edlen , feinen Zügen , welche noch im Alter Spuren einer stolzen Schönheit zeigten , saß auf dem Sopha - der Graf trat einige Schritte nach der Thüre den eintretenden Gästen entgegen . Jaromir ward vorgestellt , und mit besondrer Huld begrüßt . Bereits hatte man sich eine Weile ziemlich lebhaft unterhalten , und der Rittmeister dem Grafen fein zu verstehen gegeben , daß er ihn allein und in Geschäften zu sprechen wünsche ; man stand eben auf , um , weil jetzt gerade die Sonne noch so warm schien , einen Spazier gang in den Park zu unternehmen , als sich eine Seitenthüre öffnete , und Elisabeth eintrat . » Meine Tochter Elisabeth - Graf von Szariny - Herr von Waldow - « sagte die Gräfin . Elisabeth verneigte sich mit einem leisen Erröthen , und einem Ausdruck der Ueberraschung im Blick , als sie diesen auf Szariny richtete . Szariny verneigte sich tief , und warf einen seelenvollen , bittenden Blick auf sie , welcher zu flehen schien : verrathe unser Geheimniß nicht - laß es vor diesen gleichgiltigen Augen Niemand sehen , daß es heute nicht zum ersten Male ist , wo wir uns gegenüber stehen - - denn er hatte es auf ihrem Antlitz gelesen , daß sie ihn erkannt hatte . Ihn selbst hatte ihre plötzliche Erscheinung geblendet - er war nicht gleich eines Wortes fähig , aber er war zu sehr Weltmann , um länger , als durch einen Augenblick stummer Bestürzung sein Erstaunen zu verrathen . Der Rittmeister ging mit dem Grafen in dessen Zimmer . Die beiden jungen Herren begleiteten die Damen des Hauses in den Park . Jaromir wußte sich davon keine Rechenschaft zu geben - aber er war nicht im Stande , mit Elisabeth eine Unterhaltung anzuknüpfen , er ging an der Seite der alten Gräfin , welche in ihrer frühesten Jugend Jaromirs Mutter , ehe dieselbe nach Polen gezogen war , als Mädchen gekannt hatte , und daher mir warmer Theilnahme Jaromir nach derselben befragte . Dadurch kamen sie Beide in ein mit Innigkeit geführtes Gespräch , welchem Waldow wenig Aufmerksamkeit schenkte , und er schien an Elisabeths Seite schlendernd diese mit seinem seichten Salongeschwätz mehr zu langweilen , als zu unterhalten . Man nahm in einem sonnigen Bosquet Platz , da die Gräfin niemals weit zu gehen vermogte , als plötzlich hinter einem meldenden Diener eine lange , hagere Gestalt mit klapperdürren Beinen einhergeschritten kam . » Hofrath Wispermann « - ward angemeldet , und erschien auf einem leichten Wink der Gräfin unter tiefen Verbeugungen . » Mein Gott , « sagte Waldow , noch eh ' Jener herzutrat , halblaut zu Jaromir und Elisabeth , zwischen denen er saß , » da ist wieder dieselbe stereotype Gestalt von heute Morgen , welche ich nun nicht anders , als den Unvermeidlichen nennen werde - denn jetzt ist gewiß kein Haus und Schloß in unsrer Nachbarschaft , in welchem sein Schatten nicht erschienen . « Wie der Hofrath mit bei der Gesellschaft saß , war natürlich wieder die neue Wasserheilanstalt der Kern des Gesprächs . Elisabeth fand das sehr langweilig , und da sie in nicht geringer Entfernung ein Maiblümchen blühen sah , so ging sie hin und bückte sich , dasselbe zu pflücken . Jaromir stand auch auf und folgte ihr , indem er sich stellte , als sei er der Meinung , sie wolle etwas Verlorenes aufheben . » Ach , Sie wollten nur das arme Maiblümchen pflücken , das so silberschön aus dem feuchten Moose hervorschaut , « sagte er , wie sich berichtigend . Sie zog die Hand von dem zarten Stengel wieder hinweg , den sie noch nicht geknickt hatte , und sagte , zu ihm aufblickend : » Soll das eine Bitte sein , das Maiblümchen nicht zu pflücken ? Es ist das erste , welches ich blühen sehe in diesem Frühling . « » Das erste - ja alles Erste muß man schonen , « sagte Jaromir . » Dann freilich brechen Sie es wenigstens nicht eher , als bis alle seine kleinen Glöckchen aufgeblüht sind - morgen ist der erste Mai , den haben sie einläuten wollen . « » Alles Erste muß man schonen , « wiederholte Elisabeth sinnend . » Warum alles Erste gerade - warum nicht alles Letzte ? « » O , « sagte er , » weil alles Erste von hoher Bedeutung ist - eine erste Blume und eine erste Begegnung und ein erstes Wort . « Sie erröthete leicht , und sagte nur , auf den Rasen umschauend . » Es werden bald noch mehr nachfolgen . « » Das lassen Sie mich hoffen , « erwiderte er . Sie waren nur wenige Schritte von der sitzengebliebenen Gesellschaft entfernt gewesen , und traten jetzt wieder zu dieser zurück . Der Rittmeister und der Graf kamen jetzt auch in den Garten - Beide sahen sehr aufgeregt und verstimmt aus , und bemühten sich vergebens , diese Stimmung den Anwesenden zu verbergen . Der Rittmeister mahnte zum Aufbruch . Die Aufforderung der Gräfin , zum Abend zu bleiben , ward von ihm unter einem unbedeutenden Vorwand höflich abgelehnt . Man empfahl sich einzeln von einander . Jaromir sagte dabei zu Elisabeth : » Geben auch Sie mir die Erlaubniß , Sie öfter zu sehen , wenn ich hier bleibe ? « Und Sie antwortete leise : » Bisher waren Ihre Gedichte für mich eine angenehme Gesellschaft , warum sollte es nicht ihr Dichter sein . « Er blickte sie froh überrascht an - aber er antwortete weiter Nichts , denn Waldow trat eben hinzu , um auch Abschied zu nehmen . Jaromir wandte sich jetzt an den Wasserdoctor , welcher ihm seine Impertinenz