ich habe gefunden ! « » Weil Sie ihr Wesen mit unfruchtbaren Grübeleien dermaßen unterminiren , Sibylle , daß Sie in krankhafte Unentschiedenheit und Verzagtheit verfallen sind , welche sich als geistiges Siechthum immer mehr in Sie einnisten und gleichsam Ihre Seele nervenschwach machen werden . « Mit dröhnender Wahrheit schlugen seine Worte an mein Ohr . Ich riß meine Hände aus den seinen , faltete sie angstvoll und rief in Thränen : » Ja so ist es , Otbert ! ach , retten Sie mich . « » Ich kann nur den retten , der mir vertraut , « sprach er ernst . Ueberwältigt , erschöpft , hofnungsdurstig , sehnend , zagend .... reichte ich ihm die Hand und ließ es geschehen daß er mich jubelvoll , selig in seine Arme schloß . Doch in seinen Freudenrausch vermogte ich nicht einzugehen und beklommen bat ich ihn mir zu erzählen wie er diese Jahre verlebt habe . Er that es . » Damals in Malaga verließ ich Sie sehr muthlos , sagte er , denn es gab Momente in denen Sie mir falsch , kokett und heuchlerisch - andre , in denen Sie mir tief unglücklich erschienen . Drum freute ich mich fast Ihrer Nähe entrückt zu werden , die für mich so viel hatte , was ich bald Bethörung , bald Beseligung nennen mußte . Solche gemischte Freude thut immer mehr weh als wol . Indessen .... ich mußte zu meiner kranken Mutter nach Genf , ich begleitete sie nach Nizza , ich ließ mich dort auf zwei Jahr mit ihr nieder , und machte , während sie sich häuslich einwohnte und leiblich genas , Excursionen nach Corsica und Sardinien , in die Pyrenäen , und wohin Lust und Drang mich führten . In diese Zeit fiel die Nachricht von der Geburt Ihrer Tochter . Paul machte mir diese Mittheilung durch einen gedruckten Brief , der mich vielleicht noch mehr verstimmte als das Ereigniß selbst . Ja , es verstimmte mich sehr , Sibylle ! Jezt wird sie vollends keinen Gedanken mehr für mich haben ! sprach ich zu mir selbst ; ihr Leben wird voller und befriedigter denn je - und daher ferner denn je von der Erinnerung an mich sein ! ich will doch auch sehen ob die Vorstellung eines häuslichen und Familienlebens keinen Reiz für mich gewinnt ! - - Meine Mutter hat immer glühend gewünscht mich zu verheirathen . Jezt fand sich eine wundervolle Heirath für mich ; sehr schön , sehr reich , sehr liebenswürdig , war ein junges Frauenzimmer , das eine lebhafte Neigung für mich empfand . Bei dem Besinnen wie ich sie aufnehmen solle , traf mich Ihre Anzeige von Pauls unerwartetem frühzeitigen Tod . Meine erste Empfindung war Postpferde zu bestellen und in einem Zug von Nizza nach Engelau zu fahren . Aber mir fehlte der Muth . Sie hatten mich nie zu solchem Vertrauen berechtigt . Ich verfiel der Ueberlegung , dann der Schwankung , dann der Furcht Sie kalt und mich selbst zudringlich nennen zu müssen - und ich beschloß Ihr Trauerjahr vorüber gehen zu lassen , ohne mich Ihnen zu nähern . Aber es war mir unmöglich jezt an eine andre Verbindung zu denken ; ich brach sie ab unter allerlei Schmerzlichkeiten für beide Theile , denn meine Mutter zürnte mir . Ich ging nach Deutschland zurück , arbeitete fleißig , schrieb viel , dachte an Sie und harrte mit brennender Ungeduld auf das Ende Ihrer Trauerzeit . Nun war es da .... und ich zagte nach wie vor . Sie liebten mich nicht , hatten mich nie geliebt , hatten in dieser einsamen Zeit , wo ein Freund Ihnen doch vielleicht ein Herzensbedürfniß hätte sein können , nie an mich gedacht , keinen Gruß , keinen Zuruf mir gesendet - - ja ja , Sibylle ! lächeln Sie nur , verwundern Sie sich nur daß ich so zaghaft war ! es war nun einmal so . Sie behaupteten sonst immer ich sei eitel ; glauben Sie nicht daß ein eitler Mensch mehr Selbstvertrauen gehabt hätte ? Mir war die Vorstellung daß Sie mich kühl empfangen , kühl ansehen , kühl behandeln könnten .... vernichtend ! Ich ging nicht , schrieb nicht , fragte nicht .... ich wollte mich nicht dieser Vernichtung entgegen drängen Aber Ihrem Arzt schrieb ich : er solle mir sagen wie Sie lebten und gegen Sie über diese Frage schweigen . Er beschrieb mir Ihr ernstes , thätiges , praktisches Leben in Engelau . Da verlor ich abermals alle Hofnung , und jene Heirathsepisode , von meiner Mutter nie ganz aufgegeben , wurde wieder ohne Zuthun von meiner Seite angeknüpft . Ich wollte mich von Ihnen losreißen , ich fand es unbeschreiblich albern meine Seele an die Ihre zu hängen , die nichts von mir wissen wollte ; ich war empfindlich , gereizt , traurig so ganz von Ihnen vergessen zu sein ; ich nannte Sie kalt , herzlos .... ich zürnte Ihnen und mir - aber es war mir unmöglich den entscheidenden Schritt zu thun der mich auf ewig von Ihnen getrennt hätte . Wieder schrieb ich Ihrem Arzt und erhielt mit namenloser Freude zur Antwort : Sie wären in Würzburg und auf dem Weg nach Italien . O wie rauschten die Flügel der Hofnung in mir auf ! ich jauchzte laut : Also will sie doch noch etwas Andres im Leben als ihre Tochter erziehen und ihre Geschäfte führen ! ! - Ich schrieb Ihnen und Ihre Antwort entmuthigte mich nicht . Ich beschloß mit dem finstern Geist zu ringen , dem Sie verfallen schienen ; ich folgte Ihnen hieher ; ich war als Nino in Ihrer Nähe « .... - - » Unmöglich ! « unterbrach ich ihn . » Fragen Sie Gino , entgegnete er . Und weshalb denn unmöglich ? ich wollte in Ihrer Nähe sein , mich in die wundersame Atmosphäre Ihres Wesens tauchen , die mich mit fabelhaftem Glück berauscht . Und ich hab ' es