ist , die zwar zur Aufnahme von Gästen stets bereit stehen , doch nur höchst selten wirklich dazu benutzt werden , genauer zu betrachten . Sie trat zuerst an ' s Fenster , um sich in der Gegend zu orientiren . Die Aussicht war nicht großartig , aber ansprechend und recht passend für ein Gemüth , das mehr mit den geheimen Reizen der Natur , als mit den geräuschvollen und gefährlichen Genüssen durch zu hoch gesteigerte Civilisation schon wieder verdorbener Menschen vertraut ist . Eine Landschaft , rechts von niedrigen Höhen begrenzt , von freundlichen Häusern , zwischen denen breite Ackergelände sich ausdehnten , belebt , lag in goldigem Sonnenschein vor ihr und verlor sich fern in höheren , gegen den Horizont scharf abschneidenden Bergkuppen . Nur zur Linken blieb ein schmaler Streif von jeder eigentlichen Begrenzung frei . Ein bläulich grauer Schimmer , über dem jetzt blaßrothe Wölkchen wie vom Himmel herabflatternde Rosen schwebten , deutete hier nur den Punct an , bis wie weit die Sehkraft reichte . Diese Aussicht in ihrer todten Unveränderlichkeit hatte etwas Schwermuth Erweckendes . Dennoch machte sie auf das junge Mädchen grade den entgegengesetzten Eindruck . Sie , die bis dahin all das Seltsame und Prächtige mit kaltem Auge angestaunt hatte , fühlte plötzlich elektrisches Feuer durch ihre Nerven strömen . Die großen , klaren , unendlich liebreichen Augen glänzten im Feuer kindlichen Entzückens , und indem sie wie grüßend ihre beiden Hände nach dem grauen Dunststreif ausstreckte , rief sie unwillkürlich : » Meine liebe , liebe Haide ! « Röschen täuschte sich nicht . Es war der graue Saum der unermeßlichen Haide , deren äußerstes Ende sie über den grünen Saatfeldern gewahrte , jener Haide , die einen großen Theil der Oberlausitz und fast die ganze Niederlausitz bedeckt . Dieser Anblick gab ihr Kraft und Lebendigkeit wieder . Sie trat vor einen der hohen Spiegel und betrachtete selbstgefällig ihre schlanke Gestalt . Lächelnd schüttelte sie den Kopf , weil es ihr ungemein komisch vorkam , daß die kleinen muntern Löckchen über ihrer Stirn , die unter dem Häubchen hervorguckten , so zum Angreifen natürlich vor ihren Augen nickten und hin und her schwankten ; denn Röschen hatte wohl zuweilen einen Spiegel zu Rathe gezogen , doch immer nur einen kaum handbreiten , fleckigen und nie ganz reinen . Hier nun sah sie sich von Kopf zu Fuß , und wenn sie sich gestehen mußte , daß sie recht hübsch sei und allenfalls wohl auch einem reichen Edelherrn gefallen könne , so erröthete sie zugleich auch , was ihr früher nie begegnet war , über ihre gar so ärmliche und unscheinbare Kleidung . Recht betrübt ließ sie das Köpfchen sinken und sah traurig auf ihren roth und schwarz gestreiften Wollenrock herab , der nur durch das Leibchen von allerdings sehr verschossenem Sammet einen Schimmer von Werth erhielt . Es kam ihr vor , als sei sie noch nie so ganz abscheulich gekleidet gewesen und der Gedanke , doch einmal zu sehen , wie ihr wohl bessere Kleider stehen möchten , stieg so plötzlich in ihr auf und bemächtigte sich so ganz ihrer Phantasie , daß sie mit dem festen Willen , dergleichen zu verlangen , rasch nach der silbernen Schelle griff und sie heftig schwang . Ihr unbedachter Eifer ließ das Glöckchen zweimal ertönen , worauf sie jedoch nicht achtete , sondern erwartungsvoll mitten im Zimmer stehen blieb und angestrengt lauschte , ob man ihren Befehlen zu gehorchen wohl bereit sein werde . Sie richtete dabei ihre Blicke auf die Thür , um gleich beim Erscheinen der begehrten Dienerin einigermaßen über deren Willfährigkeit sich ein Urtheil bilden zu können . Haideröschen mochte etwa eine Minute in dieser horchenden Stellung verharrt haben , als sie es rauschen hörte , nicht aber vor der Thür , sondern hinter oder an der Wand . Sie hielt den Athem an und horchte noch angestrengter . Da bemerkte sie deutlich , daß die gemalten Jäger auf der Tapete zu zittern begannen , die Wand aus ihren Fugen wich und sich gegen sie bewegte . Ein dumpfes Ach ! entrang sich ihren Lippen , sie wollte fliehen und eilte nach der Thür . Allein , wie heftig sie auch am Schlosse drückte , es wich und wankte nicht ! Auch wäre Flucht bereits zu spät und höchst unklug gewesen , denn Graf Magnus stand schon im Zimmer und drückte die unsichtbar in die Wand eingefugte Thür leise wieder zu . Eben so freundlich , wie er sie vor einer Stunde verlassen hatte , trat er wieder zu ihr und fragte bescheiden , was sie ihm mitzutheilen habe ? Ueberrascht schwieg Haideröschen mit zu Boden gesenkten Blicken . » Muth , mein Kind , Muth ! « sprach der Graf , seine Hand sanft unter ihr Kinn schiebend und das Köpfchen aufrichtend . » Du hast mir geschellt , jetzt mußt Du auch sprechen . « » Ach , gnädigster Herr , Erbarmen ! « erwiederte die Wendin zaghaft . » Die Schelle sollte nur einmal läuten und sie hat - « » Zweimal geläutet , « fiel ihr Magnus lächelnd in ' s Wort . » Ja , mein Kind , das hab ' ich gehört , darum bin ich hier . Und da meine Schelle so klug ist , die verborgenen Gedanken meiner reizenden Gästin zu errathen und mir zuzuflüstern , so werde ich jetzt hier bleiben . Es ist so traulich , so einladend hier zu freundlicher Unterhaltung ! - Aber sage mir doch , Du lieblicher kleiner Schelm , was gedachtest Du denn mit meiner Dienerin zu plaudern ? « » O gar nichts , gnädigster Herr ! « versetzte Röschen , aus Verlegenheit mit dem Bandendchen spielend , das ihr zum Zuschnüren des Leibchens diente . » Wenn Du lügst , werde ich Dich bestrafen müssen , Röschen ! « » Thun Sie ' s nicht , gnädigster Herr ! « » Ich würde es ungern thun , allein ich sehe mich dazu genöthigt