! O ! daß Ihr Alle die Seele dieser Frau besäßet , daß ihr die himmlische Liebe verständet , sprach Alfred sehr ernst , die sich in ihrer freien Hingebung verräth ! Ihr würdet nie verlassen , Ihr würdet angebetet werden ! So weit ist es gekommen , rief Caroline außer sich , daß Du mir , daß Du Deiner Frau eine verlorene Person zum Vorbild aufzustellen wagst ? Liebe , wen Du willst , aber beleidige mich wenigstens nicht durch solche empörende Vergleiche . Diese Verachtung verdiene und ertrage ich nicht von Dir . Aber können wir uns denn gar nicht mehr verstehen ? fiel ihr Alfred in die Rede . Willst Du Dich und mich denn absichtlich nur immer mehr verletzen , leiden wir nicht schon genug ? Wir können nicht neben einander leben , das fühle ich mehr und mehr ; aber laß uns wenigstens in Frieden scheiden . Wir haben nicht zusammengehört , wir werden uns trennen und doch einander nicht vergessen können . Laß unser letztes Beisammensein denn ruhig enden , laß uns von einander scheiden ohne Haß und Groll . Er schwieg , sie weinte . Alfred ! rief sie dann ganz plötzlich aus , schwöre mir , daß Du Sophie nicht liebst , daß Du nicht nach Berlin zurückkehrst , und ich will Dir alles Andre glauben , Alles soll vergessen sein , Alles soll gut werden , ich versprech es Dir . Was soll gut werden ? was war denn gut ? Hat Deine Eifersucht jemals geschwiegen ? Hat sie mich nicht gemartert , wo immer und wie immer wir auch lebten ? fragte Alfred . Ich will Dein Betragen vergessen aus Liebe für Dich , fuhr Caroline fort , ich will Alles verzeihen , aber - Was willst Du vergessen und verzeihen ? fragte Alfred nochmals ; den ungerechten Argwohn , den Du hegst , obgleich Du den Beweis dagegen in Händen hast ? - Du willst vergessen , daß Deine Launen , Deine Unliebenswürdigkeit mich aus der Heimat trieben ? Denn nur sie , nur unsere unglücklichen Zerwürfnisse zwangen mich dazu , das schwöre ich Dir ! - Du willst mir verzeihen , daß Du mich in Gegenwart unseres Sohnes mit niedrigen Vorwürfen überhäuftest ? - Das ist großmüthig von Dir ! Ich will vergessen , daß Du mich nicht liebst , daß Du Dich von der Mutter Deines Sohnes trennen willst , sagte Caroline erweicht und leise weinend . Alfred thue das nicht , denn - glaube mir - ich überlebe es nicht . Der Ton schlug an sein Herz und der schwere Kampf der letzten Tage erneute sich in ihm . Alte Erinnerungen sprachen für die alten Bande , für Frieden und Nachsicht ; aber Carolinen ' s falsche Begriffe von der Würde der Gattin zerstörten den guten Eindruck wieder . Sie hatte die bittenden Worte kaum gesprochen , als sie gleich wieder fürchtete , sich zu sehr gedemüthigt , ihren Rechten Etwas vergeben zu haben , und mit gewohnter Kälte und Heftigkeit fügte sie hinzu : Denn in die Scheidung , das weißt Du , willige ich niemals ; ich werde Rosenthal freiwillig nie verlassen , denn ich würde es für ein Verbrechen gegen Felix halten , meine und damit seine heiligen Rechte zu opfern , nur weil es Dir bequemer wäre , frei und zügellos zu leben wie der Präsident . Die Worte empörten Alfred . Ein neuer heftiger Streit entstand , und endete mit einer gegenseitigen Erbitterung , wie die Gatten sie in solchem Grade noch nicht gegeneinander empfunden hatten . Spät am Abende ließ Alfred seine und des Knaben Sachen packen , schrieb danach dem Domherrn , daß noch kein Vergleich zwischen ihm und seiner Frau zu Stande gekommen sei , und daß er ihn also bäte , auf einen solchen hinzuwirken . Dann setzte er die nöthigen Verhaltungsbefehle für den Inspektor der Fabriken und für den Wirthschafter auf und schickte seiner Frau folgendes Billet : » Ich räume Dir das Feld , da Du trotz meiner Bitte darauf beharrst in Rosenthal zu bleiben . Morgen früh fahre ich mit Felix nach Worben , dann nach Plessen . Ich habe an beiden Orten noch für mehrere Tage zu thun und verlange , daß Du nach keinem von beiden kommest , so lange ich dort verweile . Ich kann Dir nicht verwehren , Felix vor der Abreise zu sehen ; aber ich fordere , daß Du dem Kinde keinen ähnlichen Auftritt bereitest , wie der heutige es war . Ich habe ihm gesagt , daß ich ihn zu der Geschäfts-Reise mit mir nehme ; laß ihm den Glauben und beflecke seine junge Phantasie nicht mit den widrigen Bildern unseres Streites . Für ihn und für Dich verlange ich , daß Du ihm Dein Andenken rein erhältst . « XVI Der Morgen war regnerisch und kalt . Alfred blieb mit Felix in seinem Zimmer , wo sie allein das Frühstück eingenommen hatten . Das Kind war schlaftrunken und fröstelte . Als Alles zur Abreise bereit war , ging er mit ihm zu Caroline . Schon ? rief diese erbleichend , als sie bei ihr eintraten . Alfred , eben so erschüttert und bleich als sie , entgegnete : Ich wünsche zeitig nach Worben zu kommen . Sage der Mutter Adieu , Felix . Der Knabe that es mit gänzlicher Unbefangenheit . Er reichte der Mutter die Hand und drückte einen Kuß auf ihre Lippen . Da rang sich ein Schrei des Schmerzes aus ihrer Brust , vor dem Alfred erzitterte ; es war einer jener Naturlaute , die der Wilde mit dem civilisirtesten Menschen gemein hat . Sie preßte den Knaben an sich , als ob sie ihn für ewig halten wollte , und ihre glühenden Thränen flossen auf ihn herab . Auch Alfred ' s Augen schwammen in Thränen , aber er ermannte sich , sagte leise : komm , mein Sohn ! und schritt mit ihm davon . Caroline stürzte ihnen nach , kniete