es angehe ; nur sonderbar dünkte es sie , daß nicht aller Augen auf sie gerichtet seien , die Entferntern nicht aufstünden , nach ihnen zu sehen , daß alle machten , als merkten sie nicht , wen der Pfarrer meine . Als der Pfarrer schloß , fühlten sie , daß , was in ihnen war , gefestigt worden ; sie hatten in ihrem Acker einen Schatz gefunden , aber erst jetzt kannten sie ihn recht und wußten , wie er zu bewahren sei , mehr denn alles auf Erden . Und als der Pfarrer einlud , zum Tische des Herrn zu kommen , wer von Herzen sein Jünger zu sein begehre , da klang dieser Ruf ihnen ganz anders als sonst , nicht mehr so wie eine allgemeine Einladung , sondern es ging sie besonders an , und es dünkte sie , sie müßten Bescheid darauf geben . Und als sie zum Mahle gingen , gingen sie nicht wie sonst als Solche , welche das Recht hätten dazu und es nicht veralten lassen wollten , sondern als ob sie hingezogen würden wie durch einen Magnet , durch eine unsichtbare Macht , wie der Dürstende zur Wasserquelle , das verloren gewesene Kind zum Vater , der wieder auftaucht in seinem Gesichtskreise . Das Einzelne , Besondere war vergessen , untergegangen in dem großen Gefühle , Gemeinschaft zu haben mit dem Vater und dem Sohne durch den Geist , der lebendig in ihnen wohne , und als Siegel dieser Gemeinschaft empfingen sie des Mahles äußere Zeichen , und sie empfanden es in unaussprechlicher Innigkeit , daß weder Welt noch Tod , weder Teufel noch Hölle sie mehr von Gott zu scheiden vermöchten . Ernst , aber in getroster Freudigkeit verließen sie das Haus des Herrn ; sie waren erbauet worden . Der Strom der Leute umwogte sie , und seltsam kam es ihnen vor , daß sie mit ihnen unbefangen heimgingen , wie sie mit ihnen gekommen waren . Niemand gedachte mit einem Worte , daß sie der Gegenstand der Predigt gewesen . Erstaunt hörten sie , wie der Eine sagte : Der Pfarrer predige alle andere Sonntage über den Geiz , man merke wohl , daß er selbst nicht viel habe . Aber er müsse sagen , es mache ihm Langeweile , alle andere Sonntage das Gleiche zu hören . Ein Anderer sagte : Er hätte es wohl gemerkt , der Pfarrer hätte auf ihn gestichelt , das hätte er wohl können bleiben lassen ; es dünke ihn , an einem heiligen Sonntag schicke sich das nicht , er könnte die Leute wohl ruhig lassen . Da sei der Pfarrer letzthin gekommen und habe da Steuer gebettelt , er wisse nicht mehr für was , und er habe ihm nichts gegeben ; man habe sein Geld nicht nur für andere Leute , und er habe es dem Pfarrer gesagt , er wolle erst für sich sorgen und sehen , daß er genug habe . Und jetzt gehe der und halte eine ganze Predigt auf ihn , für einen Pfarrer dünke es ihn nicht schön . Aber dem wolle er es eintreiben , die ersten sechs Wochen sehe ihn der nicht mehr in der Kirche . Noch hatte der Eine dieses zu rügen , ein Anderer etwas anderes ; jeder hatte eine andere Predigt gehört als der Andere , nur darin waren die Meisten einig , daß die , welche sie gehört , ihnen nicht gefallen . Er könnte es , wenn er wollte , sagten sie ; vor acht Tagen habe er eine Predigt gehabt , Leib und Seele hätte noch lange geschlottert , aber er möge es ihnen gar selten gönnen ; das sei aber nicht dest bräver , wenn einer es könnte und nicht wollte . Nur wenige Leute nahmen keinen Teil an diesen Urteilen , gingen in stillem Ernst ihre Wege ; denen hatte der Pfarrer auch etwas Inwendiges getroffen , und dem dachten sie nach und redeten nicht in das Allgemeine ; zum Disputieren war das Herz ihnen zu voll , und mit ihrem eigenen Innern beweisen , wie recht der Pfarrer gehabt , das mochten sie nicht . Es ist mit dem Inwendigen eine eigene Sache , man verhüllet es ärger als seinen Leib , und die Hülle wird oft so dick , daß kein Auge mehr hindurchdringt , nicht einmal das eigene , und die Zuversicht auf diese Hülle wird so groß , daß man nicht einmal denkt , ein Auge könnte durchdringen , und Gottes Auge nimmt man in dieser Meinung nicht aus . Dieses Verhüllen hat aber auch seinen Grund in der Angst , nicht verstanden zu werden , in der Angst , daß die , denen man das inwendige Leben erschließt , Spott und Mutwillen mit demselben treiben möchten , weil sie es nicht würdigten , nicht begriffen , wie Kinder mit den kostbarsten Edelsteinen nicht anders umgehen als mit gemeinen Steinen und gemeine Leute desto lauter und höhnischer über das Edle spotten , je höher es über ihrer Gesinnung steht . Darum auch fiel es weder dem Christen noch dem Änneli noch ihren Kindern ein , den Leuten die Predigt auszulegen , wie sie dieselbe verstanden , und sie mit ihrem äußerlich und innerlich Erlebten zu belegen . Sie wurden fast froh , daß den Andern ihre Augen oder Ohren gehalten gewesen und das , was sie so klar glaubten , ihnen dunkel und verborgen geblieben , und sagten nur hie und da , wenn sie nicht anders konnten , ein Wort ins Reden der Leute : Ihnen hätte die Predigt gefallen , es dünkte sie , es könne ein jeder seinen Teil davon nehmen , und wenn man dem Pfarrer nach täte , so käme es nicht bös . Aber als der stille Nachmittag heraufkam , die Diensten ihre Wege gegangen waren , schön sonntäglich feierlich es ums Haus ward , der Baumgarten , fast einem heiligen Haine vergleichbar , mit leisem Säuseln die Bewohner des Hauses in seinen