, das sich in schweren Locken um ihr vornehm feines , regelmäßig edles , mehr schmerzens- als krankheitsblasses Gesicht ringelte ; die schmalen Lippen waren fest geschlossen , sie hatten selten gelächelt , nie geküßt ; die länglichen Augen fast immer gesenkt , doch wenn die Wimpern sich hoben , so brach hinter ihrem schwarzen Gitter ein geheimnißvoller Strahl an , der gleich einem feuchten , zitternden Mondlichtstreif zum Himmel stieg , oder vom Himmel kam . Faustine dagegen war wie der Tag hell , durchsichtig , ein Krystall , worin Purpur , Gold , Azur und Rosenroth sich schmolzen . Ihren Kopf konnte nur ein Dichter erfinden , Cunigundens - ein Bildhauer . Sie war die in Frauenform verhüllte Essenz einer halbromantischen , halborientalischen Poesie - Leidenschaft und Phantasie vorherrschend , zwei Dinge , die sich gewöhnlich einander ausschließen , und in ihr sich vereinigten , wie der Lucifer ins Morgenroth hineinstrahlt . Aber nicht die Nacht allein - auch der Tag hat seine Geheimnisse . Wer kann am hohen Sommermittag den Blick aufwärts kehren und in den Himmel hinein sehen , der wie polirter Stahl leuchtet und funkelt ? es wird stets ein zitternder Schleier , wie von durchsichtigen Goldflittern , vor den Augen hängen ; und diese Atmosphäre umgab Faustine , diese Atmosphäre war es , welche sie schied von der Masse der nüchternen Menschen und sie für Einzelne unwiderstehlich machte . Sie stand darin , wie die Palme in der tropisch blühenden Oase , wie die Peri in ihrem feenhaften Reich . Und diese Atmosphäre zerschmolz alle Fesseln an Cunigundens eingekerkerter Seele eben so plötzlich , wie sie die Schwingen von Marios freier Seele versengt hatte . Sie erzählte Faustinen ihre einfache , kurze , traurige Geschichte : wie sie vor vier Jahren mit Feldern sich willig und gern verlobt habe , wie es ihr aber trotz dessen jetzt eine Unmöglichkeit sei , seine Gattin zu werden , und wie sie als eine Kranke behandelt werde , weil sie keinen Grund für diese Umwandlung anzugeben wisse . Sie sagte mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Melancholie : » Hypochonder und nervenschwach nennt man mich ! Ach , nicht die Nerven - die Seele ist schwach ! die fürchtet eine Last auf sich zu laden , der sie nicht gewachsen ist . « » Nennen Sie Ihre Seele nicht schwach , sondern klar ! « rief Faustine . » Allen Zügeln , allen Lenkungen zum Trotz , läßt sie sich nicht durch die Verhältnisse bestechen , sondern erkennt den Weg , auf welchen ihr Heil nicht liegt . Haben Sie je so verständig , so überlegt mit Herrn von Feldern gesprochen ? « » Wie oft ! aber er versteht mich nicht . Ich denke , daß Männer nicht gleich uns Fühlfäden an ihren Seelen haben . « » In gewöhnlichen Zuständen mögen wir ihnen an Takt und Feinheit überlegen sein , « sagte Faustine , Andlaus eingedenk , mit tiefer Innigkeit ; » aber wenn ein Mann liebt - und das geschieht öfter , als die Frauen es eingestehen wollen - so umfängt er wie eine Sensitive das Geliebte , und fühlt früher , stärker jede dämmernde Regung , jede Wolke der Empfindung , jeden keimenden Dorn der Mißstimmung , jede schwellende Knospe des Glücks . Aber freilich - lieben muß er . Liebe ist ewig der Ring des Djemschid , welcher das Verständniß der Dinge verleiht . « » Feldern liebt mich .... sagt er « - » Ja ja , « sprach Faustine und ein Schatten von Cunigundens Melancholie legte sich auf ihre blütenweiße Stirn , Erinnerungen zogen wie finstre Träume ihrem innern Auge vorüber - » die Männer lieben auf allerlei Weise , und es giebt freilich eine , die uns elender macht , als je ihr Haß uns machen könnte . Von der rede ich nicht ; denn wenn ich von ihr redete - fügte sie mit dem leisesten , bebenden Ton hinzu , aber ihr Auge flammte und ihre Wange glühte - so könnte ich nicht anders als sie verfluchen . « Sie preßte krampfig beide Hände vors Gesicht und schüttelte den Kopf , daß ihre Locken wie Bäche die Hände überrieselten . Dann warf sie Kopf und Haar zurück , ihr Anblick tauchte beruhigt aus der Flut der Erinnerungen auf und sie strich lächelnd , träumerisch über die Stirn , als hätten Gespenster sie geneckt . » Erschrecken Sie nur nicht über mein rasches , heftiges Wesen , « bat sie lieblich . » Ich habe nun einmal eine Seele , deren Normalzustand ein fiebernder ist . Damit hat man goldenselige Phantasien oder grausige Phantasmagorien ; aber letztere kommen mir selten und immer seltner . Von Ihnen wollen wir sprechen . Sagen Sie mir , wie sich Ihr Schicksal in Ihrer Familie gestalten würde , wenn sie entschieden mit Herrn von Feldern brächen ? « » Ich glaube fast , daß ich zu gleicher Zeit mit meiner Familie brechen würde , denn meine Mutter ist nicht daran gewöhnt , daß wir ihren Wünschen entgegen handeln und sie wünscht meine Verheirathung . « » Nun ? « fragte Faustine gespannt , als Cunigunde nach diesen Worten schwieg . » Ich habe keine Aussichten , keinen Trost , keine Hoffnung . Meine Zukunft ist eine undurchdringliche Nacht . Was ich auch thun möge - Schmerz und Kampf sind mir auf jedem Wege gewiß ! doch Elend nur in der Verbindung mit Feldern . « » Gott ! « sagte Faustine , » welch unglaubliches Leid verzweigt sich durch anscheinend friedliche , einfach glückliche , harmlose Verhältnisse . Ueberall nagt und schleicht und brennt ein Gift , und Keiner kann den Andern retten , nicht einmal den Geliebtesten . Jeder muß seinen Kampf selbst durchfechten , und mit seinem Blut bezahlen , und für Jeden ist er immer so , als wäre noch nie etwas Aehnliches dagewesen ; denn immer sind die Umstände so verschieden , daß Niemand sein eignes Beispiel als einen Rath