mit dem frischesten Ansehn der Gesundheit zeigte sich Marcello mit dem Bruder Flaminio . Die Braut erschien als ein Wunder , so groß und glänzend , daß der kleinere Bräutigam neben ihr sich als unmündig , und beinahe lächerlich zeigte . - » Ich werde es Euch gedenken ! « sagte eine Stimme halb leise hinter Vittoria ; » ein Ehemann , dessen Ihr Euch schämen müßt ! wir sprechen uns , trotz aller Verbote , doch wohl ein andermal wieder . « - Sie sah sich scheu um , der wilde Luigi Orsini stand hinter ihr . Der Zug stieg die Treppe hinab . Ein Tumult erhob sich auf der Straße . » Sie führen die Galeerensklaven vorüber « , sagte ein Bürger . Man hörte das Getöse und Klirren der Ketten . Alle verweilten , um den Zug vorüberzulassen . - » Ha ! Fluch ! Fluch euch ! « schrie eine laute Stimme in Verzweiflung . Virginia war einer Ohnmacht nahe , denn sie erkannte in dem Gefesselten Camillo . - » Du Braut ! « schrie dieser wieder : » Marcello neben dir mit Edelsteinen , und ich in Ketten ! Ja , der Himmel , alle Heiligen verfluchen diese sündliche Ehe ! Die Hölle jauchzt und die Teufel steigen frohlockend aus dem Abgrund , dir den Brautkranz , die süße Myrte aufzudrücken ! « Alle entsetzten sich . Die Geißel der treibenden Häscher schwirrte , und tosend , klappernd zog die gefesselte Bande vorüber ; viele in dieser lachten laut , schadenfroh , andere grinseten boshaft , und wiesen im tückischen Lächeln die weißen Zähne . Die Hochzeit begab sich nach dem aufgeschmückten Hause und zum festlichen Mahl . Drittes Buch Erstes Kapitel So war die Ruhe in der Familie der Accoromboni hergestellt worden . Der junge Gemahl fühlte sich glücklich , Vittoria lebte still und ruhig , den weiblichen Arbeiten , oder dem Lesen ihrer vielgeliebten Schriftsteller hingegeben , bald spielte sie auf der Laute und sang mit ihrer wohltönenden Stimme die zarten Lieder , von denen sie selbst viele erfunden hatte , bald dichtete sie und schrieb Briefe an ihre Freunde . Viele Sonette und Kanzonen oder Stanzen ließen damals ihre Freunde und Verehrer , denen sie sie mitgeteilt hatte , drucken , doch ohne ihren Namen ; manche ihrer Poesien liegt noch in den Bibliotheken Italiens als Manuskript verborgen . So schien sie vergnügt und ihres einförmigen , stets mit denselben Genüssen wiederkehrenden Lebens gewohnt , mit sich und aller Welt zufrieden . Das Haus der Accoromboni , jetzt Peretti , war von Fremden und Gelehrten , auch Vornehmen mehr als je besucht . Alle Welt sprach von der Wissenschaft , Tugend und dem Talent der schönen Vittoria , und diese Besuche von ausgezeichneten und vornehmen Frauen und Männern , die poetischen Akademien , die Improvisationen , Musik und Gesänge , zuweilen der Vortrag einer gelehrten oder philosophischen Untersuchung , scharfsinnige Streitfragen und zierliche Disputationen , alles dies hatte das anmutige Haus gleichsam zu einem Musenhaine umgeschaffen , in welchem sich der heitere Mann , wie der ernste Jüngling wohlgefiel . Der Kardinal Farnese besuchte wie sonst die Familie , ja fleißiger , weil er jetzt manche seiner Freunde , Bekannten und noch mehr Unterhaltung hier fand , als vorzeiten . Er war immerdar fein und artig , und kein Augenblick verriet mehr seine ehemalige Leidenschaft , so daß man glauben mußte , daß er von dieser gänzlich geheilt sei . Er nahm sich mit großer Freundschaft des jungen Peretti an , und dieser durfte ihn oft besuchen und an seiner Abendgesellschaft in seinem Palaste teilnehmen , welches noch öfter geschehn sein würde , wenn ihn nicht sein Oheim , der Kardinal Montalto , der ehemalige Frater Felix , vor diesem Umgang gewarnt hätte . Denn da dieser sich immer mehr dem Hause Medici und dem Kardinal Ferdinand anschloß , und die Medicäer und das Haus Farnese in offner Feindschaft lebten , so konnte Montalto nicht wünschen , daß sich sein junger unerfahrner Neffe zu genau mit ihrem mächtigsten Gegner verbände ; er warnte diesen daher vor jenes Treulosigkeit und Falschheit , die Farnese mit gewandter Klugheit sehr geschickt zu verbergen und durch seine Liebenswürdigkeit der Tücke und Bosheit den Anschein der Treuherzigkeit zu geben wisse . Die Mutter , Donna Julia , hatte sich seit der Vermählung von der Tochter auffallend zurückgezogen . Sie behandelte diese ganz anders , als vormals , denn sie fühlte wohl , daß Vittoria in dieser neuen Lebensepoche ganz selbständig und unabhängig sein müsse . Es schien auch , als sei durch jenen letzten gewaltsamen Sturm der Leidenschaft ein gewisses scheues Mißtrauen zwischen beide getreten , so daß sie sich ebensosehr vermieden , als sie sich gegenseitig beobachteten . Beide fühlten es wohl , ohne es sich zu gestehn , daß jenes frühere unbedingte Vertrauen , jene hingebende , rücksichtslose Mitteilung vorüber und erloschen sei : beide Geister waren voreinander erschrocken , und durch den Schreck , der sich zwischen sie geworfen hatte , waren sie sich fremd geworden . Waren sie allein beisammen , so sprachen sie über Gegenstände der Literatur oder gleichgültige Sachen , so daß nun in späten Jahren die Mutter an sich irre wurde , ob sie ihren Kindern auch die richtige Erziehung gegeben habe . Der Abt , welcher jetzt eine einträgliche Präbende durch Montaltos Bemühungen in Rom erhalten hatte , war in seinen Äußerungen fast feindselig gegen die Mutter und die mit Mühe durchgesetzte Vermählung seiner Schwester . Er sprach bei jeder Veranlassung geringschätzig vom Montalto , behandelte dessen Neffen , den jungen Peretti , mit unverhohlner Verachtung und machte ganz auffallend dem alten mächtigen Farnese den Hof , dem er oft aufwartete , und welcher ebenfalls den jungen Mann mit der größten Auszeichnung behandelte . Montalto , welcher fast alle seine Zeit den kirchlichen Pflichten und frommen Übungen widmete , besuchte nur selten die Familie , und wenn es geschah , so war es nur in jenen Stunden ,