der Bauerei nichts verstand . Endlich war der Bau fertig und der Riese zog ein , und schaute aus dem höchsten Fenster aufs Tal hinab , wo die Meister und Gesellen versammelt waren , und fragte sie , ob ihm das Schloß gut anstehe , wenn er so zum Fenster herausschaue . Als er sich aber umsah , ergrimmte er , denn die Meister hatten geschworen , es sei alles fertig , aber an dem obersten Fenster wo er heraussah , fehlte noch ein Nagel . Die Schlossermeister entschuldigten sich und sagten , es habe sich keiner getraut vors Fenster hinaus in die Luft zu sitzen und den Nagel einzuschlagen . Der Riese aber wollte nichts davon hören , sondern zahlte den Lohn nicht aus , bis der Nagel eingeschlagen sei . Da zogen sie alle wieder in die Burg , die wildesten Bursche vermaßen sich hoch und teuer , es sei ihnen ein geringes , den Nagel einzuschlagen , wenn sie aber an das oberste Fenster kamen und hinausschauten in die Luft , und hinab in das Tal , das so tief unter ihnen lag , und ringsum nichts als Felsen , da schüttelten sie den Kopf und zogen beschämt ab . Da boten die Meister zehnfachen Lohn , wer den Nagel einschlage , und es fand sich lange keiner . Nun war ein flinker Schlossergeselle dabei , der hatte die Tochter seines Meisters lieb und sie ihn auch , aber der Vater war ein harter Mann und wollte sie ihm nicht zum Weibe geben , weil er arm war . Der faßte sich ein Herz und gedachte , er könne hier seinen Schatz verdienen oder sterben ; denn das Leben war ihm verleidet ohne sie ; er trat vor den Meister , ihren Vater , und sprach : Gebt Ihr mir Eure Tochter , wenn ich den Nagel einschlage ? der aber gedachte seiner auf diese Art loszuwerden , wenn er auf die Felsen hinabstürze und den Hals breche , und sagte ja . Der flinke Schlossergeselle nahm den Nagel und seinen Hammer , sprach ein frommes Gebet und schickte sich an zum Fenster hinauszusteigen , und den Nagel einzuschlagen für sein Mädchen . Da erhob sich ein Freudengeschrei unter den Bauleuten , daß der Riese vom Schlaf aufwachte und fragte was es gebe . Und als er hörte , daß sich einer gefunden habe , der den Nagel einschlagen wolle , kam er , betrachtete den jungen Schlosser lange und sagte : Du bist ein braver Kerl und hast mehr Herz als das Lumpengesindel da ; komm ich will dir helfen . Da nahm er ihn beim Genick , daß es allen durch Mark und Bein ging , hob ihn zum Fenster hinaus in die Luft und sagte : Jetzt hau draufzu ; ich lasse dich nicht fallen . Und der Knecht schlug den Nagel in den Stein , daß er fest saß ; der Riese aber küßte und streichelte ihn , daß er beinahe ums Leben kam , führte ihn zum Schlossermeister und sprach , diesem gibst du dein Töchterlein . Dann ging er hinüber in seine Höhle , langte einen Geldsack heraus , und zahlte jeden aus bei Heller und Pfenning . Endlich kam er auch an den flinken Schlossergesellen ; zu diesem sagte er : Jetzt gehe heim , du herzhafter Bursche , hole deines Meisters Töchterlein , und ziehe ein in diese Burg , denn sie ist dein . Des freuten sich alle ; der Schlosser ging heim und - - « » Horch ! hörtest du nicht das Wiehern von Rossen ? « rief Georg , dem es in der Schlucht , die sie durchzogen , ganz unheimlich wurde . Der Mond schien noch hell , die Schatten der Eichen bewegten sich , es rauschte im Gebüsch , und oft wollte es ihm bedünken , als sehe er dunkle Gestalten im Wald neben ihm hergehen . Der Pfeifer von Hardt blieb stehen , ungeduldig , daß ihn der Junker nicht bis zum Ende erzählen lasse : » Es kam mir vorhin auch so vor , aber es war der Wind , der in den Eichen ächzt , und der Schuhu rief im Gebüsch . Wären wir nur das Wiesental noch hinüber , da ist es so offen und hell , wie bei Tag ; jenseits fängt wieder der Wald an , da ist es dann dunkel , und hat keine Not mehr . Gebt Eurem Braunen die Sporen und reitet Trab über das Tal hin , ich laufe neben Euch her . « » Warum denn jetzt auf einmal Trab « , fragte der junge Mann ; » meinst du , es hat Gefahr ? Gestehe nur , nicht wahr , du hast sie auch gesehen die Gestalten im Wald , die neben uns herschlichen . Glaubst du , es sind Bündische ? « » Nun ja « , flüsterte der Bauer , indem er sich umsah , » mir war es auch , als ob uns jemand nachschleiche ; drum sputet Euch , daß wir aus dem verdammten Hohlweg herauskommen , und dann im Trab über das Tal hinüber , weiterhin hat es keine Gefahr . « Georg machte sein Schwert locker in der Scheide , und nahm die Zügel seines Rosses kräftiger in die Faust . Schweigend zogen sie die Schlucht hinab , beleuchtet von so hellem Mondschein , daß der junge Mann jeden Zug seines Gefährten erkennen konnte und deutlich sah , daß er seine Axt auf die Schulter nahm , und ein Messer , das er im Wams verborgen hatte , herausnahm und in den Gürtel steckte . Sie wollten eben am Ausgang des Hohlweges in das Tal einbiegen , da rief eine Stimme im Gebüsch : » Das ist der Pfeifer von Hardt , drauf Gesellen , der dort auf dem Roß muß der Rechte sein . « » Fliehet , Junker , fliehet « , rief sein treuer Führer , und stellte sich mit seiner Axt