. Er führt die Aufschrift » Der Festtag im Fegefeuer , « und kam durch folgende Veranlassung zu diesem Titel . Es ist auf der Erde bei allen großen Herrn und Potentaten Sitte , ihre Freude und ihre Trauer recht laut und deutlich zu begehen . Wenn ein aus fürstlichem Blute stammender Leib dem Staube wiedergegeben wird , haben die Küster im Land schwere Arbeit , denn man läutet viele Tage lang alle Glocken . Wird eine Prinzeß oder gar ein Stammhalter geboren , so verkündet schrecklicher Kanonendonner diese Nachricht . Landesväterliche oder landesmütterliche Geburtstäge werden mit allem möglichen Glanz begangen ; die Bürgermilizen rücken aus , die Honoratioren halten einen Schmaus , abends ist Ball , oder doch wenigstens in den Landstädtchen bière dansante ; kurz , alles lebt in dulci jubilo an solchen Tagen . Um nun meiner guten Großmutter eine Ehre zu erweisen , hielt ich es auch schon seit mehreren Jahrhunderten so . Im Fegefeuer , wo sie sich gewöhnlich aufhält , ist immer an diesem Tage allgemeine Seelenfreiheit . Die Seelen bekommen diesen Tag über den Körper , den sie auf der Oberfläche hatten , ihre Kleider , ihre Gewohnheiten , ihre Sitten . Was von Adel da ist , muß Deputationen zum Handkuß der Alten schicken ( in pleno können sie nicht vorgelassen werden , weil sonst die Prozession einige Tage lang dauerte ) . Ehemalige Hofmarschälle , Kammerherren usw. haben den großen Dienst , und schätzen es sich zur Ehre , die Honneurs zu machen , die Festlichkeiten zu leiten , die Touren bei den Bällen , welche abends gegeben werden , zu arrangieren usw. Ich erfülle durch diese Festlichkeiten einen doppelten Zweck ; einmal fühlt sich chère Grande-Mama ungemein geschmeichelt durch diese Aufmerksamkeit , zweitens gelte ich unter den Seelen für einen honetten Mann , der ihnen auch ein Vergnügen gönnt , drittens macht dieser einzige Tag , in Freude und alten Gewohnheiten zugebracht , daß die Seelen sich nachher um so unglücklicher fühlen ; was ganz zu dem Zweck einer solchen Anstalt , wie das Fegefeuer ist , paßt . An einem solchen Festtag gehe ich dann verkleidet durch die Menge ; manchmal erkennt man mich zwar , ein tausendstimmiges : » Vivat der Herr Teufel ! vive le diable ! « erfreut dann mein landesväterliches Herz , doch weiß ich wohl , daß es nicht weniger erzwungen ist , als ein Hurra auf der Oberwelt , denn sie glauben , ich drücke sie noch mehr , wenn sie nicht schreien . In meinem Inkognito besuche ich dann die verschiedenen Gruppen ; tout comme chez vous , meine Herren , nur etwas grotesker , Kaffeegesellschaften , Tee von allen Sorten , diplomatische , militärische , theologische , staatswirtschaftliche , medizinische Klubs finden sich wie durch natürlichen Instinkt zusammen , machen sich einen guten Tag und führen ergötzliche Gespräche , die , wenn ich sie mitteilen wollte , auf manches Ereignis neuerer und älterer Zeit ein hübsches Licht werfen würden . Einst trat ich in einen Saal des Café de Londres ( denn , nebenbei gesagt , es ist an diesem Tag alles auf großem Fuß und höchst elegant eingerichtet ) ich traf dort nur drei junge Männer , die aber durch ihr Äußeres gleich meine Neugierde erweckten und mir , wenn sie ins Gespräch miteinander kommen sollten , nicht wenig Unterhaltung zu versprechen schienen . Ich verwandelte daher meinen Anzug in das Kostüm eines flinken Kellners und stellte mich in den Saal , um die Herrschaften zu bedienen . Zwei dieser jungen Leute beschäftigten sich mit einer Partie Billard ; ich markierte ihnen und betrachtete mir indes den dritten . Er war nachlässig in einen geräumigen Fauteuil zurückgelehnt , seine Beine ruhten auf einem vor ihm stehenden kleineren Stuhl , seine linke Hand spielte nachlässig mit einer Reitgerte , sein rechter Arm unterstützte das Kinn . Ein schöner Kopf ! das Gesicht länglich und sehr bleich ; die Stirne hoch und frei , von hellbraunen , wohlfrisierten Haaren umgeben , die Nase gebogen und spitzig wie aus weißem Wachs geformt , die Lippen dünn und angenehm gezogen , das Auge blau und hell , aber gewöhnlich kalt und ohne alles Interesse langsam über die Gegenstände hingleitend ; dies alles und ein feiner Hut enger oben als unten , nachlässig auf ein Ohr gedrückt , ließen mich einen Engländer vermuten . Sein sehr feines blendend weißes Linnenzeug , die gewählte , überaus einfache Kleidung konnte nur einem Gentleman , und zwar aus den höchsten Ständen gehören . Ich sah in meiner Liste nach , und fand , es sei Lord Robert Fotherhill . Er winkte , indem ich ihn so betrachtete , mit den Augen , weil es ihm wahrscheinlich zu unbequem war , zu rufen , ich eilte zu ihm , und stellte auf seinen Befehl ein großes Glas Rum , eine Havannazigarre und eine brennende Wachskerze vor ihn hin . Die beiden andern Herren hatten indes ihr Spiel geendigt und nahten sich dem Tische , an welchem der Engländer saß ; ich warf schnell einen Blick in meine Liste und erfuhr , der eine sei ein junger Franzose , Marquis de Lasulot , der andere ein Baron von Garnmacher , ein Deutscher . Der Franzose war ein kleines untersetztes , gewandtes Männchen . Sein schwarzes Haar und der dichtgelockte schwarze Backenbart standen sehr hübsch zu einem etwas verbrannten Teint , hochroten Wangen und beweglichen , freundlichen schwarzen Augen ; um die vollen roten Lippen und das wohlgenährte Kinn zog sich jenes schöne unnachahmliche Blau , welches den Damen so wohl gefallen soll , und in England und Deutschland bei weitem seltener , als in südlichern Ländern gefunden wird , weil hier der Bartwuchs dunkler , dichter und auch früher zu sein pflegt , als dort . Offenbar ein Incroyable von der Chaussee d ' Antin ! Das elegante Negligé , wie es bis auf die geringste Kleinigkeit hinaus der eigensinnige Geschmack der Pariser vor vier Monaten ( so lange mochte