, mit der Herr von Wiesenau sich unterhielt , noch glückseeliger die , welche auf einige Stunden den leichten Schmetterling zu fesseln wußte . Am allerglückseeligsten aber achtete man einige wenige Beneidenswerthe , denen er eine von ihm mitgebrachte grosse , mit mehreren Anzügen versehene Pariser Modepuppe mittheilte , von der Art , wie sie damals alle Monate von Paris aus an die bedeutendsten Höfe von Europa versendet wurden , und nach deren Muster die von Wiesenau dazu Auserwählten sich durch Anzug und Kopfputz fast bis zum Unkenntlichen umgestalteten . Uebrigens galt dieser junge Mann nicht nur im Aeussern für die Krone aller eleganten Modernität , er wurde auch allgemein als der witzigste , liebenswürdigste , zierlichste Petitmaitre bewundert , den man seit wenigstens funfzig Jahren gesehen . Jedermann trug sich mit allerliebsten Anekdoten und witzigen Einfällen von ihm herum ; nur von Leuen , der ihn früher im Auslande angetroffen hatte , wollte mit dem allgemeinen Chor der Bewunderer des jungen Herrn nicht recht übereinstimmen . Er erklärte ihn für einen faden , dreisten Gecken , den man selbst in den grossen Städten , welche er besucht hatte , sehr oft zur Zielscheibe des Witzes misbraucht habe , und der nichts weiter verstehe , als auswendig gelernte Melodien Dompfaffenartig abzuleiern . Ich selbst , die ich den Helden des Tages noch gar nicht gesehen hatte , war in Hinsicht auf ihn ziemlich unpartheyisch gesinnt . Da mir an seiner Modepuppe nichts lag , so hatte er für mich weit weniger Anziehendes , als für andere meines Gleichen . Nach allem , was ich von ihm hörte , und da ich ohnehin immer gern eine Oppositionsparthey bildete , war ich in meinem Herzen vielmehr geneigt , die Meinung des Herrn von Leuen in Hinsicht auf ihn anzunehmen . Doch er war in dem Augenblick Mode , er war brillant , das lies sich nicht abstreiten , und so beschloß ich denn , ihn fürs erste an meinen Siegeswagen ein wenig mitziehen zu lassen , sobald sich nur die Gelegenheit dazu fände . Diese fand sich , noch ehe ich es erwarten konnte , am nehmlichen Abend , denn einer unsrer Hausfreunde führte an demselben den Vielbesprochnen bei uns ein . Nur vom Theater aus könnt Ihr , lieben Kinder , jezt eine Idee , und noch dazu nur eine höchst unvollkommene , von dem bekommen , was ein Stutzer jener Zeit eigentlich war ; denn , Gottlob , in der Wirklichkeit ist diese Art gänzlich bei uns ausgegangen . Ich wünsche meiner Nachwelt Glück zu diesem Verluste , denn , obgleich ich das , was an die Stelle jener Karikaturen getreten ist , eben so wenig unbedingt loben mag , so ist doch die Thorheit der jezigen Zeit weniger erniedrigend , wenn gleich vielleicht nicht minder groß . Kaum konnte ich selbst des Lachens mich enthalten , als die verdrehte , gezierte parfümirte Figur des Allbewunderten zuerst , mit unnachahmlicher Grazie tief sich bückend , mir die Hand küßte und dabei mit seinen à la Maréchal gepuderten ailes de pigeon nahe an meinem Knie vorüber streifte ; denn in dieser Uebertreibung hatte ich noch keinen gesehen . Doch das Männchen hatte in Paris schwatzen gelernt , es hatte mitunter Einfälle , die gar nicht übel waren , und besaß obendrein jenen übermüthigen Ton oberflächlicher , keine Schonung kennender Persiflage , in die ich nur allzugut einzugehen wußte . So kam es an jenem Abende nur zu bald dahin , daß wir beide in der Gesellschaft die Wortführer machten , denen der Chor der übrigen in abgemessnen Pausen Beifall zuzurufen und zuzulachen sich begnügte . Das Gespräch nahm bald eine Wendung , die , wie ich selbst es mir nicht verbergen konnte , meinem Freunde durchaus verhaßt war ; doch in meinem Uebermuthe lies ich darum nicht davon ab , sondern wetteiferte mit dem neuen Ankömmling in unbarmherziger Verspottung alles dessen , was zufolge der damaligen modernen Aufklärung , die französirenden Schöngeister Vorurtheil nannten ; daneben aber ward auch manches abwesende Mitglied der Gesellschaft bei dieser Gelegenheit von unsern Pfeilen nicht verschont . Erlaßt es mir , meine Lieben , Euch die näheren Details eines Gesprächs zu geben , das ich noch immer nur mit tiefem Schmerz Euch wiederholen könnte und das ich so gern vergässe , ohne daß es mir bis diesen Augenblick hätte gelingen wollen , es aus meinem Gedächtnisse zu tilgen . Die gespannteste Aufmerksamkeit unserer Zuhörer , nur dann und wann von schallendem Gelächter unterbrochen , lohnte unser Bestreben zu glänzen ; selbst mein Vater hörte lächelnd und wohlgefällig uns zu , während Bernhard immer ernster und schweigsamer ward . Ich sah den verhaltnen Unwillen in seinen dunklen Augen blitzen , ich las den stummen Schmerz über mein Betragen in seinen Zügen , aber es fiel mir nicht ein , ihn deshalb zu schonen . Meine unseelige Eitelkeit verleitete mich zu dem Versuche , trotz seiner Unzufriedenheit mit mir , seine Bewunderung durch eben das zu ertrotzen , was diese Unzufriedenheit in ihm rege machte , und so trieb ich es immer ärger , bis er nicht mehr im Stande war es zu ertragen . Ich saß in einer Ecke neben dem Kamin , dieses , der Kaminschirm und ein kleiner Tisch , der seitwärts vor mir stand , sonderten mich ein wenig von der Gesellschaft ab , die mir gegenüber einen Halbkreis bildete . Bernhard fand indessen doch einen Weg , ziemlich unbemerkt hinter meinen Armstuhl zu gelangen , und über die Rücklehne desselben gebeugt , mir die Bitte zuzuflüstern , diese wunderliche Unterhaltung doch endlich abzubrechen . Doch vergebens ! ich gab mir im Gegentheil das Ansehen , ihn gar nicht zu verstehen . Jezt wurden seine Bitten immer dringender , sie gestalteten sich endlich zu Warnungen um , und hingerissen von der Gluth der Leidenschaft , von seinem empörten Gemüthe und dem Schmerze des Augenblicks , mischte er endlich , ganz ohne es zu wollen , das so lange zurückgehaltne Geständnis der glühendsten innigsten