, nehmlich gar nichts , kein einziges Wörtchen ; « antwortete Eugenia . » Die Gräfin , die sich immer zu helfen weiß , ergriff gleich seinen Arm , um mit ihm die Anstalten zur Bewirthung einiger hundert Bauern aus der Umgegend zu besehen , denn der festliche Tag sollte bloß durch ein Volksfest gefeiert werden , da man am folgenden Morgen sehr früh abzureisen beschlossen hatte . Ottokar ging ganz in die Ideen seiner neuen Schwiegermutter ein , und nahm sich des Empfanges und der Unterhaltung seiner ländlichen Gäste mit großem Eifer an , bis später , kurz vor der Tafel , die holde Braut ungerufen erschien , und mit ihm im vollen Schmuck , unter dem Vivatrufen der Bauern , durch ihre Reihen zog . » Sehen Sie mich nicht so unruhig , nicht so bekümmert an , liebe , theure Frau , « sprach Gabriele zur Frau von Willnangen , sobald Eugenia endlich mit ihrer Erzählung zugleich ihren Besuch beendet und das Zimmer verlassen hatte . » Auch du , meine Auguste , sey getrost ! Was ängstigt euch denn , ihr lieben Beide ? « setzte sie hinzu , indem sie ihre vereinten Hände an ihre Brust drückte , und mit den klaren , treuen Augen zu ihnen aufblickte . Beide umarmten sie schweigend , und Gabriele fuhr fort zu reden . » Wonach ich lange im Stillen mich sehnte , ist mir in dieser Stunde geworden , « sprach sie gleichsam zu sich selbst . » Ich habe Nachricht von ihm , von seinem Leben , seit wir uns trennten , vom Vollbringen dessen , was geschehen mußte , alles ist vorbei - alles , alles ist vorbei , « wiederholte sie und sank in die Kissen des Sophas zurück . Doch ermannte sie sich sogleich wieder und richtete sich auf , mit der in solchen Momenten ihr eigenthümlichen Kraft . Frau von Willnangen vermochte es nicht , ihr etwas zweckmäßiges , oder auch nur zusammenhängendes zu erwiedern , nicht allein , weil sie in zu heftiger Bewegung sich befand , auch ihre Ansichten von Gabrielens Geschick schwebten noch immer in zu verworrener Gestaltung ihr vor . In der Verlegenheit , doch etwas sagen zu müssen , stammelte sie einige Worte von unbegreiflichen Täuschungen , von unerklärlichem Benehmen , doch schnell unterbrach sie Gabriele : » Glauben Sie mir , « sprach diese , » keine Täuschung , nichts Unerklärliches liegt zwischen mir und Ottokar ; um uns ist alles hell und klar wie das Sonnenlicht . Zwar werden wir auf Erden uns schwerlich wieder sehen , aber dennoch halten wir fest im Glauben an einander . Wir haben uns einmal gefunden , wir haben uns einmal verstanden , und das genügt uns , um nie , in keinem Moment des Lebens an einander irre werden zu können . « Die Lebhaftigkeit , mit welcher Gabriele diese Worte sprach , versetzte Frau von Willnangen in die höchste Besorgniß um sie . Sie hatte den Moment , von dem sie so vieles aufgeklärt zu sehen hoffte , das bis jetzt ihr dunkel geblieben war , schon lange im Verborgnen herbeigesehnt . Jetzt war er unerwartet ihr erschienen , und sie wünschte beinah noch weit sehnlicher , ihn verschieben zu können , wär es auch auf immer . Das stürmische Pulsiren des jungen Herzens , das , wie Ruhe suchend , sich im Laufe des Gesprächs an ihre Brust gelehnt hatte , erfüllte sie mit Angst um die kaum Genesene . Sie sah mit Entsetzen , wie alles Blut aus diesem armen Herzen in einem Moment auf Gabrielens Wange glühte , im nächsten in dessen Tiefen zurückströmte , und nur die bleiche Farbe des Grams auf dem holden Gesichte zurück blieb . Aber alle Versuche , die ihr jetzt so furchtbar scheinende Unterredung abzubrechen , waren vergeblich . » Lassen Sie mich jetzt die Brust mir frei sprechen , « erwiederte Gabriele ihren Einwendungen ; » fürchten Sie nicht , daß mir die Kräfte dazu fehlen , ich fühle mich und weiß , daß ich in dieser Stunde es vermag . Es ist mir ein Trost , denn schon lange sehne ich mich , Ihre unsägliche Liebe durch eben so ungemeßnes kindliches Vertrauen zu erwiedern . Hernach will ich ruhen , und Sie werden gewiß mit dem kranken Kinde nachsichtig umgehen . Ja ! ich liebe Ottokar , und er weiß es , denn in der höchsten Stunde meines Lebens , die mir ewig allein dastehen wird , in Freude und Schmerz , habe ich es ihm gesagt . Wovor erschreckt ihr denn wieder ? Gott kennt ja meine Liebe , ich schämte mich ihrer nicht vor ihm , warum sollte ich sie denn dem einzigen Wesen verbergen , das gewiß nach seinem Willen zu mir gehört , wenn wir gleich , durch irdische Verhängnisse eingezwängt , jedes seinen eignen Weg fern von einander gehen müssen . Auch Ottokar liebt mich ! wir fanden uns in seligen Schmerzen , in trüber Wonne , nur einen Moment , um uns gleich wieder zu trennen ; und nun ist es gut . - Es ist alles sehr gut ! « wiederholte sie nach einer kleinen Pause , und drückte , sanft weinend , Mutter und Tochter fester an sich . Beide weinten verstummend mit ihr . » Wir sollten eigentlich nicht weinen , « sprach Gabriele bald darauf , » ich bin ja nicht unglücklich , ich bin ja nicht beklagenswerth , warum weinen wir denn ? ich habe gelebt und geliebt ! Beut mir die Zukunft keine Freude mehr , so brauche ich auch dafür sie nicht mehr zu scheuen . Wohin Sie , liebe Mutter ! durch Jahre voll Schmerz hingelangten , dahin bin ich in früher Jugend , in einer kurzen Stunde gekommen ; ich bin in ihr alt geworden , und kann nun ohne Furcht überall hintreten , meine Ruhe ist gesichert . Ein zweiter Schmerz wie dieser droht mir nicht wieder , denn das