schon zu mir herüber , o lassen Sie mir Zeit , den Eingang zu suchen . « - » Ich habe nur Wünsche « , sagte er und verneigte sich mit Entsagung ; » die ersten und heißesten sind für Ihr Glück . Ich bin auf alles gefaßt , nur Sie auf immer zu verlieren , der Gedanke übersteigt meine Kraft . « - » Auch ich darf ihn nicht denken ! « rief ich und ergriff seine Hand ; » empfangen Sie meinen Schwur , daß , wie auch unser Verhältnis sich wende , ich mich nicht von Ihrer lieben Nähe trennen will , bis der Tod uns scheidet . « - » Oh , Virginia ! « rief er und hob meine Hand zwischen seinen gefalteten Händen empor , » welch einen himmlischen Trost geben Sie mir zum Reisegefährten . Nimmer will ich mehr verlangen , wenn Sie es nicht selber wünschen . « Mit freudestrahlendem Gesicht verließ er mich . Er hat der Familie seine Abreise angekündigt , die mißvergnügten Gesichter aber augenscheinlich durch den Zusatz aufgehellt , daß dies die letzte Fahrt sein solle und daß er dann eine Lebensart aufgeben werde , welche der Vater immer nur ungern zugelassen hat . Dieser hofft , ihn für sein Handlungshaus zu gewinnen , ich glaube , er trügt sich ; Williams Sinn strebt nach der Stille des Landlebens , ihm fehlt der spekulative Geist , dessen der Kaufmann bedarf . So muß ich denn diese Blätter schließen und siegeln ; mögen sie glücklich zu Dir gelangen , meine Adele . Mein ganzes Sein haucht Dir aus ihnen entgegen , nimm sie freundlich auf und tausche sie gegen andere von Deiner Hand aus , worauf ich so sehnlich hoffe . Gib mir Kunde von den Deinen , vorzüglich von Deiner guten Mutter ; grüße diese herzlich von mir . Schreib mir auch , ach , nur in wenigen Worten , was mein armes , liebes Frankreich macht . Glücklich scheint es nicht zu sein , es kommen viel Ausgewanderte hier an . Seit einigen Tagen verbreitet sich ein Gerücht , welchem ich aber keinen Glauben beimesse , die Schiffernachrichten sind öfters falsch . Übermorgen reise ich mit meinem kleinen Gefolge ab . Die Mutter schüttelt zwar sehr den Kopf zu dieser Wallfahrt , doch sie ist mit sorglicher Geschäftigkeit bemüht , alles zu ordnen und herbeizuschaffen , was ihr zu meiner Bequemlichkeit nötig scheint . Der Vater gibt mir Empfehlungsschreiben nach Baltimore und Washington mit . Philippine weint schon im voraus über die lange Trennung und tröstet sich nur durch mein Versprechen , daß ich dann auf immer bei ihr bleiben wolle . Es wird mir in der Tat schwer , mich von diesem Mädchen und von diesem freundschaftlichen Hause zu trennen ; aber der Zug nach Westen ist stärker als die Freundschaft , ja selbst stärker als meine Vernunft . Lebe wohl , meine Adele ! Tausendmal lebe wohl ! William eilt an Bord und nimmt Abschied von Deiner Virginia . Virginia an Adele Baltimore Glücklich bin ich hier mit meinem Gefolge angelangt , und ein Handelsfreund von Ellison hat sich nicht abhalten lassen , mich aufzunehmen . Unsre Reise war nur wenig verschieden von einer Reise in Frankreich , so kultiviert ist schon der Distrikt zwischen hier und Philadelphia ; nur waldiger ist das Land als dort und der Baumwuchs üppiger , saftvoller , auch gibt es mehr Viehzucht und mehr kleine zerstreute Besitzungen . An das Gemisch der verschiedenfarbigen Menschen , welches dem Reisenden anfangs sehr auffällt , habe ich mich schon gewöhnt . Von hier aus will ich erst nach Washington , um die Nachbildung jenes Kapitols zu sehen , wohin mein Geist so oft mich trug und welches jemals wirklich zu sehen mir nun jede Hoffnung entschwunden ist . Dann kehre ich hierher zurück , um von hier aus die große Wanderung zu den Seen anzutreten . Baltimore ist freundlich und um vieles lebhafter als Philadelphia . Es wohnen hier viele Franzosen . Meine Wirtsleute sind noch jung , besonders die Frau , ein Irländerin , voll Lebhaftigkeit und beweglich wie Quecksilber . Sie erzählt mir unaufhörlich ; schade nur , daß ich mich mit ihr so schlecht verständigen kann , denn sie spricht das Englische nach ihrer vaterländischen Mundart aus und kann wenig Französisch . Besonders wünschte ich mich über einen Teil ihrer Erzählungen vollständig unterrichten zu können , welcher mich seltsam anzieht . Sie spricht nämlich oft von den Freiwilligen von Baltimore , welche im vorigen Jahre Washington zu Hülfe gezogen , und daß darunter mehrere Ausländer gewesen . Unter diesen erwähnt sie oft eines jungen Franzosen , welcher lange in ihrem Hause gewohnt habe . Die Beschreibung scheint mir , wunderbarerweise , auf Mucius zu passen , auch der Name hat in ihrer Aussprache einige Ähnlichkeit , und so fest ich von der Unmöglichkeit seines Lebens überzeugt bin , so nimmt mein törichtes Herz doch einen Anteil an diesen Erzählungen , der mich mit Unruhe erfüllt . Gern möchte ich nun etwas Näheres über diesen Fremdling erfahren , möchte seine ferneren Schicksale , seinen jetzigen Aufenthalt wissen ; aber entweder weiß die gute Davson nur wenig , oder ich verstehe sie schlecht . Ich kann nicht einmal mit Bestimmtheit erfahren , ob er mit den Freiwilligen zurückgekehrt ist , sie spricht immer , » der gute junge Herr ist gegangen « . Ich entschloß mich , mit einer kleinen Schamröte , den Mann deshalb zu befragen . » Hat Ihnen meine Frau davon gesagt ? « fragte er mit einem finstern Blick , welchen ich noch gar nicht an ihm gesehen hatte . » Ich weiß nicht mehr als Betty « , setzte er hinzu , » es hat mich nicht interessiert . « Und damit brach er das Gespräch ab , welches ich nicht wieder anzuknüpfen wagte . Der Fremde ist ein Zankapfel zwischen dem Ehepaare gewesen , das bemerke ich wohl . Aber weshalb beunruhigt mich das ?