« Die Bauern sagten : » Das ist ganz richtig , aber es läßt sich nicht ändern . Man kann seine Aecker nicht auf den Rücken nehmen und an einen Haufen legen . « Oswald sprach : » Das könnet ihr , wenn ihr wollet , nun ihr den Plan vom Gemeindsbezirk habet und nun Jedermann weiß , wie groß jedes seiner Stücke ist . Aber ich sage euch , die Sache hat viel Schwierigkeiten . Ihr müsset mit einander die zerstreuten Stücke austauschen , so daß endlich Jeder sein Land im Zusammenhang hat , als ein einziges Stück . Da rede Jeder mit seinen Nachbarn und Anstößern . Entschädiget einander , wo der Eine ein paar Schuhe Land mehr oder bessern Boden hat , als der Andere . Und wenn Einer oder der Andere beim Tauschen wirklich etwas einbüßen sollte , so gewinnt er doppelt dadurch , daß er Alles beisammenliegend hat . Wo ihr nicht eins mit einander werdet , nehmet unparteiische Schätzer oder billige Schiedsrichter , oder ziehet Loose . Ich sage : lasset euch durch kein Hinderniß abschrecken , oder seid darum nicht zufrieden , weil ihr es jetzt seit vielen Jahren so gewohnt seid ; es kommt darauf an , daß ihr reicher werden könnet , ohne größere Mühe . « Als der erste Vorsteher so geredet hatte , ging die Gemeinde kopfschüttelnd aus einander . Zwar Alle sagten , der Gedanke sei gar gut ; aber man würde nun und nimmermehr einig werden . Inzwischen dachten doch Einige in müßigen Augenblicken daran , welches Stück von ihren Feldern sie wohl Dem und Diesem für das seinige geben könnten , das an das ihrige stieß . Sie fingen sogar zum Spaß an , davon mit den Angrenzern zu reden . Diesen war dann das Angebotene nicht allezeit gelegen , und wünschten ein anderes , das dem Dritten gehörte , zu empfangen . Da begrüßten beide Theile nun den Dritten . Einer stieß den Andern . Bald machte Jeder Plane für sich , seine Besitzungen auszurunden und in ein einziges Stück zu verbinden . In kurzer Zeit griffen die Unterhandlungen um sich . Manche gelang , manche scheiterte . Immer kam dabei etwas heraus . Es war in Goldenthal wie an einer Landversteigerung oder wie auf einem Gütermarkt , zumal im Winter , da man mehr müßige Stunden hatte und Abends zum Gespräch zusammenkam , bald bei Diesem , bald bei Jenem . Denn ins Wirthshaus zu gehen und das gute Geld durch die Gurgel zu jagen und einem Vieh gleich zu werden , schämten sich alle Ehrenleute im Dorfe . Lieber tranken sie ihr Glas bei Weib und Kind und mit denselben an einem Sonn- und Festtage . Oswald hatte es vorausgesagt : der Gütertausch hat Schwierigkeit ! So war es auch . Allein im ersten halben Jahr war es doch schon Fünfen fast ganz gelungen , all ihr Land beisammen zu haben . Das verdroß die Andern . Sie sahen den Nutzen davon sehr wohl ein . Nun setzten sie den Kopf daran , es auch so weit zu bringen . Das Gemeinhaus ward beständig besucht am Abend . Da standen immer einige Bauern vor der großen Karte , und handelten und stritten , daß man es draußen hörte , und liefen aus einander im Zorn , und traten wieder mit neuen Vorschlägen zusammen . Was war die Folge ? Von Jahr zu Jahr rundeten sich die Güter immer besser zu , und die guten Wirkungen wurden auffallend sichtbar . 30. Wie es im Goldmacherdorf aussah . Wohl war Goldenthal nun ein rechtes goldenes Thal . Da lag es mitten in den fruchtbarsten Gärten , wie vergraben in den vollen Obstbäumen , umringt von Wiesen und goldenen Saatfeldern , wie mitten im Paradiese . Die Feldwege zwischen den Aeckern waren wie Gartenwege sauber und eben , die Landstraßen auf beiden Seiten mit Obstbäumen besetzt , so weit der Gemeindsbezirk ging . Und trat man ins Dorf , so glaubte man in kein Dorf zu treten , sondern in einen stattlichen Marktflecken . Denn die Häuser waren , wenn auch nicht alle groß , doch alle schön und wohl unterhalten von oben bis unten ; die Fenster glänzend und hell ; die Thüren und Gesimse stets gewaschen oder frisch angestrichen ; die Dächer fast alle mit Ziegeln gedeckt , denn durch ein Gemeindsgesetz waren die Strohdächer wegen Feuersgefahr verboten . Und wurde ein neues Dach gedeckt , mußten es Ziegel sein . Auf mancher First sah man Blitzableiter , fast vor allen Fenstern Blumen ; neben den Häusern kleine Gärten , zierlich geordnet und daneben wohlgeschirmte Bienenkörbe . Die Leute grüßten Jeden so freundlich auf der Straße , und neckten einander im Vorbeigehen scherzend . Man sah es ihnen wohl an , daß sie unter einander gut lebten und mit ihrem Zustande vergnügt waren . Das konnte nicht anders sein . Sogar in der Woche bei Feld- und Gartenarbeit gingen Alle , zwar schlicht und einfach , aber doch reinlich gekleidet : man sah keine beschmierten , keine zerrissenen Gewänder . Es gab braune , von der Sonne verbrannte Gesichter , aber keine kothigen , mit struppigen Buschhaaren ; und die Kraft und Gesundheit lachte Allen aus den Augen . Die jungen Bursche in andern Dörfern sahen am liebsten nach den Goldenthaler Mädchen ; denn sie waren nicht nur wundernett und hübsch , sondern auch häuslich , geschickt und wirthlich . Mancher reiche Bauerssohn in andern Dörfern holte sich ein Mädchen aus dem Goldmacherdorf ; wenn es auch nicht viel Geld hatte , hatte es doch viele Tugenden . Und ging ein junger Mann aus Goldenthal auf die Heirath aus , so konnte er unter den Töchtern des Landes wählen . Man schlug einem Goldenthaler nie leicht die Tochter ab , wenn sie auch mehr Vermögen hatte ; denn man wußte , es war gar wohl angelegt . Das vermehrte den Wohlstand der Gemeinde nicht wenig . Daß man keine Bettler und Müßiggänger in Goldenthal