als ein heiliges Geheimniß , das in dieser Verwirrung noch nicht an das Licht treten soll . Vertraue Dich Niemand als dem Arzte , greife der Entscheidung durch nichts vor , laß die Natur ungehindert ihren zuverläßigen Sieg bereiten . Sie will uns in ihre stille Ordnung zurück haben . Mein Gott ! sagte er nach augenblicklichen Nachsinnen , wie ungestüm ist der Mensch ! wie arbeitet er sich an dem Unmöglichen ab , und dann kommt ihm das Gute unversehens von selbst , aber anders , ganz anders wie er es dachte ! Mein Kind ! es ist viel Wunderbares in dem Leben ! Von jetzt betrieb er nun die Versöhnung mit dem Vaterlande auf alle Weise , was ihm um so leichter ward , da die gemäßigte Gewalt der Direktoren nach der dritten Constitution , den Ausgewanderten die Thore der Heimath öffnete . Frankreich hatte um diese Zeit mit einem Theil seiner auswärtigen Feinde Frieden geschlossen . Es begründete sich nun in sich selbst und zog die vertriebenen Mitbürger theils durch die wieder aufgehende Ruhe , theils durch die allernatürlichsten , unzerreißbarsten Bande , nach und nach an sich . Auch der Köhler ward des Suchens und vergeblichen Ansiedelns in der Fremde müde , und schon im Herbst begleitete er den Marquis , der , den Wiederaufbau des Rhoneschlosses betreibend , vorauseilte , nach Frankreich zurück , wie er ihn früher aus diesem führte . Die Andern sollten unter dem Schutz des Herzogs in kleinen Tagereisen folgen , und in Besançon Nachricht über ihren fernern Aufenthalt erwarten , da vielleicht ein Theil des Schlosses stehn geblieben sei , und sie dort bis zur Wiederherstellung des Ganzen einziehen könnten . Marie fügte sich in alles , ohne grade besondern Hoffnungen Raum geben zu wollen . Doch wie es auch werden mochte , ängstlicher konnte ihre Lage nirgend sein , als hier , wo ihr alles so liebe , glückliche Tage zurückrief , und wo sie jetzt die dunkle Gegenwart doppelt drückte . Auch konnte sie es nicht wehren , daß manch verheißender Traum unmerklich aus der unbekannten Zukunft heraufstieg ; sie drückte ihn wohl scheu und bescheiden zurück , aber er war doch einmal da gewesen , und jeder Blick in die Ferne zeigte ein mögliches Glück , da die nahen Umgebungen im Gegentheil nur Störung und Sorgen enthielten . Denn Antoniens Zustand ward mit jedem Tage leidenschaftlicher , ihr Sinn immer finsterer . Sie kam wenig mehr unter Menschen . Meist allein in ihrem Zimmer , war sie beschäftigt , Scenen aus ihrem Leben , welche Bezug auf Adalbert hatten , mit großer Kraft und erschütternder Wahrheit , in reichen und schön zusammengestellten Gruppen , mit Kreide auf das Papier zu werfen . Vorzüglich verweilte sie bei dem Uebergang über den Gotthard . Alle andern Gestalten waren nur eben angegeben , Adalbert allein mit der höchsten Liebe in rührender Aehnlichkeit ausgezeichnet . Niemand konnte den Zug tiefen Leidens in seinem Gesicht ohne Wehmuth sehen . So mochte sie sich ihn am liebsten denken . Oft wenn sie stundenlang an seinem Bilde gearbeitet hatte und seine Lippen sich wie zum Sprechen zu öffnen schienen , dann drückte sie die ihren darauf , und verwischte mit ihren Thränen die trügerisch verlockende Erinnerung ! Die herannahende Veränderung ihres Aufenthaltes war ihr willkommen . Sie verlangte sogar mit Heftigkeit darnach . In den letzten Tagen vor ihrer Abreise zeigte sie sich geselliger , oftmals heiter und liebreich , ihr war , als sei die Entscheidung nun ganz nahe . Sie sprach mit Liebe von der Rhone und dem blühenden , heimathlichen Boden ! zuweilen hoffte sie , die Flammen sollen nur das Innere des schönen Schlosses angegriffen und die Möglichkeit gelassen haben , es wieder bewohnen zu können . Sie pries dem Arzt die Herrlichkeit der schönen Besitzung , und lag ihm an , sie dahin zu begleiten . Sie hatte sich einmal an seine milde Behandlung gewöhnt , selbst auf gewisse Weise Vertrauen zu ihm gefaßt . Es schien ihr tröstlich , sich ihn als eine Art von Mittelsperson zwischen ihr und der übrigen Familie zu denken , er war vielleicht der Einzige , der sie verstand , seit sich auch der Herzog von ihr wandte . Sie hatte eine so beherrschende Gewalt in ihren Worten und Mienen , sie bestimmte nicht eigentlich durch Gründe , allein sie überwältigte die Gründe Anderer so , daß der leutselige Mann , durch Theilnahme für eine der wunderbarsten Erscheinungen der Zeit , wie für eine ganze liebenswürdige Familie , bewogen , in ihren Vorschlag willigte . Am Vorabend der Reise trat der Chevalier zum erstenmal nach jenem unglückseligen Vorfall wieder in ihren Kreis . Ein jeder ward durch seinen Anblick erschüttert . Er nahete sich Antonien , und in ehrerbietiger Entfernung sagte er : ich habe Sie beleidigt , mein Fräulein , mein Blut konnte den Frevel nicht wegwischen , ich will ihn abbüßen , auf welche Weise Sie es wollen , unter allen Strafen die Sie mir auflegen können , ist wohl die härteste , Sie zu fliehen , doch ich bin Ihnen so sehr verschuldet , daß ich mich auch dieser unterwerfen muß . Wissen Sie aber eine freundlichere Art , die trüben Mißverständnisse auszugleichen , wollen sie mir die schöne Pflicht - Antonie winkte mit der Hand - der Krampf stellte sich wieder ein , er zog ihr das Herz zusammen , sie konnte nicht reden , und als der Chevalier übermannt zu ihren Füßen sank , bezeigte sie die unerträglichste Unruhe . Ich bin ein Thor ! rief er , stolz aufspringend , ein Unrecht gegen Sie durch ein größeres gegen mich selbst aufheben zu wollen . Man gewinnt nie sogleich durch die erste veränderte Stellung das verlorene Gleichgewicht wieder , aber ein französischer Ritter hat es noch immer gefunden , wenn es die Ehre gebietet . Ich denke , es zweifelt niemand an mir , sagte er , zuversichtlich umhersehend , die kleinen Wolken auf der Stirn wird der