mich wieder so kalt anfaßt und die innere Lust erstarrt . Ein Himmelsbote sollst du mir in trüben Augenblicken erscheinen . Mein Florio , sieh mich nicht so wehmüthig an . Gewiß , du folgst mir bald , recht bald . Wie könnte ich mich denn auch aufs neue von dir losreißen wollen , dein frommer Blick soll sich schirmend zwischen jeden wilden Gedanken legen , und ihn auf ewig von mir abhalten . Jetzt erlaube mir indeß , daß ich dich zu einer Freundin führe , der du ein lieber Trost seyn wirst , und die dich wohl selbst , wenn es sich anders fügen will , zu uns begleitet . Bis dahin sey ruhig Lieber , Seraphine wird dich gern aufnehmen , und du wirst bei diesem leichten , tändelnden Gemüth , deine Kinderwelt am ersten wiederfinden . Ach , du fühlst es nicht , sagte Florio , mit abgewandtem Gesicht , wo meine Welt blühet , du und wenige wissen , wie ein Gedanke das ganze Leben umfassen , und jede andere Rücksicht vernichten kann , darum begreifst du auch nicht , was mir es kostet , ohne dich zurück zu bleiben . Du sprichst so ruhig davon , als gälte es irgend einer andern Vorkehrung deiner Reise . Es muß ja wohl so seyn . Ich bleibe , weil du es willst , und wo du willst . Mir gilt jeder Ort gleich , seit du mich aufs neue von dir verbannst . O seht doch , seht , rief Stephano , auf eine nahe gelegene Hauptwache zeigend , da wird der Ausmarsch recht anmuthig gefeiert . Das Cithermädchen saß in den Zweigen einer schattigen Linde , und sang und spielte , während die Krieger im Kreise um den Baum standen , und still auf folgende Worte lauschten : Auf jener Wiese glühen Die Blumen purpurroth , Die allesammt erblühen Aus vieler Helden Tod . Es sind die blut ' gen Wunden , Die auf zum Himmel seh ' n , Im Sonnenlicht gesunden , Verkünden , was gescheh ' n. O , sagt nun , heil ' ge Zungen , Wes Thaten feiert ihr ? Wer hat den Tod bezwungen ? Wer ruht verklärt allhier ? Da weht es in den Halmen , Da rauscht es in der Luft , Die Erde will ' s zermalmen , Es sprengen aus der Gruft . Die kühnen Reiter alle , Auf weiß und goldnem Roß , Die einst im herben Falle Besiegt der Feinde Troß . Wir , tönt es aus der Ferne , Der Länder Wehr und Zier , Glüh ' n nun als Himmelssterne , Erblüh ' n als Blumen hier . Der Zauber ist verschwunden , Die alte Schuld gelöst . Die haben Ruh ' gefunden , Die kämpfend sich erlöst . Als sie geendigt , schallte es wie aus einem Munde : Die kühnen Reiter alle , Auf weiß und goldnem Roß , Die einst im herben Falle Besiegt der Feinde Troß . Das Mädchen wiegte sich indeß in den Zweigen , und weigerte sich herunter zu kommen . Da schwang sich ein schlanker Cürassier zu ihr auf , und sie umfassend : sang er : Der Krieg löst alle Bande , Der Krieg trennt Seel ' und Leib , Er zieht in ferne Lande Den Mann vom Eheweib . Nun ist die Lust gestorben , Gewelkt der Myrtenkranz , Um sie hat Tod geworben Im frischen Minneglanz . Da sitzt sie in der Kammer Und weint in Todesnoth , Ach , und im herben Jammer Glüht ihr das Morgenroth . Des Hauses Thür verschlossen Seit jener trüben Zeit , Wo Thränen nur geflossen , Geschwiegen Gastlichkeit . Die hört sie jetzt erklingen , Die thut sich plötzlich auf . Wer mag ihr Freude bringen ? Wer hemmt der Thränen Lauf ? Ein Pilger thut sich neigen Und spricht : Euch grüße Gott ; Wollt mir den Ring wohl zeigen , Den ihr jetzt tragt zum Spott . Und auch das Tuch von Seide Gebleicht im Mondenschein , Das ihr im tiefen Leide Bewahrt im goldnen Schrein . Es fodert diese Gaben Der Eheherr zurück ; Ich muß sie wieder haben , Spricht er mit zorn ' gem Blick . Zu lösen das Verbrechen , Zu löschen wilde Glut , Die stummen Zeugen rächen Zu laut den Wankelmut . Sie giebt den Ring ihm willig , Sie öffnet still den Schrein , Was er verlangt ist billig , Ich will ' ge in Demuth ein . Und wie sie dies gesprochen , Sinkt sie erbleichend hin ; Das Herz ist ihr gebrochen , Entschwunden Welt und Sinn . O Jesus , meine Wonne ! Ruft laut der Pilgersmann , Blick auf , du reine Sonne , Sieh , Angst und Weh zerrann . Wirf ab , wirf ab die Sorgen , Dein ist das treu ' ste Herz ; Auf Abend folgt der Morgen , Lust keimt aus Liebesschmerz . Die kleine Sängerin hatte sich vertraulich an ihn gelehnt , und sah ihm zufrieden in die freundlichen Augen ; aber die Alten lachten , und meinten , sie solle sich darauf nur verlassen , dann sei sie gut berathen ; das Herz habe im Kriege nicht Platz für derlei Erinnerungen . Solche weiße Täubchen , wie sie , flögen hinein und heraus . Das mache den rechten Soldaten , daß er zu jeder Zeit mit frischem Herzen liebe und hasse , wie das veränderliche Leben es von ihm fodre . Nun , nun , fuhr der Eine fort , und reichte ihr gutmüthig die Hand , werde nicht böse , Kleine , es ist nicht so ernstlich gemeint , und als sie ihm dennoch die Hand verweigerte , sang er im tiefen Baß : Hab ' ich dir was zu Leide gethan , Rufe Dich um Vergebung an , Reiche mir deine Hände , Weil es geht zum Ende . Sie sprang behend auf seine Schulter , und er trug sie unter lustigem