die Freunde ernstliche Anstalt , über einen haltbaren Lebensplan übereinzukommen ; und bald kam Folgendes zu Stande . Ulmenhorst bezog sein Gut ; Lindenhain kaufte eins in der Nachbarschaft , und erstand zugleich den Landsitz , welchen der Onkel in seinem Wohlstande besessen hatte , worauf er ihn auch wieder einsetzte . Madame Euler , an die Adelaide sich unzertrennlich gekettet hatte , wohnte mit derselben in einem sehr eleganten Pavillon auf Lindenhains Gute ; und Rehthal , der sich von seiner Frau schied , die er wegen des schlechten Streiches mit den untergeschlagenen Briefen , nicht wieder an seiner Seite leiden konnte , so viel Albertine die Strafbare auch entschuldigte und für sie bat , verkaufte sein Gut und wohnte bei Ulmenhorst . Da war denn immer Einer in und durch den Andern glücklich , und nur Laurette säete zuweilen Unkraut unter den Weizen . Onkel Dämmrig fand den Plan so deliziös , lebte wieder von Neuem auf , und verjüngte sich ganz so an dem reinen Feuer aus Adelaidens Augen , daß er oft in der Freude seines aufgewärmten Herzens sein altes : » Damötas war schon lange Zeit « mit heiserer Stimme anstimmte , und sich freute , wenn er es den Damen nach dreierlei Kompositionen , mit altväterischen Manieren verbrämt , vorsingen konnte . Musik , Mahlerei , worin auch nun Albertine anfing vortrefflich zu werden , ernste Wissenschaft , leichter Scherz , kleine dramatische Übungen , landwirthschaftliches Treiben gaben dem , ohne den Umgang der Musen so einförmig häuslichen Landleben Mannichfaltigkeit und reichen Genuß . Eintracht pflanzte überall die Friedenspalmen hin , und selbst Laurettens Geist schien unter der Milde dieses Himmels von seiner Schärfe zu verlieren , obschon dem ungeachtet Onkel sie oft seinen Pfahl im Fleisch und den Klotz an seinen Beinen nannte , und von Herzen wünschte , daß ein von Gott und allen Weibern Verlassener sich doch erbarmen und sie ihm abnehmen möchte . Ob irgend eine Hoffnung dazu für ihn und die arme Hartsinnige grünte , werden wir im folgenden Kapitel erfahren . Fünf und zwanzigstes Kapitel » Sagen Sie mir doch , Ulmenhorst , was ist ' s , daß Sie jetzt so häufig verstimmt scheinen , und oft mitten im frohen Gespräch sich einer eigensinnigen Laune überlassen , die uns Ihre Unterhaltung verkümmert ? « fragte Henriette . Albert erröthete , legte seine Hand sanft auf ihre Schulter . » Morgen sollen Sie ' s erfahren , wenn Sie mir helfen wollen ? « - » Wenn ich kann , gern ! « Und das Gespräch war abgebrochen . Henriette hatte ganz andere Besorgnisse , und fühlte sich erleichterten Herzens , als sie folgendes Billet gelesen hatte . » Leiser berührt die weibliche Hand wunde Herzen ; leihen Sie mir die Ihrige , meine Freundin , eines zurückzudrängen , das sich unaufgefordert zu mir hinneigt . Nie gab ich Lauretten Anlaß , mich für Ihren Liebhaber zu halten ; nie fühlte ich für diese niedrigste aller Weiber ; das wäre sie mir , auch ohne die Nähe ihrer englischen Cousine ! Und dennoch macht sie Anstalt , mich mit stürmender Hand zu erobern . Ich verschweige , wie weit sie , aller weiblichen Delikatesse trotzend , sich vergaß . Das macht mich bei ihrem Eintritte still , weil ich mich in ihrer Seele schäme . Ihrer Zartheit , meine Freundin , traue ich es zu , daß Sie den verirrten Sinn sanft zurückführen werden . Zu hart wär ' s mit männlicher , mit meiner Hand . Überdem hat sie sich , meiner leisen Zurechtweisungen nicht achtend , mir nur frecher entgegen geworfen . Ungern würde ich Sie indessen dem Spotte des Onkels und der Verachtung Anderer ausgesetzt sehen . Sie ist ein Weib , Albertinens Verwandte und muß geschont werden . Nach meinem Gefühle darf ein Mann die Fehler nicht strafen , die er veranlaßt . Leben Sie wohl ! Von Ihnen hofft seine Befreiung Ihr Albert von Ulmenhorst . « Henriettens Verlegenheit war groß , nicht geringer Albertinens , als sie folgenden Brief von der verschollenen Tante Elise erhielt . » Bitte , bitte , sei nicht böse , Nichte Albertinchen , wenn ich unter den Wellen seligen Genusses , die über mir zusammen schlugen , eurer zu vergessen schien . Athemlos , in Wonne gelößt , schwebt mein Geist dem Deinen wieder entgegen und fleht um Einklangsseligkeit . Du Einzige gewährst sie mir . Den Bruder grüße mit dem Kuß der Liebe . Nichte Lauretten sage - ach Gott ! die Arme ! wie wird ihr Herz in dem Ocean der Kränkung sich nach einem errettenden Felsen sehnen ! Die Arme ! ! ! Sage ihr , weil es doch einmal gesagt werden muß , es ginge unmöglich an , daß Doctor ( nicht mehr Magister ) Doctor Wassermann sie heirathen könne , wie sie gern will , weil er mich schon geheirathet hat . Die Musen schlossen den ewigen Bund . Ach , was ist die Liebe für ein süßes Ding ! - Die Welt nennt mich alt . Alt ? Was ist das nun ? Die Hülle , das Kleid wird alt ; der Geist blüht in ewig schöner , jugendlicher Form . Wer nicht alt werden will , wird es nicht . Ich gestehe freilich , daß mein Wassermann nicht ganz das Ideal meiner Vorstellungen ist . Sein ernster Sinn verschmäht die leichten Blüthen des meinigen ; oft windet er mir einen Kranz von Wermuth , wo ich Rosen brechen möchte ; öfterer führt er mich unter Lauben von Cypressen , und lehnt meine Leier an die Thränen-Weiden der herben Vorwürfe ; mehr nennt er mich eine unerschaffene Ceder auf Libanon , denn eine Rose im einsamen Thale ; aber dennoch verehre ich den Theuren grenzenlos . Ich beuge mich vor seinem stärkern Geist , und neige mich , wie das zarte Schilf im Sturme . Begeistert durch die Nähe des Empyräum , streben unsre Geister hinanwärts , hinanwärts ! ! !