Ruinen geworden . Epheu umzog die Mauern . Hohe Büsche beschatteten den ehmaligen Hof , und weiches Moos polsterte die alten Stiegen . Sie trat ins Zimmer . Sophie stand am Altar , der wieder aufgebaut war . Eros lag zu ihren Füßen in voller Rüstung , ernster und edler als jemals . Ein prächtiger Kronleuchter hing von der Decke . Mit bunten Steinen war der Fußboden ausgelegt , und zeigte einen großen Kreis um den Altar her , der aus lauter edlen bedeutungsvollen Figuren bestand . Ginnistan bog sich über ein Ruhebett , worauf der Vater in tiefem Schlummer zu liegen schien , und weinte . Ihre blühende Anmuth war durch einen Zug von Andacht und Liebe unendlich erhöht . Fabel reichte die Urne , worin die Asche gesammelt war , der heiligen Sophie , die sie zärtlich umarmte . Liebliches Kind , sagte sie , dein Eifer und deine Treue haben dir einen Platz unter den ewigen Sternen erworben . Du hast das Unsterbliche in dir gewählt . Der Phönix gehört dir . Du wirst die Seele unsers Lebens seyn . Jetzt wecke den Bräutigam auf . Der Herold ruft , und Eros soll Freya suchen und aufwecken . Fabel freute sich unbeschreiblich bey diesen Worten . Sie rief ihren Begleitern Gold und Zink , und nahte sich dem Ruhebette . Ginnistan sah erwartungsvoll ihrem Beginnen zu . Gold schmolz die Münze und füllte das Behältniß , worin der Vater lag , mit einer glänzenden Flut . Zink schlang um Ginnistans Busen eine Kette . Der Körper schwamm auf den zitternden Wellen . Bücke dich , liebe Mutter , sagte Fabel , und lege die Hand auf das Herz des Geliebten . Ginnistan bückte sich . Sie sah ihr vielfaches Bild . Die Kette berührte die Flut , ihre Hand sein Herz ; er erwachte und zog die entzückte Braut an seine Brust . Das Metall gerann , und ward ein heller Spiegel . Der Vater erhob sich , seine Augen blitzten , und so schön und bedeutend auch seine Gestalt war , so schien doch sein ganzer Körper eine feine unendlich bewegliche Flüssigkeit zu seyn , die jeden Eindruck in den mannigfaltigsten und reitzendsten Bewegungen verrieth . Das glückliche Paar näherte sich Sophien , die Worte der Weihe über sie aussprach , und sie ermahnte , den Spiegel fleißig zu Rathe zu ziehn , der alles in seiner wahren Gestalt zurückwerfe , jedes Blendwerk vernichte , und ewig das ursprüngliche Bild festhalte . Sie ergriff nun die Urne und schüttete die Asche in die Schaale auf dem Altar . Ein sanftes Brausen verkündigte die Auflösung , und ein leiser Wind wehte in den Gewändern und Locken der Umstehenden . Sophie reichte die Schaale dem Eros und dieser den Andern . Alle kosteten den göttlichen Trank , und vernahmen die freundliche Begrüßung der Mutter in ihrem Innern , mit unsäglicher Freude . Sie war jedem gegenwärtig , und ihre geheimnißvolle Anwesenheit schien alle zu verklären . Die Erwartung war erfüllt und übertroffen . Alle merkten , was ihnen gefehlt habe , und das Zimmer war ein Aufenthalt der Seligen geworden . Sophie sagte : das große Geheimniß ist allen offenbart , und bleibt ewig unergründlich . Aus Schmerzen wird die neue Welt geboren , und in Thränen wird die Asche zum Trank des ewigen Lebens aufgelöst . In jedem wohnt die himmlische Mutter , um jedes Kind ewig zu gebären . Fühlt ihr die süße Geburt im Klopfen eurer Brust ? Sie goß in den Altar den Rest aus der Schaale hinunter . Die Erde bebte in ihren Tiefen . Sophie sagte : Eros , eile mit deiner Schwester zu deiner Geliebten . Bald seht ihr mich wieder . Fabel und Eros gingen mit ihrer Begleitung schnell hinweg . Es war ein mächtiger Frühling über die Erde verbreitet . Alles hob und regte sich . Die Erde schwebte näher unter dem Schleyer . Der Mond und die Wolken zogen mit frölichem Getümmel nach Norden . Die Königsburg strahlte mit herrlichem Glanze über das Meer , und auf ihren Zinnen stand der König in voller Pracht mit seinem Gefolge . Überall erblickten sie Staubwirbel , in denen sich bekannte Gestalten zu bilden schienen . Sie begegneten zahlreichen Schaaren von Jünglingen und Mädchen , die nach der Burg strömten , und sie mit Jauchzen bewillkommten . Auf manchen Hügeln saß ein glückliches eben erwachtes Paar in lang ' entbehrter Umarmung , hielt die neue Welt für einen Traum , und konnte nicht aufhören , sich von der schönen Wahrheit zu überzeugen . Die Blumen und Bäume wuchsen und grünten mit Macht . Alles schien beseelt . Alles sprach und sang . Fabel grüßte überall alte Bekannte . Die Thiere nahten sich mit freundlichen Grüßen den erwachten Menschen . Die Pflanzen bewirtheten sie mit Früchten und Düften , und schmückten sie auf das Zierlichste . Kein Stein lag mehr auf einer Menschenbrust , und alle Lasten waren in sich selbst zu einem festen Fußboden zusammengesunken . Sie kamen an das Meer . Ein Fahrzeug von geschliffenem Stahl lag am Ufer festgebunden . Sie traten hinein und lösten das Tau . Die Spitze richtete sich nach Norden , und das Fahrzeug durchschnitt , wie im Fluge , die buhlenden Wellen . Lispelndes Schilf hielt seinen Ungestüm auf , und es stieß leise an das Ufer . Sie eilten die breiten Treppen hinan . Die Liebe wunderte sich über die königliche Stadt und ihre Reichthümer . Im Hofe sprang der lebendiggewordne Quell , der Hain bewegte sich mit den süßesten Tönen , und ein wunderbares Leben schien in seinen heißen Stämmen und Blättern , in seinen funkelnden Blumen und Früchten zu quellen und zu treiben . Der alte Held empfing sie an den Thoren des Pallastes . Ehrwürdiger Alter , sagte Fabel , Eros bedarf dein Schwerdt . Gold hat ihm eine Kette gegeben , die mit einem Ende in das Meer hinunter reicht , und mit dem andern um seine Brust geschlungen