erscheinen , sind sie sehr ungerecht ; Sie sollten die angenehmen Stunden nicht mit Mißmut endigen ! « - Das Frühstück war kaum verzehrt , als der Wagen mit der Kammerfrau der Gräfin Eleonore kam , die ihr Wäsche und Kleider mitbrachte . Juliane erkundigte sich nach ihren Eltern . Sie hatten die Nacht in erschrecklicher Angst zugebracht , erzählte die Kammerfrau : der Graf wollte sich trotz dem Ungewitter selbst aufmachen , um sie aufzusuchen , durfte aber die Gräfin nicht verlassen , die sich sehr übel befunden , und bei jedem starken Blitz ohnmächtig ward . Im ganzen Schloß blieb alles die Nacht über auf , und sobald das Gewitter nur etwas nachgelassen , mußte die Kammerfrau mit dem Wagen nach dem Dorfe fahren , weil sie vermuteten , daß die jungen Leute nach dieser Seite gewandert wären , der Reitknecht mußte indessen zu Pferde das Gebirg und die Gegend durchsuchen . Er war auch gleich , nachdem er dem Kutscher die Mühle bezeichnet , aufs Schloß zurückgeritten , um es zu melden , daß sie glücklich gefunden wären . Juliane war gerührt über die Angst , die sie ihren Eltern gemacht hatte , und eilte sich umzukleiden , um so schnell als möglich wieder zu ihnen zu kommen . Florentin und Eduard beschlossen , zu Fuß zurückzugehen , sie konnten auf dem weit nähern Fußweg doch noch früher als der Wagen auf dem Schlosse ankommen . Sie nahmen freundlich Abschied von ihren guten Wirten , die es als eine Beleidigung ansahen , als man davon sprach , ihnen ihre gehabte Mühe und Unkosten zu bezahlen . Juliane zog einen kleinen Ring vom Finger und gab ihn der Müllerin zum Andenken , um ihre Erkenntlichkeit zu bezeigen . Der Graf und Eleonore kamen ihrer Tochter eine große Strecke entgegen , die beiden Freunde ergötzten sich die Freude zu sehen , mit der sie empfangen ward , und mit der sie aus dem Wagen in die Arme ihrer Eltern stürzte , als ob sie jahrelang getrennt gewesen wären . Juliane wurde mit Fragen bestürmt und mußte es feierlich ihrem Vater versprechen , niemals wieder seine Einwilligung zu einer ähnlichen Unternehmung zu fordern . So endigte die abenteuerliche Wanderung . Obgleich ihnen keine andere als gewöhnliche Begebenheiten zugestoßen waren , so war sie ihnen doch wichtig geworden . Sie hatten auf diesem kurzen Wege , den sie miteinander gewandert , tiefere Blicke in ihr Inneres zu tun Gelegenheit gefunden , als sie in einem jahrelangen Nebeneinandergehen in der großen Welt vermocht hätten . Juliane hatte die Erfahrung ihrer Abhängigkeit gemacht , und mußte es sich gestehen , daß sie es nicht so unbedingt wagen dürfe , außer ihren Grenzen , und ohne ihre Bande und ihre erkünstelten Bequemlichkeiten fertig zu werden . Dreizehntes Kapitel Die Zeit des Aufschubs war verstrichen , es waren nur noch drei Tage bis zu dem für die Vermählung festgesetzten , und man erwartete jede Stunde die Ankunft der Gräfin Clementina . Unter verschiedenen Anverwandten und Freunden , die sich nun allmählich auf dem gräflichen Schlosse einfanden , kam auch einer ihrer Nachbarn , auf den sich schon alle längst gefreut hatten , weil er ihnen durch seine Eigenheiten viel zu lachen gab . Er war vormals Oberstwachtmeister , hatte aber bei seinem herannahenden Alter den Abschied genommen , und lebte nun auf seinen Gütern , wo er Ökonomie trieb , seine Besitztümer verbessern , und seine Bauern aufklären wollte : zu dem Ende las er alles , was in diesem Fache geschrieben ward , und versuchte alle Menschenfreundlichkeit lehrende Theorien zu realisieren . Da er nun den größten Teil seines Lebens sich mit Ideen ganz anderer Art beschäftigt hatte , so konnte es nicht fehlen , daß er alles falsch anfing , seine oft gute Absicht verfehlte , und sich nur selten nützlich , desto häufiger hingegen lächerlich machte . Da seine Verbesserungen gewöhnlich mehr darauf hinausgingen , ihn zu bereichern , als wie er vorgab das Gute wirklich gemeinnützig zu machen , und er bei allen Vorkehrungen , die er traf , seine Bauern zu bilden , sich doch niemals vorstellte , daß sie klug genug wären , seine eigentliche Absicht einzusehen , und aus eben dem Grunde nicht allein sie nicht beförderten , sondern ihr auch noch auf alle ersinnliche Weise entgegenarbeiteten , so lebte er in ewigen Verdrüßlichkeiten und Zänkereien . Übrigens war er , was man einen recht guten tätigen Mann nennt . Niemals hat wohl jemand , bei so vielem Anspruch auf Gravität und Würde , mehr Anlaß zum Lachen und Bedauern gegeben , als der gute Oberstwachtmeister . Er brachte bisweilen seine Lächerlichkeiten mit einer solchen Naivität vor , daß man geneigt war , zu glauben , er wolle sich selbst parodieren : so geschah es denn oft , daß seine Hörer ohne alle kränkende Absicht laut auflachten , wo er eigentlich die ernsthafteste Aufmerksamkeit hatte erregen wollen . Bei seinem jetzigen Besuche brachte er das Gespräch auf die ökonomischen Einrichtungen des Grafen , und konnte seine Verwunderung nicht genug darüber bezeigen , daß diesem alles so wohl , so leicht und ohne alle Widerwärtigkeiten gelinge , während er mit aller Arbeit es nur bis zum Streit und zur Verwirrung zu bringen wisse . Er hatte auf seinem Wege nach dem Schloß sich mit einem alten Landmann aus dem Schwarzenbergischen Dorfe in eine Unterredung eingelassen , der die eingeführten Neuerungen und Verbesserungen seiner Herrschaft nicht genug loben und segnen konnte . Dieses unverdächtige Lob hatte ihn ganz wild gemacht ; er polterte und sprudelte nun eine Anrede an den Grafen heraus , wo neben recht kräftigen derben militärischen Ausdrücken die Worte Bildung und Verfeinerung äußerst drollig hervorstachen , und endigte mit dem Anliegen : der Graf solle ihm Unterricht in der neuesten Verbesserungsmethode geben . Um ihn etwas zu besänftigen , und ihn von seiner Mutlosigkeit zu heilen , erinnerte ihn der Graf an seine Verschönerungen des Parks , des Gartens und des Wohnhauses . - » Ja ,