so hängt er daran nicht anders , als ob er , wie die Schnecke , damit verwachsen wäre . Er trägt es zwar nicht auf dem Rücken , aber er trägt es dafür auf dem Herzen . Ihm ist nicht anders wohl , als wenn er darin steckt . Das war einmal ein Lob , ganz nach , dem Sinne von Monsieur Schlicht , und er dankte dafür , indem er es ehrlich annahm , mit vieler Freude . Auch Madam Lyk sagte ihm noch beim Abschiede viel Schönes ; sie erinnerte sich alles des Guten , was sie aus dem Munde des Herrn Stark von ihm gehört hatte , und freute sich die Bekanntschaft eines Mannes gemacht zu haben , der einer so hochachtungswürdigen Familie , als die Starkische , so vorzüglich werth sei . - Kein Madera , noch Cyper , noch Syrakuser , noch was sonst die Flasche der Witwe enthalten mogte , hätte das Herz des alten Schlicht mehr erquicken , oder ihm den Kopf mehr benebeln können , als diese lieblichen Worte ; denn wirklich schien er , als er auf die Strasse hinaustrat , ein wenig berauscht . Er sprach in einem fort mit sich selbst , und gesticulirte dabei so lebhaft , dass Mehrere der Vorübergehenden stillstanden , und mit Lachen ihm nachsahn . Der Inhalt seines Selbstgespräches war : dass von allen Frauen der Stadt die Frau Doctorinn ohne Widerrede die beste , aber gleich nach ihr Madame Lyk die liebenswürdigste und vortrefflichste sei . - Indem , er sich dachte , dass irgend jemand so frech seyn könne ihm das zu läugnen , stiess er mit dem Stock so heftig gegen das Pflaster , und schnitt so wilde Gesichter , dass ein paar spielende Kinder vor Schrecken zusammenfuhren , und mit Geschrei in die Häuser liefen . XXXI . Es war der Doctorinn peinlich , dass die Witwe kein Ende finden konnte , die Grossmuth ihres Vaters und ihre eigene Freundschaft zu rühmen ; aber wie viel sie auch bat und ablenkte , immer kam die Rede darauf zurück . - Ich hätte , sagte die Doctorinn endlich , so gern über meinen Bruder mit Ihnen gesprochen ; aber wie ich wohl sehe - - In dem Augenblick schloss sich der Mund der Witwe , und desto offner stand nun ihr Ohr . - Sie glauben wohl nicht , dass hinter der scheinbaren Heiterkeit , womit ich zu Ihnen kam , sich ein sehr bittrer Verdruss versteckte ? Gleichwohl ist es nicht anders . Ich habe über meinen Bruder zu klagen , recht sehr zu klagen . Unmöglich ! Über so einen Bruder ? Jaja ! Über so einen ! - Eben dass er so einer ist - - Liebe Frau Doctorinn ! - Sie war ganz sichtbar gekränkt . Ich kann mir nicht helfen ; ich trage mein Herz auf der Zunge . - Sehen Sie , Freundinn ! Nichts in der Welt thut mir weher , als wenn man mir meine guten Gesinnungen nicht erwiedert , wenn man mich für meine Offenheit mit Verschlossenheit , für mein herzliches Zutrauen mit kaltem Misstrauen belohnt . - Sagen Sie , was Sie wollen ; so etwas ist ärgerlich , ist abscheulich . Will ich es denn vertheidigen ? Aber dass Ihr würdiger Bruder . - - O , ich sehe schon : Sie werden auf ihn nichts kommen lassen ; Sie sind zu sehr seine Freundinn . Wenn ich ' s nicht wäre ! - Sie hatte Thränen im Auge . Indessen sind Sie doch auch Freundinn von mir , und Sie werden gerecht seyn . - Ich will das Ärgste setzen , was doch sicher nicht ist : dass mein Bruder eine Sache auf dem Herzen trüge , die ihm eben nicht Ehre machte ; kennt er denn nicht seine Schwester , seine liebreiche Schwester , die Alles in der Welt eher thun würde , als ihn verrathen ? Kennt er nicht seinen redlichen Schwager , der von jeher so innig Theil an ihm nahm , und der ihn auch jetzt mit Rath und That so gern unterstützen würde ? Muss er auf tausend Fragen , auf tausend Bitten , dass er sich öffnen wolle , noch immer verschlossen bleiben ? Aber darf ich denn hören - ? Da ist sehr wenig zu hören . Leider weiss ich , oder errath ' ich , nur das ganz Allgemeine : Er liebt ! Er - liebt ? - fragte die Witwe , nicht ohne Stocken ; denn in dem Augenblick sah sie ihn vor sich , den biedern , den edlen Freund , wie er beim Abschiede die Hand ihr so glühend küsste , dass auch sie sich im Herzen sagte : Er liebt ! Alle Anzeichen sind wenigstens da : ein unablässiges Seufzen ; ein stieres Hinblicken auf einerlei Fleck ; eine weiche , kränkliche Sprache ; ein feuchtes , schmachtendes Auge . - Aber wen er liebt , wen ? - mit keinem Bitten , keinem Zureden ist das herauszubringen . - Es wird doch wohl in Ewigkeit keine Person seyn , die nicht mehr frei wäre ? die ihr Herz schon verschenkt hätte ? O gewiss nicht ! gewiss nicht ! sagte die Witwe - und gerieth über dieses rasche , ihr entfahrene Wort in eine Verlegenheit - eine Verwirrung - Also Sie wissen ? indem sie ihr näher ruckte . Nichts , liebe Freundinn . Ich weiss davon nichts ; aber - - ich schliesse aus seiner Denkungsart , seinem Charakter , dass - wenn er so etwas merkte - - Nun , dann rath ' ich nicht länger . Denn dass er eine Person lieben sollte , die er zu nennen mit Recht Bedenken trüge ; die seiner unwürdig wäre : - nein , das will und das mag ich nicht rathen . Ich bitte Sie . Keinen solchen Gedanken ! - Sie enthielt sich kaum einer Thräne ; denn so möglich es blieb , dass