, soll und wird es niemals kommen . Ich . Gewiß nicht , so lange ich selbst noch eine Drachme94 im Vermögen habe . Sie ( lachend ) . Damit würdest du das Unglück , das du befürchtest , nicht lange verhüten . Ich denke einen für dich und mich bequemern Ausweg gefunden zu haben ; und damit ich dich über dieses Kapitel auf einmal und für immer ins Klare setze , so höre , wie ich über mein Verhältniß zu deinem Geschlecht denke , und was für eine Maßregel ich , zu meiner Sicherheit vor den Anmaßungen desselben , bei mir selbst festgesetzt habe . Ich sagte dir bereits mit der Offenheit , die du immer bei mir finden sollst , daß ich auf einen zwangfreien Umgang mit welchen Männern es mir beliebt nicht Verzicht thun könnte , ohne ein wesentliches Stück meiner Glückseligkeit aufzuopfern ; ich sagte dir auch die wahre Ursache , warum ein solcher Umgang Bedürfniß für mich ist . Denn daß die gewöhnliche Triebfeder der wechselseitigen Anmuthung beider Geschlechter gegen einander sehr wenig Antheil an diesem Zug meines Charakters habe , darf ich dir um so mehr gestehen , da ich mir nichts darauf zu gut thue , und wofern es der Natur beliebt hätte , mir das , was seine Besitzerinnen Zärtlichkeit und Bedürfniß zu lieben nennen , in einem reichern Maße mitzutheilen , mich dessen keineswegs schämen würde . Es wird dich also wenig befremden , wenn ich dir sage , daß , meiner Meinung nach , eine Frau , die ihre Unabhängigkeit behaupten will , euer Geschlecht überhaupt als eine feindliche Macht betrachten muß , mit welcher sie , ohne ihre eigene Wohlfahrt aufzuopfern , nie einen aufrichtigen Frieden eingehen kann . Dieß ist , däucht mich , eine nothwendige Folge der unläugbaren Thatsache , daß der weibliche Theil der Menschheit sich beinahe auf dem ganzen Erdboden in einem Zustande von Abwürdigung und Unterdrückung befindet , der sich auf nichts in der Welt als Ueberlegenheit der Männer an körperlicher Stärke gründen kann ; da die Vorzüge des Geistes , in deren ausschließlichen Besitz sie sich zu setzen suchen , nicht ein natürliches Vorrecht ihres Geschlechts , sondern eine der Usurpationen ist , deren sie sich kraft ihrer stärkeren Knochen über uns angemaßt haben . Bei allen Völkern ist der Zustand der Weiber desto unglücklicher , je roher die Männer sind : aber auch unter den policirten Nationen , und bei der gebildetsten unter allen , werden wir von den Männern überhaupt genommen entweder als Sklavinnen ihrer Bedürfnisse oder als Werkzeuge ihres Vergnügens behandelt , und die schönste unter uns müßte sehr blödsinnig seyn , wenn sie sich auf den Glanz oder die Zahl ihrer vorgeblichen Anbeter und Sklaven das Geringste einbildete , und sich selbst verbergen könnte , was die Herren bei dem betrüglichen Spiele , das sie mit unsrer Eitelkeit und Schwachherzigkeit treiben , gewinnen wollen . Anakreon meint , die Natur , die jedes ihrer Geschöpfe mit irgend einer Waffe zu seiner Vertheidigung versehe , habe dem Weibe zur Schutzwehr gegen die Stärke des Mannes die Schönheit verliehen ; aber ohne den Verstand , einen klugen und weisen Gebrauch von ihr zu machen , ist die Schönheit selbst eine sehr zweideutige Gabe , und ihrer Besitzerin meistens mehr nachtheilig als nützlich . Ich für meinen Theil danke der guten Mutter Natur , daß sie mich gerade mit so viel Verstand bewaffnet hat , als ich nöthig habe , um den Mann , im Allgemeinen , als den natürlichen Feind meines Geschlechts anzusehen , gegen welchen wir nie zu viel Vorsichtsmaßregeln nehmen können . Der gesellschaftliche Zustand hat zwar einen anscheinenden Frieden zwischen beiden Geschlechtern gestiftet ; aber im Grund ist dieser Friede auf Seiten der Männer bloß eine andere Art den Krieg fortzusetzen ; und da ihnen von der Stärke ihrer Knochen und Muskeln gewaltsamen Gebrauch gegen uns zu machen untersagt ist , so lassen sie sich ' s desto angelegener seyn , die treuherzigen Vögelchen durch Schmeichelei und Liebkosungen in ihre Schlingen zu locken . Und uns sollte nicht eben dasselbe gegen sie erlaubt seyn ? Wir sollten die Betrüger nicht wieder betrügen , und falls wir klug genug sind uns vor ihren Schlingen zu hüten , das Einzige , wodurch wir an ihre schwache Seite kommen können , unsre Reizungen , nicht auf jede uns beliebige und vortheilhafte Art gegen sie gebrauchen dürfen ? Bei der großen Nemesis ! ich mache mir so wenig Bedenken darüber , daß ich mich selbst verachten würde , wenn ich mir jemals ein anderes Verhältniß gegen das Männergeschlecht geben wollte , als das , wozu uns sein Verfahren gegen uns einladet , und , wenn wir anders unsre alberne Gutherzigkeit nicht zu spät bereuen wollen , nöthiget . Da sie uns keine andere Wahl gelassen haben , als entweder ihre Sklaven zu seyn oder sie zu den unsrigen zu machen , was hätt ' ein Weib , das seine Freiheit liebt , hier lange zu bedenken ? - Du siehst die Grundlage meines Plans , lieber Aristipp ; ich habe dir ohne Zurückhaltung gezeigt , wie ich über die Männer denke , weil du für mich kein Mann , oder , wenn du lieber willst , mehr als ein Mann , weil du mein Freund , ein mir verwandtes congenialisches Wesen bist . Was ich noch hinzuzusetzen habe , erräthst du vermuthlich von selbst . Ich opfre meiner Liebe zur Unabhänglichkeit und dem Verlangen nach meiner eigenen Weise glücklich zu seyn , einen Namen auf , und unterziehe mich dadurch den Folgen des nicht ganz ungerechten Vorurtheils , das alle Arten von Personen drückt , die sich dem Vergnügen des Publicums widmen und dafür belohnt werden ; aber meine Meinung ist nicht , diesen Namen anders als auf eine eignen Bedingungen zu tragen . Diesen sich zu unterwerfen , kann ich niemand zwingen ; wer sie sich also gefallen läßt , sollt ' es ihm auch am Ende dünken , daß er