Gunst gerechnet , deren Hildegard genießt , und .... Der Freiherr konnte es bei aller Selbstbeherrschung länger nicht ertragen . Ich denke weder Sie noch Hildegard in meinen Angelegenheiten zu bemühen , sagte er . Ich bedarf des königlichen Darlehens nicht ! Wie das ? fragte der Graf . Ich verkaufe Rothenfeld und Neudorf , ich verpachte Richten , denn ich werde im Dienste bleiben , schon um meiner Familie willen ! So ? sagte der Graf mit einer leisen Kopfbewegung , während Renatus sich nach seinem Czako umsah . Er war erbitterter , als er sich je gefühlt hatte . Sich von einem Wüstlinge , wie der Graf es gewesen war , so lange seine Kraft für die Befriedigung seiner Gelüste ausgereicht hatte , sich von einem Verräther des Vaterlandes , von einem Ehrlosen zu Sitte , Pflicht und Ehre ermahnen zu lassen , empörte den Freiherrn . Er hätte ihm mit Einem Worte seine ganze Verachtung aussprechen , ihm sagen mögen , wie er des Grafen Heuchelei verabscheue ; aber über dieses vollberechtigte Empfinden des Freiherrn trug Eine Erwägung den Sieg davon und nöthigte ihn , nach seiner Meinung , zum Schweigen . Er hatte aus seiner innersten Natur heraus , aus jenem warmen und menschlichen Gefühle , dessen er fähig war , wo seine Standesvorurtheile ihm nicht den Sinn und das Herz verengten , den Grafen an seine Schandthat gegen Seba gemahnt ; indeß er selber erkannte , bei seiner Anschauungsweise , sobald sein Oheim ihn daran erinnerte , daß zwischen Seba und der Tochter eines alten , gräflichen Hauses allerdings eine wesentliche Verschiedenheit obwalte . In der Gesellschaft , welcher die beiden Männer angehörten , wog des Grafen ehrloser Verrath an Seba sicherlich nicht so schwer , als der für Renatus zu einer inneren Nothwendigkeit gewordene Treubruch gegen eine Gräfin Rhoden , und die Männer sowohl als die Frauen seines Standes waren der Mehrzahl nach ohne Frage eher geneigt , den Grafen , als seinen Neffen freizusprechen . Er hatte also das verdrießliche Bewußtsein , einen Schlag gegen seinen Gegner ausgeführt zu haben , den Jener so geschickt von sich abgewendet hatte , daß er sich aus dem Angegriffenen in einen Angreifenden verwandeln können , und Renatus kannte seinen Oheim darauf , daß dieser ihm nicht vergessen , nicht verzeihen werde , was eben jetzt zwischen ihnen vorgegangen war . Er wußte , daß er von jetzt ab den Grafen als seinen Feind betrachten müsse , und er fühlte auch den nie ganz besiegten Widerwillen gegen denselben in sich so groß geworden , daß er , gereizt , wie er es war , jetzt ein für alle Mal seine Stellung gegen den Oheim zu nehmen beschloß . Er stand aufrecht vor dem Grafen , der seine bequeme Lage nicht verließ , und sagte , während er seine Handschuhe anzog , in einer Weise , welche sein Oheim noch nie zuvor von ihm vernommen hatte : Wir haben , wie ich sehe , wenig Aussicht , uns zu verständigen , und ich wußte das im voraus , da ich Ihre Vorliebe für Cäciliens Schwester kannte . Ich kam auch nicht , mich wegen meiner Handlungsweise zu rechtfertigen , sondern weil es mir lieb gewesen wäre , sie Ihnen , dem Bruder meiner Mutter , einsichtlich zu machen , und weil ich Sie um die Rückgabe der Akten ersuchen wollte , die in Ihren Händen zurückgeblieben sind . Da ich von dem Tage Deiner Ankunft nicht unterrichtet war , habe ich sie gestern , wohl versiegelt , Deinem Chef zur Uebergabe an Dich zustellen lassen , denn ich verreise morgen , antwortete der Graf mit gleicher Kälte . Renatus dankte , ohne sich nach dem Reiseziele seines Oheims zu erkundigen , und wollte sich entfernen ; aber der Graf sagte von selbst , daß er eine Badekur beabsichtige . Renatus fragte also pflichtschuldigst , wohin er zu gehen beabsichtige . Man hat mir zu einem Stahlbade gerathen , und ich habe mich für Pyrmont entschieden . Ich bleibe etwa sechs Wochen dort . Wirst Du bei meiner Rückkehr hier sein ? Ohne alle Frage ! Du denkst also nicht , Dich versetzen zu lassen ? Wie käme ich dazu ? fragte der Freiherr , sichtlich von der Frage überrascht . Ich meinte , daß Deine Vermögensverhältnisse und auch die Rücksicht auf die arme Hildegard es Dir vielleicht wünschenswerth erscheinen ließen , nicht in der Residenz , nicht eben hier zu leben . Durchaus nicht ! entgegnete der Neffe sehr bestimmt . Ich denke vielmehr , mich mit meiner ganzen Familie hier niederzulassen , und bin schon heute darauf ausgegangen , eine Wohnung zu suchen , in der ich uns und meine Stiefmutter und meinen Bruder bequem einrichten kann ! So , so ! wiederholte der Graf in dem früheren Tone , und eine Prise nehmend , setzte er hinzu : Auf Wiedersehen also , auf Wiedersehen , mein Lieber ! Renatus gab ihm dieses Lebewohl zurück , und sie trennten sich , ohne sich die Hand zu geben , wie zwei Fremde , wie zwei Feinde . Zwölftes Capitel Welch eine Welt ist das ! rief Renatus innerlich aus , als er sich wieder auf der Straße befand . Aber es gilt , sich durchzuschlagen ! fügte er hinzu - und sich durchzuschlagen , war er glücklicher Weise ja gewohnt . Sein Lebensmuth war entschieden im Wachsen . Er war in sich beruhigt über die Haltung , welche er gegen seinen Onkel behauptet hatte , und wenn er es sich recht überlegte , war es für ihn kein Unglück , vielmehr ein Gewinn , daß es zu einem entschiedenen Bruche zwischen ihm und dem Grafen gekommen war . Der Graf liebte es , sich als einen Beschützer darzustellen ; er hatte in den Zeiten der Franzosenherrschaft sich an ein zweideutiges Vermittleramt gewöhnt , er war müßig , sah viele Leute , beobachtete , wie alle diejenigen , die kein gutes Gewissen und in ihren eigenen Lebensverhältnissen mancherlei zu