entspringt ... Letzteres schien bei Terschka der Fall . Diese seltsame Naturerscheinung , silbergraue Locken auf einem halben Mädchenantlitz , körperliche Reize verbunden mit einem durchaus geistigen Leben - Terschka hatte sich in den Strudeln der Welt genug umgetrieben , um diese Verbindung neu und anziehend zu finden . Wie Terschka auch jugendlich aussah , im Grunde war er ermüdet . Vielleicht hätte er eine edlere Ruhe finden mögen . Vielleicht hätte er gern die Waffen der List und der Kühnheit , die er zwanzig Jahre lang geführt , niedergelegt zu den Füßen einer Liebe , die ihn dann immerhin hatte tyrannisiren mögen . Vielleicht hatte er das Bedürfniß , gut zu sein oder sehnte sich nach Erhebung . Frauen , die in sich gefestet sind , vermögen viel . Schon Gräfin Erdmuthe , die Terschka und ihr Sohn , Graf Hugo , vielfach betrogen hatten , hatte ihn gemildert , gezähmt und als dann eine Monika in diesen Lebenskreis eintrat , empfand Terschka für sie wie für ein Wesen , das ihn , so sagte er auch schon in Wien , von sich selbst befreien könnte und neugeboren werden lassen ... Seit einigen Tagen kam in Terschka ' s Wesen etwas , was Benno ' s Wort vom bösen Gewissen zu bestätigen schien ... Vollends seit der Rückkehr vom Leichenbegängniß , seit dem gestrigen Abend im Finkenhof war Terschka wie zerstört ... Er unterzog sich seinen täglichen Geschäften , er rechnete unten im Rentamt mit den Beamten , sorgte für die Vorbereitungen der großen Jagd , war heute wieder früh in Witoborn , Nachmittags in Heiligenkreuz gewesen , besorgte seine Briefe , würzte das Gespräch mit Anekdoten , sprach über die Schweiz , Frankreich , Italien - in Rom war er mehr zu Hause , als er zu gestehen liebte - aber seine Sätze waren abgerissen , seine Uebergänge unvermittelt , seine Antworten zerstreut ... Gleich gestern Abend , wo er vom Finkenhof heimgekehrt war , hatte er sein Zimmer zugeschlossen , die Lampen , die er angezündet fand , ausgelöscht bis auf eine , hatte die Vorhänge niedergelassen , als könnten die Pappeln von draußen verrätherisch hereinlugen , hatte seine Kleider abgezogen , sich - vor den Spiegel gestellt , das Hemd zurückgeschlagen , den Aermel aufgestreift und - auf den linken Arm in dem Moment sein Auge gerichtet , wo es klopfte ... Erbebend stellte er die Lampe nieder , ließ den Aermel herabgleiten und rief : Wer da ? ... Ein Diener brachte ihm den Brief , den Armgart hatte unterschlagen wollen ... Nur allein dieser Brief konnte ihn zerstreuen und beruhigen ... Er erbrach ihn , las ihn , las ihn wieder ... Es waren nur einfache Berichte über die Summen , die die Gräfin im Hotel zu bezahlen hatte ... Mittheilungen über ihren Aufenthalt , den Monika nicht mehr verlängern wollte , obgleich sie ihn in einem bescheidneren Zimmer des Hotels genommen hatte ... Nachrichten über die Ankunft der Gräfin in London und die erste Bekanntschaft mit Lady Elliot ... Kleine Neckereien auch über Lucinde , die Monika näher kennen gelernt hatte und die sie ihm um so mehr empfahl , als ihre Schönheit und ihr Geist an jenem Abend ihn ja , wie sie schrieb , sofort gefesselt und an eine glückliche Vergangenheit erinnert hätte - an jenen Pferdeankauf im Holsteinischen für Hugo ' s Regiment - Aber nicht ganz fand Terschka seine Heiterkeit wieder ... Gestern und auch heute nicht ... Der Bruder Hubertus konnte nickt erwähnt werden , ohne daß er erröthete ... Soviel er auch heute in der Gegend umherstreifte , er konnte ihm nicht begegnen ... er wünschte das und fürchtete es wieder ... Zum Kloster Himmelpfort zog es ihn und wieder jagte es ihn gespenstisch aus dessen Nähe ... Zu den Besorgnissen , die ihn erschreckten , kam die Entdeckung , die im Benehmen Armgart ' s lag ... Warum hielt sie ihn heute so fest nach Paula ' s Vision ? ... Was wollte sie überhaupt schon seit lange mit ihm ? ... Errieth sie seine Liebe für ihre Mutter ? ... Mistraute sie dem Briefwechsel , von dem sie sich unausgesetzt erzählen ließ ? ... Heute war das auf der Wanderung von Heiligenkreuz mit ihm ein Ton gewesen , der ihn völlig befremden mußte ... Daß Thiebold und Benno um Armgart warben , sah er , und ein keineswegs zu scharfes Auge gehörte dazu , sich zu sagen , daß letzterer der Bevorzugte war ... Und dennoch , dennoch begann Armgart seit einiger Zeit ihm eine Theilnahme zu schenken , die ihn zu verwirren anfing ... Was hat nur das seltsame Mädchen ? sagte er sich ... Auf der Wanderung heute kam sie von der Mutter ab und sprach wie im Traum , bis Terschka ihr geschworen hatte , er wisse nichts von der Nähe ihrer Mutter ... Selbst heute Abend ihr : » Gute Nacht , Herr von Terschka ! « - wie klang das so süß und herbe zugleich , so innig und doch so beklommen , so absichtlich und doch so zurückgehalten ! ... Heute wieder schloß sich Terschka ein , was er sonst nie that ... Wieder konnte er erschrecken vor jedem unerwarteten Geräusch ... Dem Diener , der ihm die Zurückkunft des Rosses von Heiligenkreuz meldete , sagte er bei Gelegenheit des Namens Schneid : Ist das Der , der gestern auf dem Finkenhof unter dem Schutz des buckeligen Stammer erschien und falsch gespielt haben soll ? ... Er hörte aber nicht weiter auf die Mittheilung , daß Baron Levinus dem Vagabunden nur noch eine dreitägige Frist als Probe seiner Haltung gestattet hätte ... Bonaventura hatte auf Bitten des alten Tübbicke selbst ein Fürwort für den ihm unbekannt gebliebenen , ja ihn vermeidenden Fremdling eingelegt ... An Monika hatte Terschka jetzt schreiben wollen . Er wollte ihr Vorwürfe machen , daß sie beabsichtigte , wie er von andern hören müsse , in die Gegend zu kommen , ohne ihn in Kenntniß