guten Einfluß auf jenen Edlen von dem Sessel , auf den sie nach dem Gebete gesunken war , auf , zog ihren Shawl über , trocknete ihre Thränen und suchte ihr feuchtes Taschentuch zu verbergen ... Sie wollte gehen , ohne ein weiteres Wort zu sagen . Murray rief sie aber in der Thür noch zurück . Auguste , sagte er , ich habe Vertrauen ! Glück bessert Thorheit , Glück bestärkt die guten Vorsätze ! Man muß nicht Alles vom Unglück erwarten . Das Unglück verhärtet , verbittert uns . Du bedarfst nun Glück ! Du mußt nun nicht darben ! Du hast Schulden ! Da ! Nimm ! Damit hatte er die Schublade aufgezogen und reichte Augusten nach kurzem Suchen ein Papier hin ... Es war eine Banknote von funfzig Thalern ... Auguste gab ihm aber das Papier zurück , schüttelte schweigend den nothdürftig geordneten Kopf und wollte fort . Ihre Augen waren nicht zu dämmen . Es flossen die einmal geöffneten Schleusen des Herzens über . Sie bedurfte der Luft ... sie mußte für sich weinen können . Nur weinen ... Nur fort ! Murray drängte ihr nun fast das Papier auf . Sie nahm es aber nicht , sondern ging . An der Treppe blieb sie stehen und wandte sich nur noch , um die tonlosen , erstickten und heiseren Worte zu sprechen : Unten der Mullrich ... der Wirthin ... schuld ' ich vier Thaler . Sie läßt mich vielleicht nicht durch ... wenn ich durch die Hausthür will ... Murray gab ihr diese vier Thaler ... Auguste nahm sie , wickelte sie in ihr Tuch und ging ohne aufzublicken , ohne ein weiteres Wort des Abschiedes , ohne eine Phrase , ohne einen Seufzer , still und tiefbewegt von dannen . Sie hatte keine Stimme , kein äußeres Leben mehr . Sie ging wie geisterhaft , wie ihrer selbst nicht bewußt ... Murray kannte diesen Zustand und nannte ihn für sich ... den des gebrochenen Rohres . Der Auftritt hatte auch ihn erschöpft . Auch er bedurfte frischer Luft zur Stärkung . Es war zu eng um ihn , zu dumpf . Er wollte aus ; es dürstete ihn . Er sah nach dem Kruge ... er trank ... das Wasser war matt ... Er gedachte des Anerbietens seiner freundlichen Wirthin . Er ging an die Verbindungsthür der Küche und klopfte ... Louise Eisold wurde hörbar . Dürft ' ich Sie bitten ... sagte er . Sogleich ! war die Antwort und Louise kam über die Galerie an seine offne Thür . Was wünschen Sie , Herr Murray ? fragte sie . Dürft ' ich Sie bitten ... Haben Sie in Ihrer Küche frisches Wasser ? Gewiß ! sagte sie und sah nach dem Kruge . Aber das Wasser war auch da matt geworden . Ein Gewitter liegt in der Luft , bemerkte sie . Ich hol ' Ihnen frisches ... Nein , nein , Mademoiselle ! Warum nicht ! sagte sie . Damit ergriff Louise Eisold den Krug und ging , so gefällig sie angezogen war , selbst hinunter , um im ersten Hofe Wasser zu holen . Murray lehnte sich und sah über die Galerie und beobachtete das Wetter . Er kehrte in sein Zimmer zurück . Er nahm einen alten Regenschirm , setzte den Hut auf , schloß die Thür und zog auf der Galerie alte hellgrüne , waschlederne große Handschuhe an . In Gedanken versunken ging ihm dies Alles langsam . Er hatte den linken Handschuh an und wollte eben den rechten anziehen , als Louise mit dem Kruge schon wieder da war . Sie nahm ein Glas aus ihrer Küche , schwenkte es und schenkte es aus dem Kruge voll . Wie Murray so dies freundliche Walten eines gewissensreinen , unbescholtenen Mädchens sah , wie sie ihm das Glas hinhielt , das reine und klare krystallhelle Wasser im reinen klaren krystallhellen Glase von reiner unbescholtener Hand , dargereicht mit klarem Auge und sittlichem Ernst , da sagte er , als er getrunken und sich gestärkt hatte : Glücklich , wer ein Gewissen hat , das sich nur manchmal so trübt wie ein eben am Brunnen gefülltes Glas , das von den tausend Tropfen krystallreinen Wassers beschlagen wird ! Damit gab er Louisen , deren traurige Trübe bei aller Reinheit diesem Bilde entsprach , das Glas . Sie stellte den Krug zur Erde und wollte ihm das Geleite bis an die Treppe geben ... Wie er nun hinunterstieg und fort war und sie in ihr Zimmer zurückkehrte , hörte Louise im Glase , das sie wegstellen wollte , einen sonderbaren Klang . Der prächtige Ring von Gold und Edelsteinen , den Murray am Finger gehabt hatte , lag auf dem Boden des Glases . Seltsam ! dachte sie in längeren Pausen . Hat er ihn vergessen ? Oder soll Das ein Geschenk sein ? Wer ist dieser Mann ? So arm ! So reich ! So niedrig ! So groß ! So schwach ! So stark ! So kindlich ! So weise ! So offen , so räthselhaft ! Wie gelähmt vor Schreck stand sie und betrachtete das funkelnde Geschmeide ... wünschte aber die Nacht herbei , um es dem wunderbaren Nachbar zurückzugeben . Funfzehntes Capitel Eine Hexenküche Der Vorfall zwischen den königlichen Herrschaften und dem Fürsten Egon von Hohenberg auf Schloß Solitüde hatte allgemeines Aufsehen erregt . Alle Welt sprach von der rührenden Scene , dem Choral und den Thränen der Königin ... Drommeldey hatte eine Anekdote gewonnen , die mit seinem Wagen die Runde bei all den vornehmen Herrschaften machte , die in chronischen Fällen homöopathische , in acuten allopathische Behandlung verlangten ... Die Trompetta war dem Vorfalle so nahe gewesen , daß sich diese Nähe bald im Munde der Wiedererzähler in wirkliche Anwesenheit verwandelte . Hatte sie doch Ursache , vom Hofe eine Entscheidung über ihr Gethsemane zu erwarten ! Warum sollte sie nicht dabei gewesen sein , als jene zarte Überraschung eines Sohnes mit den Andenken