Briefe Mirabeaus zugrunde gelegt worden . Es steht aber wohl nachgerade fest , daß alle diese Briefe unendlich wenig Wert als historische Dokumente haben und daß sie durch Übelwollen , Parteiverblendung oder bare Unkenntnis diktiert wurden . In letzterem Falle gaben sie lediglich das Tagesgeschwätz , das kritiklose Geplauder einer skandalsüchtigen und medisanten Gesellschaft wieder . So heißt es in den » Vertrauten Briefen « des Herrn von Cöllen : » Bischofswerder war ein ganz gewöhnlicher Kopf . Sein Gemüt war den äußeren Eindrücken zu sehr offen , woraus eine große Schwäche des Willens entstand . Ganz gemein aber war er nicht . « Diese letzte halbe Zeile , in ihrem Anlauf zu einer Ehrenrettung , ist besonders bösartig , weil sie sich das Ansehen einer gewissen Unparteilichkeit gibt . Weit hinaus aber über das Übelwollen der » Vertrauten Briefe « , die an einzelnen Stellen immerhin das Richtige treffen mögen , gehen die » Anmerkungen « zu den » Geheimen Briefen « , in denen wir folgendem Passus begegnen : » La fortune a quelquefois employé des hommes sans grande capacité dans l ' administration des Etats ; mais rarement elle a choisi un si triste sujet que ce Bischofswerder : naissance ordinaire , figure triste , physionomie perfide , élocution embarrassée ; ne connoissant ni le pays qu ' il a quitté , ni celui qui l ' a recueilli , ni ceux qui intéressent la Prusse . N ' étant ni militaire , ni financier , ni politique , ni économiste . Un de ces hommes enfin que la nature a condamné à l ' obscurité et à végéter dans la foule . Voilà l ' homme qui règne en Prusse . « Wir verweilen bei diesen Auslassungen nicht , eben weil sie zu sehr den Stempel des Pasquills tragen , und wenden uns lieber der Darstellung zu , die ein anerkannter Historiker von dem Charakter Bischofswerders gegeben hat , um dann an dieses maßvolle Urteil anzuknüpfen . J. C. F. Manso in seiner » Geschichte des Preußischen Staates vom Frieden zu Hubertsburg bis zur zweiten Pariser Abkunft « sagt über Bischofswerder : » In den Fesseln der Rosenkreuzerei verlor er früh die unbefangene Ansicht des Lebens .... Selten übte ein Mensch die Kunst , andere zu erforschen und sich zu verbergen , glücklicher und geschickter als er . Ihm war es nicht gleichgültig , wem er sein Haus am Tage und wem er es in der Dunkelheit öffne . Sein ganzes Wesen trug das Gepräge der Umsichtigkeit , und wenn er reden mußte , wo er lieber geschwiegen hätte , bewahrte er sich sorgfältig genug , um nichts von seinem Innern zu enthüllen . Rat gab er nie ungefragt , und den er gab , hielt er für sicherer oder verdienstlicher , dem Fragenden unterzuschieben ; auch des Ruhms , der ihm aus dem gegebenen zuwachsen konnte , entäußerte er sich mit seltener Willfährigkeit .... Friedrich Wilhelm ward nie durch ihn in der Überzeugung gestört , er wäge , wähle und beschließe allein .... Das Vorurteil uneigennütziger Anhänglichkeit , das er für sich hatte , reichte hin , Verdächtige zu entfernen und Geprüftere zu empfehlen . So gelang ihm , wonach er strebte . Er ward reich durch die Huld des Monarchen , ohne Vorwurf , und der erste im Staate , ohne Verantwortlichkeit .... Anmaßungen , nicht Vergünstigungen gefährden . « Dies Urteil Mansos , wenn wir von dem Irrtum absehen , daß er von Bischofswerder als » reich « bezeichnet , wird im wesentlichen zutreffen . Aber was enthält es , um den Mann oder seinen Namen mit einem Makel zu behaften ? Was andres tritt einem entgegen als ein lebenskluger , mit Gaben zweiten Ranges ausgerüsteter Mann , der scharf beobachtete , wenig sprach , keinerlei Ansprüche erhob , auf die glänzende Außenseite des Ruhmes verzichtete und sich begnügte , in aller Stille einflußreich zu sein . Wir bekennen offen , daß uns derartig angelegte Naturen nicht gerade sonderlich sympathisch berühren , und daß uns solche , die , zumal in hohen Stellungen , mehr aus dem Vollen zu arbeiten verstehen , mächtiger und wohltuender zu erfassen wissen ; aber , wohltuend oder nicht , was liegt hier vor , das , an und für sich schon , einen besonderen Tadel herausforderte ? Zu einem solchen würde erst Grund vorhanden sein , wenn Bischofswerder seinen Einfluß , den er unbestritten hatte , zu bösen Dingen geltend gemacht hätte . Aber wo sind diese bösen Dinge ? Wenn die ganze damalige auswärtige Politik Preußens – was übrigens doch noch fraglich bleibt – auf ihn zurückgeführt werden muß , wenn also der Zug gegen Holland , der Zug in die Champagne , der Zug gegen Polen und schließlich wiederum der Baseler Frieden sein Werk sind , so nehmen wir nicht Anstand zu erklären , daß er in allem das Richtige getroffen hat . Die drei Kriegszüge erwuchsen aus einem und demselben Prinzip , das man nicht umhin können wird , in einem königlichen Staate , in einer absoluten Monarchie , als das Richtige anzusehen . Ob die Kriegsleistungen selbst , besonders der Feldzug in der Champagne , auf besonderer Höhe standen , das ist eine zweite Frage , die , wie die Antwort auch ausfallen möge , keinesfalls eine Schuld involviert , für die Bischofswerder verantwortlich gemacht werden kann . Er hatte gewiß den Ehrgeiz , einflußreich und Günstling seines königlichen Herrn zu sein , aber er eroberte sich diese Stellung weder durch schnöde Mittel , noch tat er Schnödes , solang er im Besitz dieser Stellung war . Er diente dem Könige und dem Lande nach seiner besten Überzeugung , die , wie wir ausgeführt , nicht bloß eine individuell berechtigte , sondern eine absolut zulässige war . Er war klug , umsichtig , tätig und steht frei da von dem Vorwurf , sich bereichert oder andere verdrängt und geschädigt zu haben . Was ihn dem Könige wert machte ( darin stimmen wir einer