paßten nicht zu einander ! Mich dünkt also , wie der Augenblick einer solchen Einsicht auch schmerzlich sein mag , man hat sich immer glücklich zu preisen , wenn man sie gewinnt , ehe es zu spät ist , den Folgen seines Irrthums vorzubeugen ! Wir paßten wirklich in keiner Weise für einander , selbst die Gräfin Rhoden gibt uns dies jetzt zu ! Er hatte sich einen Sessel genommen , ohne daß der Graf , der solche Form der Höflichkeit sonst nie vergaß , ihn dazu aufgefordert hatte . Nun , als Renatus seine Behauptung wiederholte , sagte sein Oheim : Eure Unzusammengehörigkeit streite ich Dir nicht ab , mein Lieber , wennschon ich Dir damit kein Compliment zu machen glaube ! Onkel ! fuhr Renatus auf . Aber der Graf , der bis dahin mit voller , kräftiger Stimme gesprochen hatte , senkte diese plötzlich , und seine kalte Hand auf die des jungen Freiherrn legend , sagte er : Gemach , mein Lieber , und mäßige Dich ! Du siehst , ich bin noch etwas angegriffen , Deine Brust ist stärker , als die meine . Renatus schwieg , weil seine gute Erziehung ihn dem älteren Manne gegenüber Rücksicht nehmen hieß ; aber er preßte die Hand unwillkürlich fest um den Griff des Säbels zusammen , den er zwischen seinen Knieen hielt , und er nahm sich vor , sein Herz vor dem kranken Bruder seiner Mutter im Nothfalle eben so fest zusammenzufassen . Du sagst , hob der Graf nach kurzem Schweigen an , Ihr hättet nicht für einander gepaßt , und ich streite Dir dies , ich wiederhole es , nicht ab . Aber , mein Lieber , wer zwang Dich , oder vielmehr , was berechtigte Dich , vor sieben Jahren , als Du noch sehr unfertig und völlig unselbständig warst , das Schicksal eines schon damals sehr reifen und im edelsten Sinne in seiner Bildung abgeschlossenen Mädchens an Dich zu binden ? Erinnere Dich , daß ich Dich damals , weil ich Deinen leicht beweglichen Arten ' schen Sinn sehr wohl erkannte , vor dem Umgange mit den Rhodens warnte ! Renatus war keiner Antwort fähig . Zum zweiten Male gelang es seinem Oheim , ihn durch die Dreistigkeit seiner Heuchelei und Unwahrheit förmlich zu erschrecken . Er mußte erst Herr über sein Erstaunen werden , ehe er die Bemerkung machen konnte , daß er sich jener Warnung seines Onkels sehr wohl und sehr oft erinnert , ja , daß er sie als eine durchaus berechtigte anerkannt habe , denn er sei damals in der That , wie der Graf es für ihn besorgt habe , ohne selbst recht zu wissen , wie , in die Verlobung mit dem älteren und fertigeren Mädchen hineingezogen worden . Ohne zu wissen , wie ? sprach der Graf ihm immer in demselben Tone spöttelnden Tadels nach . Mich dünkt , mein Lieber , dies zu behaupten , hättest Du kein Recht ! Ein Mädchen von dem Seelenadel Hildegard ' s konnte es nicht glauben , daß es nur auf ein leeres , empfindsames Spiel von Dir gemünzt war ! - Er machte eine jener berechneten Pausen , welche Arglistige so wohl zu benutzen verstehen , und fuhr dann fort : Hildegard hat mir geschrieben . Ich wußte alles , was vorgegangen war , noch ehe ich die seltsame Kunde erhielt , daß Du Hildegard ' s Entfernung kaum abgewartet hattest , um Dich mit ihrer leiblichen Schwester zu verloben . Hildegard wird das nie verschmerzen , und wirklich , mein Lieber , es ist keine Heldenthat , mit dem Lebensglücke eines reinen , edlen Mädchens sein Spiel zu treiben ! Er hatte sich in eine tugendhafte Entrüstung hineingesprochen , in welcher er sich offenbar sehr wohl gefiel , denn er zupfte sich den Hemdkragen und das Jabot zurecht , fuhr sich mit der Hand aus alter Gewohnheit nach dem Haupte und durch das Haar , obschon dieses zu einer solchen , seine Fülle ordnenden Bewegung gar keine Veranlassung mehr bot , und lehnte sich behaglich in den Sessel zurück . Seine letzte , wiederholte Behauptung war dem jungen Freiherrn aber doch zu viel geworden , und sich erhebend , sagte er , die schöne Oberlippe unter dem blonden Schnurrbarte in die Höhe werfend : Diese Bemerkung aus Ihrem Munde überrascht mich sehr ! Was soll das heißen ? fragte der Graf kurz und bestimmt . Es soll Sie nur an Seba Flies erinnern , entgegnete der Freiherr in derselben Weise , für deren einstige Seelenreinheit , für deren Seelenadel mir die Freundschaft , welche meine Mutter für sie hegte , ohne alle Frage eine Bürgschaft sein darf ! Der Graf lachte hell auf . Wie man , einmal von dem rechten Wege entfernt , sich gleich ganz und gar verliert ! rief er aus . Das ist in der That naiv ! ein Cavalier und ein Judenmädchen ! Wer fragt danach ? - Aber das Verhalten eines Edelmannes gegenüber einer Dame seines Standes , das ist etwas Anderes ! Das Judenmädchen konnte , ohne die Ueberspanntheit , mit der es sich mir völlig in die Arme warf , es gar nicht für möglich halten , daß es die Meine werden könne ; und hätte Seba es gewollt , sie hätte auch nach dem Abenteuer mit mir , von dem damals Niemand etwas wußte , unter ihres Gleichen noch Männer genug zur Auswahl haben können , denn sie war schön und reich ! Aber eine Hildegard , eine Gräfin Rhoden war berechtigt , auf das Wort eines Edelmannes zu vertrauen ! Alle Welt wußte von Eurer heimlichen Verlobung , sieben Jahre ihres Lebens sind Dir geweiht gewesen - es ist unerhört ! Verlaß Dich aber darauf , man wird dies übel , sehr übel vermerken ! Der König ist gegen solche Handlungsweise äußerst streng ! Von dem Darlehen auf Deine Güter ist unter diesen Umständen natürlich keine Rede mehr ! Es war dabei sehr wesentlich auf die