vielleicht - - in diesen Tagen nicht das Beste von mir vernehmen solltest , ich war schwach - schwach - um der Liebe willen - - Und so fortan wie bislang Dein treuer Onkel . So erheiternd auch anfangs die Stimmung dieses Briefes auf Bonaventura wirken durfte , der Schluß regte zu Besorgnissen und befremdlichem Nachdenken auf ... Dennoch verweilte er nicht zu lange bei den trüben Schatten , die mit diesen Gedankenreihen in sein Inneres fielen . Zu sehr hatte er das Bedürfniß des Glücks und jede Vorstellung nahm bald wieder die holdeste , freundlichste Gestalt an ... So endete der glücklichste Tag seines Lebens . 9. In ähnlichen , doch zugleich vom tieflastenden Druck der Furcht beschwerten Stimmungen hielt sich auf seinem Zimmer ein Mann , in dessen Inneres wir zum ersten male einblicken wollen . Nicht lange hatte Armgart in der schwebenden Pein der Ungewißheit über den Onkel und die Tante zu verharren brauchen ... Einige Augenblicke später , nachdem Bonaventura gegangen , kamen sie von der Gegend auf Witoborn zurück ... Armgart ' s stürmischen Fragen nach dem Ort , wo sie gewesen wären , nach den Nachrichten , die sie mitbrächten , wurden schroffe Antworten zu Theil . Als sie von einer Verabredung sprach , die hinter ihrem Rücken getroffen worden , um sie dem Vater zu überliefern , schwieg man ... Aber auch sie verstummte plötzlich ; denn Wenzel von Terschka sprach , um einen möglichen Zwist im Keime zu unterbrechen , von ihrer Mutter ... Er nannte Monika von Hülleshoven die Seltenste ihres Geschlechts , einen Edelstein in dem Bunde aller der vortrefflichen Menschen , in deren Nähe er hier zu leben so glücklich wäre , eine Denkerin ohne die Runzeln der Stirn , die dem Gedankenleben zu folgen pflegten und die Leichensteine der Schönheit würden , eine Gelehrte , ohne daß man an ihren Fingern die Dinte sähe , eine Priesterin an den Altären einer noch unausgesprochenen Religion , die alle Menschen verbinden und glücklich machen würde ... Auf dies überraschend enthusiastische Wort ermunterte Paula , die selbst noch wie berauscht war von ihrem geschlossenen Bunde mit Bonaventura , den Sprecher fortzufahren ... Armgart unterbrach ihn aber und sagte aufwallend : Meine Mutter wird in ihrem wiener Kloster keine andere Religion gefunden haben , als die des dreieinigen Gottes ! Auf diese entscheidende Aeußerung trat eine Stille ein und kein behagliches Gespräch ließ sich heute mehr anknüpfen ... Nach dem Thee trennten sich alle ... Als Wenzel von Terschka auf seinem Zimmer war , machte es ihm der Diener so zurecht , wie der » Rittmeister « seither gewohnt war immer den Abend noch zuzubringen ... Vor Mitternacht ging er nie zur Ruhe ... Zwei Zimmer mußten erleuchtet sein ... Auf drei , vier Tischen mußten Lampen stehen ; denn auf jedem lag ein Actenstoß von diesem oder jenem Inhalt - zu verzweigt war die Geschäftsthätigkeit , der er sich zu widmen hatte ... Geschäftlich war ihm seither alles vortrefflich gegangen ... Er konnte seinem Gönner und Freunde Grafen Hugo , er konnte der Mutter desselben , jetzt auch schon an Monika Berichte voll erfreulicher Ergebnisse schicken . Die letzten Chicanen , mit denen Nück noch drohte , waren durch seinen Bevollmächtigten , Benno , gemildert worden . Benno verfuhr mit Entschiedenheit , vermehrte jedoch die Schwierigkeiten nicht . Die Parcellirung war von der Regierung genehmigt . Löb Seligmann hatte die einzelnen Bestandtheile taxirt und schon Angebote vermittelt . Seligmann war hin und her ; für seine Geschäftsthätigkeit hatte er eine neue Provinz erobert ; kehrte er nach Kocher zurück , so blies er sich schon jetzt das Horn einer Extrapost für die letzte Station , auf der er diese kleine Prahlerei sich gestatten wollte ... Endlich wurde eine bedeutende Geldsumme sogleich flüssig durch die an Thiebold de Jonge verkauften Waldungen ... Nach Ostern konnte der neue Besitzstand vollständig angetreten werden . Anfangs war in diesem Kreise Terschka der , der er überall gewesen . Ein Mann von vierzig Jahren und doch noch jugendlich ; eine Natur , unheimlich manchem , weil er niemanden Stand hielt , doch erweckte er auch niemanden Furcht oder Besorgniß . Man konnte ihn nur nicht festhalten . Etwas Unstetes lag in seinem ganzen Wesen . Gefällig war er gegen jedermann . Seiner schmächtigen , zierlichen , gewandten Gestalt stand es , da einen Strickknäuel aufzunehmen , dort einer Cigarre Feuer zu geben und dabei doch schon wieder einen Befehl zu ertheilen , den er halb schon selbst ausführte . Thiebold fand ihn sogleich superlativ . Terschka schoß einen Vogel im Fluge , selbst im währenden Reiten . Seine Kunst , die Pferde zu zügeln , war der Gegenstand allgemeiner Bewunderung . Dennoch sagte Benno gleich , nachdem er ihn einige Tage lang beobachtet hatte : Dieser Mann ist nicht schlecht und doch hat er kein gutes Gewissen ! ... Von der verfehlten Begrüßung der Gräfin Erdmuthe war Terschka ganz in der Aufregung zurückgekehrt , die der letzten geheimen Zwiesprache zwischen Monika und der Gräfin entsprach , die den Uebertritt derselben zum Lutherthum und eine Vermählung mit Terschka wünschte . An dem Abend bei Piter Kattendyk hatte er ganz wieder in das Innere dieser jungen Frau blicken können , die sich , wie Luther sich aus Rom die Reformation , so aus einem Kloster die Freiheit des Denkens geholt hatte . Er begleitete sie , noch vor dem Auflauf in den Straßen , noch vor dem militärischen Conflict mit den Vereinen , in ihr Hotel , mußte aber Abschied nehmen , da seine Rückreise eines Gerichtstermins wegen unerläßlich war ... Nun schrieb er ihr ... Sie antwortete ... Es waren Briefe der Convenienz , wirkliche oder gesuchte Geschäftsanfragen ... Monika antwortete kurz und wich Dem aus , was ihre Empfindungsweise hätte misdeuten können ... ... Terschka hatte keine Berechtigung , auf das Herz dieser Frau zu rechnen ... Eine Frau empfindet bald , ob eine Werbung aus dem tiefsten Bedürfniß des Herzens oder nur aus der Phantasie