meinem eigenen , eigensten inneren Geiste ! In mich selbst will ich blicken , in mein innerstes Herz . Der Gott , der mich geschaffen hat , wird mir zur Seite stehen und mir deuten , was ich jetzt sehe , jetzt fühle . Ich fühle mich elend und ich sagt ' es mir nicht ! Ich fühle mich in tiefster jammervollster Trostlosigkeit und ich lachte Derer , die mir Erquickung boten . Wer bin ich , Allmächtiger ! Ein Haufen Erde , in dem die Würmer wühlen werden , wenn meine Stunde gekommen ist . Ich bin Staub , Asche ... Ein Todtenkopf sieht mich einst an , wenn ich in den Spiegel blicke , und die Lippen , die einst so frevelten , spöttelten , sagen mir jetzt schon : Das ist einst dein Bild ! Ach , gibt es eine Schönheit , die unvergänglicher wäre als die eines reinen Herzens ? Das fühl ' ich doch , wie ein Kind so lieblich und gehorsam in seiner spielenden Welt lebt , die Freude der Menschen ist , auch Derer , denen es nicht gehört und die es nur sehen , nur wie fremd beobachten ! Wie schmückt Jeden unter uns die Zier einer friedfertigen kindlichen Gesinnung ! Wie schön steht uns zu dulden und nicht zu murren wider das Geschick ! Der Himmel hat mir nie lächeln wollen . Ich weine d ' rob ! Ich armes Kind , das ich unter Unglücklichen und Bösen aufwuchs , die Ältern nicht kannte und mit ihnen nichts vom Jugendglück . Aber prüfe dich recht , mein Herz ! Nahmst du nicht jedes deiner Misgeschicke für eine Entschuldigung deiner Fehler ? Sagtest du dir nicht : Wie kann ich auf die Zufriedenheit mit mir selbst bedacht sein , hab ' ich doch keine Freude , als die flüchtige der Selbstvergessenheit ? Ach , es wird die Stunde kommen , Auguste , wo du an deinem Ohre die Worte hören wirst : Wie war sie schön und wie verblühte sie nun ! Du wirst hören , daß man Andre preist und Die , die du am meisten verachtetest , weil du ihre Seele kanntest , die werden sich vor dir brüsten und sich rühmen , daß an ihren Blättern der welkende Herbst erst um einige Tage später erscheint ! Ach , dann werd ' ich nach ewiger Schönheit suchen und sie nirgend finden , als in Bescheidenheit und treuer Liebe . Treue Liebe ! Du süßestes Kleinod des edlen Frauenherzens ! Treue Liebe ! Du Schmuck der Armen , Du , der einzige Stolz der Geliebten , wie das Kind , selbst ein schwaches und unschönes , doch der beste Schmuck seiner Mutter ist ! Treue Liebe ! Wer bringt mir deinen Hauch , daß ich ihn in meine Seele ziehe , wie einen Duft der Opfer , die dem Herrn angenehm sind , daß ich ihn wieder ausströme in ein Herz , das noch Hoffnung zu mir fassen kann ! Ach , daß der Gute , Edle , Vergebende sein sanftes Auge auf mir ruhen ließe ! Daß ich die letzten gesammelten Reste meiner bessern Natur , die ich doch aus mancher stillen Abendstunde kenne , dem schon früh Geliebten bieten dürfte wie die arme Witwe ihr Erspartes mit der Ärmeren theilt ! Weiche nun von mir jede Verstellung ! Ich will mein Auge niederschlagen auf der Straße , ich will Dem , der mich frägt , was mir fehle , sagen : Ich bin krank ! Ich will Schmach erleiden , will noch einmal , zum letzten male versuchen , ob eine gütige Hand mich aus diesem Dunkel führt . Und wär ' es nicht - wäre auf meiner Stirn das Zeichen vergangener Irrthümer zu tief eingebrannt , nimmt er mich nicht hinüber in die Luft , die läutert , an die Quelle , die reinigt ... auch dann , auch dann , Herr des Himmels , soll mich nicht die Verzweiflung fassen , sondern nur ... und nur die Reue . Ich will , mein Gott , in mich sehen , will den Trost der Menschen suchen , die mit mir beten und die ein gleiches Bedürfniß trieb , mit seinem eigensten Herzen zu sprechen und auf die ernsten Fragen der Seele mit Ernst zu antworten . Dies Beten hört ja nur Gott . Der spottet deiner nicht . Der weint mit dir , der freut sich mit dir ! Der ist dein Widerhall ! Und hörst du den Widerhall , der aus deinem Herzen tönt , dies stille Trösten und diese Ruhe gern , dann ist ' s Der Gott , der in dir wohnt . Dann ist er dir nahe ! Glaube ihm ! Vertraue ihm ! Hoffe auf ihn ! Von nun an in Ewigkeit und die Zeit deines vielleicht nur kurzen Lebens noch ! Amen ! Wie Murray dies Gebet geendet hatte , ergoß sich Auguste in einen Strom der bittersten Thränen . Sie , die seit lange nur noch vor Ungeduld geweint hatte , weinte vor Reue und dem Gedanken an ihre tiefste Hoffnungslosigkeit . Murray , der mit gefaltenen Händen vor ihr gestanden hatte , griff nun tröstend nach ihrer Hand und zog sie empor . Sie ließ willenlos Alles geschehen , was er mit ihr begann . Er ergriff die Binde wieder , reinigte sie vom Staub und legte sie ruhig über seine Stirn . Dann sagte er : Wann kommt Mangold ? Heute Abend , aber spät ! Er ißt immer erst irgendwo zu Nacht ... In diesem Gebete und der Übereinstimmung mit Murray ' s Worten hatte sich die ganze Sehnsucht offenbart , daß Mangold sie von ihrem jetzigen Stande erlösen und an seine reine Brust ziehen möchte . Du wohnst noch in der Königsstraße ? sagte Murray . Neben dem Café Richter ... So komm ' ich heute , wenn Mangold kommt ... Auguste stand ermuthigter und gestärkter von diesen Worten , dieser Aussicht auf Trost und Beistand und