, den Kronprinzen als König zu begrüßen . Er empfing den Stern des Schwarzen Adlerordens . Ob diese Auszeichnung ihn einen Augenblick glauben machte , er werde sich auch unter dem neuen Regime behaupten können , lassen wir dahin gestellt sein . Es ist nicht wahrscheinlich . Beim Begräbnis des Königs trat er zum letzten Mal in den Vordergrund . Es war im Dom ; das offizielle Preußen war versammelt , Lichter brannten , Uniform an Uniform , nur vor dem Altar ein leerer Platz : auf der Versenkung , die in die Gruft führt , stand der Sarg . Jetzt wurde das Zeichen gegeben . In demselben Augenblicke trat Bischofswerder , eine Fackel in der Hand , neben den Sarg und der Tote und der Lebende stiegen gleichzeitig in die Tiefe . Es machte auf alle , auch auf die Gegner des Mannes , einen mächtigen Eindruck . Es war das letzte Geleit . Zugleich symbolisch : ich lasse nun die Welt . Und er ließ die Welt . Sein Dorf , sein Haus , sein Park füllten von nun an seine Seele . Mit seinen Bauern stand er gut ; die Auseinanderlegung der Äcker , die sogenannte » Separation « , die gesetzlich erst zehn Jahre später ins Leben trat , führte er durch freie Vereinbarung aus ; er erweiterte und schmückte das Schloß , den Park ; dem letztern gab er durch Ankauf von Bauernhöfen , deren Brunnenstellen sich noch heute erkennen lassen , wie durch Anpflanzung wertvoller Bäume , seine gegenwärtige Gestalt . Alle Wege , die durch die Gutsäcker führten , ließ er mit Obstbäumen , die er für bedeutende Summen aus dem Dessauischen bezog , bepflanzen und schuf dadurch eine Kultur , die noch jetzt eine nicht unerhebliche jährliche Rente abwirft . Er hatte ganz die Ackerbaupassion , den tiefen Zug für Natur , Abgeschiedenheit und Stille , den man bei allen Personen beobachten kann , die sich aus der Hofsphäre oder aus hohen Berufsstellungen in einfache Verhältnisse , aus dem glänzenden Schein in die Wirklichkeit des Lebens zurückziehen . Der Verkehr im Hause war nichtsdestoweniger ein ziemlich reger . Die katholischen und ökonomischen Grundsätze seiner zweiten Frau griffen zwar gelegentlich störend ein ; seine Bonhommie wußte aber alles wieder auszugleichen . Mit dem benachbarten Adel stand er auf gutem Fuß ; die Beziehungen zur Potsdamer Gesellschaft waren wenigstens nicht abgebrochen ; nur die eigentlichen Hofkreise , die der an oberster Stelle herrschenden Empfindung Folge geben mußten , hielten sich zurück . Friedrich Wilhelm III. , sooft er auch auf dem Wege nach Paretz das Marquardter Herrenhaus zu passieren hatte , hielt nie vor demselben an ; die Jahre , die nun mal die Signatur : Rietz , Wöllner , Bischofswerder trugen , trotzdem er zu dem letzteren nie in einem direkten Gegensatze stand , lebten zu unliebsam in der Erinnerung fort , um eine Annäherung wünschenswert erscheinen zu lassen . So kam der Herbst 1803 und mit ihm das Scheiden . Die Arkana und Panazeen konnten es nicht abwenden ; das » Lebenselixier « , von dem er täglich einen Tropfen nahm , und das rotseidene Kissen , das er als Amulett auf der Brust trug , sie mußten weichen vor einer stärkeren Macht , die sich mehr und mehr ankündigte . Der Erbring mit dem weißen Milchstein dunkelte rasch auf dem Zeigefinger , an dem er ihn trug , und so wußte er denn , daß seine letzte Stunde nahe sei . Er las im Swedenborg , als der Tod ihn antrat . Nach kurzem Kampfe verschied er in seinem Stadthause zu Potsdam . Es war am 30. Oktober . Er war in Potsdam gestorben , aber nach letztwilliger Verfügung wollte er in Marquardt begraben sein . Nicht in der Kirche , auch nicht auf dem Kirchhofe , sondern im Park zwischen Schloß und Grotte . In wenig Tagen galt es also ein Erbbegräbnis herzustellen . Eine runde Gruft wurde gegraben , etwa von Tiefe und Durchmesser eines Wohnzimmers , und die Maurer arbeiteten emsig , um dem großen Raum eine massive Wandung zu geben . Als der vierte Tag zu Ende ging , der Tag vor dem festgesetzten Begräbnis , mußte auch , um es fertig zu schaffen , die Nacht mit zu Hilfe genommen werden , und bei Fackelschein , während der erste Schnee auf den kahlen Parkbäumen lag , wurde das Werk wirklich beendet . Am 4. November früh erschien von Potsdam her der mit sechs Pferden bespannte Wagen , der den Sarg trug ; die Beisetzung erfolgte und zum ersten Male schloß sich die runde Gartengruft . Nur noch zweimal wurde sie geöffnet . Ein Aschenkrug ohne Namen und Inschrift wurde auf das Grab gestellt . Efeu wuchs darüber hin wie über ein Gartenbeet . * Wir versuchen , nachdem wir in vorstehendem alles zusammengetragen , was wir über den Lebensgang von Bischofswerder in Erfahrung bringen konnten , nunmehr eine Schilderung seiner Person und seines Charakters . Er war ein stattlicher Mann , von regelmäßigen und ansprechenden Gesichtszügen , in allen Leibesübungen und ritterlichen Künsten wohl erfahren , ein Meister im Fahren und Fechten , im Schießen und Schwimmen , von gefälligen Formen und bei den Frauen wohlgelitten . Er blieb bis zuletzt ein » schöner Mann « . Seltsamerweise haben ihm Neid und Übelwollen auch diese Vorzüge der äußeren Erscheinung absprechen wollen . In den französisch geschriebenen Anmerkungen zu den » Geheimen Briefen « wird er einfach als eine » traurige Figur « ( figure triste ) bezeichnet . Der Schreiber jener Zeilen kann ihn nie gesehen haben . Der erst 1858 gestorbene Sohn Bischofswerders , eine echte Garde du Korps-Erscheinung , war das Abbild des Vaters und übernahm noch nachträglich eine Art Beweisführung für die Stattlichkeit des » Günstling-Generals « . Der oft versuchten Schilderung seines Charakters sind im großen und ganzen die Urteile der » Vertrauten Briefe « , der » Geheimen Briefe « , der » Anmerkungen « zu den Geheimen Briefen und die