Hand . Er war sehr glücklich in dem Besitze dieses Mädchens , dem er sich immer überlegen fühlte und das hinwiederum so liebevoll zu ihm emporsah . Eilftes Capitel Niedergeschlagen und muthlos hatte der junge Freiherr vor einigen Monaten die Hauptstadt verlassen , nun kehrte er voll der besten Zuversicht in dieselbe zurück . Er meldete sich bei seinen Vorgesetzten , und ward auf das Beste aufgenommen . Man lobte es , daß er sich nicht auf seine Besitzungen zurückziehen , sondern im Dienste bleiben wolle , denn der König sah es gern , wenn die jungen Männer aus den alten Familien im Heere ihren Weg machten ; und die Stadt , die Straßen sahen für Renatus jetzt ganz anders aus , seit er sie mit dem Hinblicke auf eine künftige Häuslichkeit betrachtete . Obschon er sich vorgenommen hatte , sich Zeit zu lassen und nichts zu übereilen , konnte er der Neugier nicht widerstehen , in die verschiedenen Häuser einzutreten , in welchen Wohnungen zur Miethe ausgeboten wurden , ihre Räumlichkeiten anzusehen , um ihren Preis zu fragen , und sich Alles in das Notizbuch zu verzeichnen , das er eigens zu dem Zwecke mitgenommen hatte . Er sprach dann noch in dem Laden eines Goldschmiedes vor , um für Cäcilie den Ring zu kaufen , den er ihr als Pfand ihrer Verlobung zu geben wünschte , und wie er nun die einzelnen Kasten mit den Geschmeiden vor sich stehen sah , fiel ihm bei einem Saphirschmucke plötzlich ein , wie schön die blauen Steine auf dem weißen Halse und an den vollen Armen der Geliebten aussehen würden . Es ist ein so natürlicher Wunsch , das , was man liebt , zu schmücken . Er erkundigte sich nach dem Werthe des Geschmeides , und er fand ihn hoch . Aber Cäciliens schöner Nacken , ihr reizendes , kleines Ohr ließen ihm keine Ruhe . Er meinte sie vor sich zu sehen , er konnte sich die Freude seiner Geliebten bei dem Empfange eines solchen Geschenkes lebhaft vorstellen , und es fiel ihm ein , daß sie ihm einmal , mehrere Wochen vor ihrer Verlobung , geklagt hatte , wie sie aber auch gar nichts von Schmuck besitze , da die Mutter alles , was sie der Art gehabt , schon sehr früh der älteren Schwester gegeben habe . Allerdings bekam Cäcilie einst den ganzen Arten ' schen Familienschmuck ; indeß das waren schwere Brillanten , wie nur eine Frau sie tragen konnte , und jetzt , da er daran dachte , kam Renatus erst wieder darauf , daß der Freiherr den Familienschmuck seiner Zeit Vittorien gegeben hatte , die berechtigt war , ihn , wenn sie wollte , der Frau ihres Stiefsohnes durchaus vorzuenthalten . Es fiel ihm dabei aber auf , daß Vittoria , welche in früheren Jahren an diesen Brillanten so viel Wohlgefallen gehabt und einzelne Stücke des Schmuckes immer getragen hatte , sich desselben gar nicht mehr bediente , und er nahm sich vor , deßhalb einmal Nachfrage zu thun . Inzwischen jedoch mußte Cäcilie durchaus irgend etwas geschenkt bekommen , und der Goldschmied hatte nicht den ersten Liebenden vor sich , der zwischen seines Herzens Lust und seinen vernünftigen Bedenken einen Vermittler zu Gunsten der ersteren zu finden wünschte . Nach kurzem Zureden , kurzem Verhandeln erstand Renatus den Schmuck und befahl , ihn mit dem Ringe , wohl verpackt , nach seinem Gasthofe zu senden . Es war ein Geschenk , wie seiner Zeit der verstorbene Freiherr es der Gräfin Angelika darzubringen vollauf berechtigt gewesen war . Für Renatus jedoch war die Ausgabe viel zu groß , und er hielt sich das auch selber vor ; aber , sagte er sich , wenn man im ersten goldenen Sonnenscheine des Glückes nicht einmal seinem Herzen folgen soll , so lohnt es sich ja nicht , zu leben ! Froh über die Freude , welche er der Braut zu bereiten jetzt gewiß war , ging er nach der Wohnung seines Oheims . Er meinte , so gut aufgelegt , wie er sich jetzt eben fühlte , mit den Vorstellungen und Einwendungen , welche derselbe , als Hildegard ' s geschworener Freund und Verehrer , ihm sicherlich nicht vorenthalten werde , am leichtesten fertig werden zu können , und es war ihm sehr erwünscht , als er auf seine Anfrage die Antwort erhielt , daß der Graf zu Hause , und ihn zu empfangen bereit sei . Der Graf stand mitten im Zimmer , als Renatus bei ihm eintrat . Er sah nicht übel aus , aber er stützte sich auf einen Stock , und wie es dem Neffen schon auffiel , daß er ihm nicht wie sonst entgegenkam , daß er ihm nicht die Hand reichte , fiel es ihm noch mehr auf , daß der Graf eine sonderbare Art sich zu bewegen angenommen hatte . Er trug sich immer noch sehr gut , indeß seine Haltung sah so absichtlich aus , und erst als er nach seinem Lehnsessel gegangen war , sich fest niedergesetzt und seine Beine in eine bequeme Lage gebracht hatte , sagte er : Nun , mein Lieber , Du kommst wohl , Dir meinen besonderen Glückwunsch zu Deiner neuen Verlobung abzuholen ? Seit wann bist Du denn zurückgekehrt ? Es fuhr wie ein kalter Luftzug über den jungen Freiherrn hin . Der Anblick seines Oheims hatte ihn , er wußte selbst kaum , weßhalb , erschreckt ; der unverkennbare Spott in seinem Tone beleidigte ihn . Er hatte sich indessen darauf gefaßt gemacht , hier auf Tadel und Mißbilligung zu stoßen , zu welchen , er läugnete sich das keineswegs , seine Handlungsweise Jedem , der die Verhältnisse nicht wie er selber kannte , auch ein volles Recht gab . Er überwand also seine Mißempfindung und sagte : Ich habe Ihnen , lieber Onkel , denke ich , nicht nöthig , eine lange Rechtfertigung meines Thuns zu machen ! Sie sind ein Menschenkenner und kennen mich und Hildegard - wir