seinen Kameraden finden werde . Er entwarf sich ein lockendes Bild von dem hübschen Hause , das er machen wolle , versprach sich , Vittoria und seiner Braut große Genugthuung von der Bewunderung , welche die musikalische Bildung der beiden Frauen , denn auch Cäcilie war unter der Baronin Anleitung eine vortreffliche Sängerin geworden , am Hofe erregen mußte ; und weil bei diesen Planen der Gedanke an das Landleben völlig ausgeschlossen war , so schwand des jungen Freiherrn Widerstreben gegen den Verkauf seines halben Besitzes endlich ganz und gar . Ein paar Tage nach seiner Verlobung , gleich nachdem er die Meldung derselben an seine nächsten Anverwandten ausgeführt hatte , setzte er sich wohlgemuther , als er es bei solchem Anlasse jemals für möglich gehalten hatte , nieder , seinem Amtmanne zu schreiben , wie er sich entschlossen habe , sobald sich ihm die Gelegenheit dazu biete , die beiden Nebengüter zu verkaufen , daß er aber nicht abgeneigt sei , ihm Richten , je nachdem man sich darüber einigen könne , zur Verwaltung oder zur Verpachtung zu überlassen . Bis über den Verkauf der Güter entschieden sein werde , wünsche er also , falls dem Amtmanne dies auch genehm sei , Alles beim Alten zu lassen , und es werde sich dann voraussichtlich so fügen , daß der neue Contract mit ihm , statt jetzt im Beginne des dritten Quartales , zu Ende desselben abgeschlossen und mit dem Anfange des letzten Quartales in Kraft gesetzt werden könne . In derselben Stunde zeigte er auch Steinert an , daß er verkaufen wolle , weil er sich mit der Gräfin Cäcilie Rhoden verlobt habe , welche in der Stadt zu leben wünsche , wohin ihn selber die eigene Neigung für den Kriegsdienst und die Rücksicht auf die Erziehung seines Bruders ziehe . Könne er mit Steinert Handels einig werden , und zwar so , daß Steinert und der Baurath Herbert , der , wie er von dem Amtmanne gehört zu haben glaube , den Kauf mit Steinert gemeinsam unternehmen wolle , beide Güter an sich brächten , so werde ihm dies um seiner Insassen willen das Erwünschteste sein . Er werde dann die Leute , welche seit Hunderten von Jahren zu seinem Hause gehört hätten , in Steinert ' s Vorsorge , der den Leuten lieb und bekannt sei und ein Herz für sie habe , wohl berathen und wohl geborgen wissen . Einer persönlichen Besprechung bedürfe es für ' s Erste deßhalb nicht , und leider habe er zu dieser , von dem Ablaufe seines Urlaubs bedrängt , auch nicht mehr die Zeit . Zudem befänden die sämmtlichen Akten sich augenblicklich in der Hauptstadt , in seines Oheims Händen . Dorthin gehe er und sei bereit , auf Anfrage , aus den Akten jede gewünschte Auskunft zu ertheilen , wie es sich denn auch von selbst verstehe , daß der Amtmann und der Justitiarius den Käufern Einsicht in die geführten Bücher gewähren würden , wenn sie etwa nach Richten kommen sollten , sich die gegenwärtige Sachlage anzusehen . Er hatte ein angenehmes Selbstgefühl , als er diese beiden Schreiben durchlas . Es dünkte ihn , als sei er plötzlich ein ganzer Geschäftsmann geworden , und er begriff , wie der Freiherr sich an solche Verhandlungen allmählich gewöhnen und Geschmack an ihnen habe finden können . Es beruhigte ihn , daß er sich bei seinen Planen mit Antheil an das Loos seiner Leute erinnert hatte ; er dachte , daß Steinert sich ohne alle Frage über seine bevorstehende Verheirathung erfreuen werde , und wenn derselbe dann , hier im Lande lebend und selbst arbeitend , mehr aus den Gütern herausschlagen konnte , als es den Freiherren von Arten möglich gewesen war , nun , so war das einmal nicht zu ändern , und er wollte es ihm gönnen , daß er vorläufig den Vortheil davon zog , wenn er die Güter hob . Vielleicht war es dem nächsten Herrn von Arten , vielleicht war es seinem Sohne einst beschieden , die Güter zurückzukaufen , wenn Renatus jetzt Ordnung in die Verhältnisse des Hauses brachte . Er selbst freilich mußte sich für die Vergangenheit und für die Zukunft zum Opfer bringen ; aber in seiner militärischen Laufbahn , an Cäciliens Seite , in der Residenz , und mit einem immer noch bedeutenden Grundbesitz als Rückhalt , ließ das Leben sich ertragen . Er fuhr mit leichtem Herzen an dem Tage auf das Gut eines Freundes , um dort , begleitet von der Gräfin und von Vittoria , mit seiner Braut den ersten Besuch zu machen , und man hatte in dem Hause gute Sitte genug , es nicht merken zu lassen , wie überrascht man war , nicht Hildegard , sondern Cäcilie als des Freiherrn Erwählte zu empfangen . Die Gräfin selbst mußte das Gespräch darauf bringen , mußte die Frage aufwerfen , ob man sich nicht wundere , ihre zweite Tochter mit dem Freiherrn verlobt zu sehen , ehe sie ihre romantische Erklärung zu Hildegard ' s Bestem abgeben konnte ; und weder Renatus noch Cäcilie wußten ihr dies Dank . Die Mutter hat Hildegard immer vorgezogen ! sagte Cäcilie , als sie sich mit Renatus allein befand . Nun müssen wir beide Hildegarden wieder zur Folie dienen und uns dafür bedanken , daß sie vor jenen Jahren Dich mit ihrer Leidenschaft um Deine vernünftige Ueberlegung zu bringen und sich mit Dir in dem Augenblicke zu verloben verstanden hat , als Du Dich von ihr loszumachen wünschtest . Die Mutter wird ' s noch dahin bringen , daß ich die Schwester hasse ! Beneidest Du sie , Cäcilie ? fragte Renatus , auf dessen schon von Natur weichen und gütigen Sinn die Erziehung des Caplans noch verschönend und zur Nachsicht stimmend eingewirkt hatte , während sein Glück , sein erstes Liebesglück , ihm das Herz noch mehr erschloß . Hast Du Grund , sie zu beneiden ? Cäcilie antwortete ihm nicht , aber sie umschlang ihn und küßte ihm die