Baronin und den dringenden Bitten , und den festen Betheuerungen des jungen Freiherrn , trugen denn auch bald den Sieg davon . Weil Renatus sein früheres Verlöbniß geheim gehalten hatte , war er und war die Gräfin jetzt der Meinung , daß man die neue Verbindung nicht schnell genug veröffentlichen könne . Aber man mußte doch eine Form dafür finden , das Auffallende des Vorganges denjenigen , welche die Verhältnisse mehr oder weniger kannten , wenn auch nur einigermaßen zu erklären oder annehmbar zu machen ; und die Gräfin , welche vor allen Dingen um Hildegard besorgt war , hatte schnell einen Plan entworfen , der zu Gunsten dieser letzteren berechnet war . Man sollte , so forderte sie , aus Cäciliens früher und dauernder Neigung zu Renatus kein Geheimniß machen , man sollte auch eingestehen , daß dessen Liebe zu Hildegard nicht mehr so feurig als früher gewesen und daß er bei der Heimkehr von der Anmuth und von der nicht zu verbergenden Leidenschaft der jüngeren Schwester gerührt worden sei . Dann aber solle man die Dornenkrone der armen Hildegard in einen Heiligenschein verwandeln und erzählen , wie die Großmuth und die Entsagung dieser schönen Seele das Unheil , welches hereinzubrechen gedroht , durch ihren heldenmüthigen Entschluß verhindert , wie sie durch eine Entfernung , von welcher selbst die Mutter nichts gewußt , die Verwirrung gelöst und in einem zurückgelassenen Schreiben den Wunsch ausgesprochen habe , die beiden ihr theuersten Menschen , den Geliebten und die Schwester , verbunden und so glücklich zu sehen , als es zu werden ihr von Gott nicht beschieden gewesen sei . Die Gräfin konnte sich in ihrer Rührung der Thränen kaum erwehren , als sie den schnell erfundenen Ausweg vor ihren erstaunten Hörern darlegte . Vittoria , die jetzt plötzlich ihr mütterliches Recht auf Renatus und ihre Freundschaft für Cäcilie geltend machte , so daß man sie bei keiner Besprechung und Berathung übergehen konnte , hatte Mühe ernsthaft dabei zu bleiben , und Cäcilie und Renatus , welche in der Erdichtung der Gräfin keine üble Rolle spielten , waren mit allem zufrieden und einverstanden , was sie auch nur eine Stunde früher an das ersehnte Ziel zu führen verhieß . Sie waren beide sehr bereit , an Hildegard zu schreiben , ihre Nachsicht , ihre Verzeihung zu erbitten , ihr jede möglichen geschwisterlichen Dienste für die Zukunft anzubieten und ein treues Zusammenhalten zu geloben ; aber beide waren so voll von ihrem Glücke , so voll von Lebenslust und Hoffnung , daß sie sich in den Gemüthszustand des verlassenen Mädchens gar nicht hineinzuversetzen wußten und daß die Gräfin es endlich gerathener fand , die Briefe des Brautpaares an die Entfernte zu unterdrücken und die Darstellung des Geschehenen allein auf sich zu nehmen . Zehntes Capitel Die Plane und Vorsätze , mit welchen der Freiherr in Bezug auf seine Güter letztlich umgegangen war , erhielten durch seine neue Verlobung eine wesentliche Befestigung . Cäcilie , die seit ihrem fünfzehnten Jahre in dem Schlosse gelebt hatte und nur selten nach der Kreisstadt gekommen war , hegte , wie schon Hildegard ihm dies stets geschrieben hatte , eine Sehnsucht danach , die Hauptstadt , die schöne Welt , den Hof kennen zu lernen , und die Schilderungen , welche Renatus ihr von seinem Pariser Leben machte , steigerten jene Sehnsucht zu einem wahrhaften Verlangen . Vittoria ihrerseits , welche aus ihrem Kloster grades Weges nach Richten und in das Ehebett des greisen Mannes gekommen war , hatte der Einsamkeit nun auch die Fülle genossen . Sie begehrte nach einer Zerstreuung , wenn die Gesellschaft ihrer Freundin Cäcilie ihr entzogen und Valerio ihr genommen werden sollte ; und weil man , wenn die Verlobten sich jetzt zwanglos in Vittoria ' s Zimmer gehen lassen durften , sich allseitig so wohl befand , so heiter war , so wurde ein solches Beisammensein auch für die Zukunft als das Erfreulichste und zugleich als das Einfachste in ' s Auge gefaßt . Man hatte niemals an einen gemeinsamen Haushalt mit Vittoria denken können , so lange noch die Rede von der Heirath mit Hildegard gewesen war . Jetzt , da es sich von selbst verstand , daß die Mutter mit ihrer ältesten Tochter vereinigt bleiben würde , ward es eben so fraglos , daß Vittoria sich an das junge Paar anschloß , und da keiner von diesen Dreien bisher jemals in der Lage gewesen war , sich ein Haus zu begründen , fanden sie ein lebhaftes Vergnügen darin , mit einander die Entwürfe für ihre Einrichtung zu machen , die Straße auszuwählen , in welcher man sich , wenn es möglich sei , niederlassen wolle , die Zahl der Zimmer , die Art ihrer Vertheilung durchzusprechen und die Weise im voraus festzusetzen , nach der man leben wolle . Renatus hatte den berechtigten Wunsch , da er seine Güter verkaufen und im militärischen Dienste bleiben wollte , was beides noch kein Stammhalter seines Hauses jemals gethan hatte , durch ein würdiges Auftreten in der Hauptstadt es darzuthun , daß seine Umstände immer noch günstig wären , wenn er sich auch zu entschiedenen Schritten für ihre Befestigung und Sicherung bewogen finde . Selbst Tremann , der nicht zum Beschönigen derselben geneigt gewesen war , hatte es ihm ausgesprochen , daß seine Lage keineswegs eine verzweifelte , sondern eine haltbare und der Verbesserung fähige sei , wenn er sich zu den Maßnahmen entschließen könne , die er auszuführen jetzt im Begriffe stand . Renatus empfand ein Zutrauen zu sich und zu seiner Zukunft , welche ihm bisher in den letzten Jahren völlig gemangelt hatte , und er dachte mit großer Heiterkeit an den nicht mehr fernen Zeitpunkt , in welchem er , aller seiner Sorgen entladen , nur seinem Dienste und seinem Glücke an der Seite einer geliebten Frau , in Gesellschaft seiner Stiefmutter und ihres Sohnes werde leben können . Er freute sich auf die Rückkehr zu seinem Regimente , er freute sich auf den Beifall , welchen seine Frau bei