dann wol auch die Treppen zu den Regierungscollegien , wo Du - » Gutes wirken « willst ! Ach , mag Dir ' s dabei nur nicht so ergehen , wie mir damals , als ich wirklicher Dechant war und ein lutherscher Regierungsrath mir unter eine Rechnung für Oel , Wachs , Wein und Salz beim Salze regelmäßig beischrieb : » Ich frage wiederholt : Gehört denn in die Cultusrechnungen auch die Naturalverpflegung der Herren Pfarrer ? « Wußte der Kerl nicht , daß zu unsern Taufen Salz gehört ! Er glaubte , die Rechnung der Köchin hätte sich in die für das Cultusministerium verirrt . Ich schrieb damals an den Rand : » Salz ist ein gutes Ding ; so aber das Salz dumm wird , womit soll man würzen ! Lucä 14 , 34. « - Du freilich wirst durch solchen » Druck « auf unsere » arme « Kirche nicht zum » Rechtgläubigen wider Willen « gemacht werden ; denn nur Römlinge sehen nicht ein , welche verbesserte , wahrhaft glänzende Lage gegen früher wir bei alledem in partibus infidelium haben ... Doch nichts vom Kirchenstreit ! Was sagst Du zu dem noch immer unter polizeilicher Aufsicht stehenden Hunnius ? Neulich rief er vor einer Gemeinde , die leider nicht die zu Sanct-Hedwig in Berlin war , sondern nur die Stadtkirche in Kocher am Fall , sage die Stadtkirche in Kocher am Fall ! : » Sanct-Paulus war seines Zeichens ein Teppich- , kein Schleier-Macher ! « Diese seine Anspielung auf Professor Schleiermacher in Berlin fiel natürlich bei uns ganz auf den Weg . Bona , ich warne Dich nur , Deinem Diöcesanklerus nicht etwa in jugendlicher Begeisterung Conferenzen vorzuschlagen , schriftliche Arbeiten zum Circulirenlassen , Lesecirkel , eine Archipresbyteriatsbibliothek und ähnliche Reformphantastereien , die uns arme Einsamkeitsschlucker und Trübsalbläser erheben , zerstreuen und bilden sollen ! Du dringst damit nicht durch ! Stelle Dich blind und taub für alles , was Du sehen und hören wirst ! Unsere Kirche bessert sich einst , aber nur durch große Revolutionen . Bis dahin emancipire sich ein jeder für sich , mache sich zu einem kleinen Privat-Pantheon der gesunden Vernunft und soll ich Dir rathen , suche Dir in Witoborn höchstens nur die allerältesten Priester heraus , alte säcularisirte Benedictiner , einen alten Kapitular , der vielleicht ein armseliges Zimmerchen im Seminar bewohnt , nur um seine Einkünfte für ein paar Schwestern zu sparen . Da wirst Du vielleicht noch einen oder den andern Menschen finden von Gemüth , von herzverklärtem Geist , von lieben alten plauderhaften Erinnerungen an eine Zeit , wo Lessing seinen » Nathan « auch für uns gedichtet hat und mancher junge katholische Priester lieber eine schöne luthersche Predigt von Spalding und Reinhard ablas , als selbst eine viel weniger schöne schrieb . Da ist im alten Jesuitenstift ein Gang , wo alle Generale der Jesuiten abgebildet sind ! Sieh sie Dir an ! Einer schaut pfiffiger aus , als der andere ; die Spanier sind besonders schlau , die Deutschen von einer kläglichen Unverbesserlichkeit , sämmtlich , wie es scheint , aus der dümmsten Gegend Deutschlands , aus dem Innviertel ; nur einen sieh Dir recht an , der hat eine furchtbar lange Nase , scheint mir jedoch der gutmüthigste von allen . Die Nase ist ganz nur die Ablagerungsstätte für die Schnupftabacksdose . So sah der alte Rector dort aus , als ich bei Witoborn lebte und ein alter lieber Freund von mir , ein ehemals jüdischer Gelehrter , den ich in Paris kennen gelernt hatte , dort convertirte und ins Seminar trat ... A propos , solltest Du unsern harmonietrunkenen Herrn Löb Seligmann von hier sehen : die Hasen-Jette läßt ihn grüßen und von seinem Davidchen anzeigen , daß dessen Beine sich stärken und sein Geist von Tag zu Tag dem des jungen Samuel ähnlicher wird ... Findest Du unter den Priestern einen solchen kleinen alten dicken Mann mit langer Nase und einer Schnupftabacksdose in der Hand , dann grüß ' ihn von mir , er kennt mich gewiß . Der alte Rector freilich ist jetzt todt ... Sonst - wenn Du arme Kaplane siehst , für die das Wort Stolgebühren bisher nur erst im Examen vorgekommen ist und die am » Freitisch « bei ihrem Pfarrer verhungern müssen , nun , immerhin , lege für mich aus , Bona , falls Du auf anständige Art einige ihrer drückendsten Schulden tilgen willst und wende ihnen Meßstipendien zu , soviel nur Seelen am Vorhof des Himmels schmachten , und laß die armen Tröpfe nicht herumlaufen und um Messen betteln und bei jedem Sterbefall lungern , ob auch für sie ein Knochen von den zweihundert gestifteten Erlösungsbitten à 10 Silbergroschen abfällt ! Und findest Du am Münster in Witoborn auch so arme , blasse , heisere Vicare , die statt der bequemen Domherren Brevier singen müssen und schon um den letzten Ton in ihrer Kehle gekommen sind ( könnte doch Löb Seligmann aushelfen ! ) , so zeig dem Bischof die stummen Opfer Roms und seufze immerhin in meinem Namen vorläufig wenigstens um deutsche Sprache statt lateinischen Gesangs ! ... Lebt denn dort noch die Quart ? Muß denn auch da jeder neuernannte Pfründner den vierten Theil seines Einkommens dem Bischof zinsen ? O würde das Geld doch angelegt für eines Priesters alte Tage , wo er freudlos , ohne liebende Hand , die für ihn sorgt , ohne ein Herz , das seine grämelnde Laune erträgt , in das Eremitenhaus ziehen muß oder in einen alten Profeßhof kommt , diese Invalidenhäuser der römischen Armeen , wo es zwar keine Stelzfüße , aber arme unglückliche Seelenkrüppel genug gibt ! Bona , Bona - nun komm ' ich doch in die Reformen ! Man sagt , unterm Mikroskop wäre unser reinstes Quellwasser voll garstiger Infusorien - und Windhack behauptet das auch und verleidete sich dadurch schon zu lange das Wasser und trinkt fast zu viel vom Kocherer Wein - ; aber an dem Sold ,